Ein internationales Konsortium, bestehend aus der usbekischen nationalen Holding „Uzbekneftegas" und dem russischen Unternehmen „Lukoil" sowie der chinesischen CNPC, beabsichtigt 2017 eine zusätzliche Aufschlussbohrtätigkeit zur Erschließung neuer Lagerstätten von Kohlenwasserstoffen im Aralsee zu implementieren. Heute sind die geologischen Untersuchungsarbeiten in der Endphase. In diesem Jahr plant man zwei Aufschlussbohrungen unter Berücksichtigung der Ergebnisse seismischer Untersuchungen und der Suchbohrtätigkeit durchzuführen. 2005 wurde das internationale Konsortium ein Gemeinschaftsunternehmen „Aral Sea Operating Company" als Operateur für die geologischen Untersuchungsarbeiten gegründet. Gemäß heutigen Schätzungen nach den Untersuchungsbohrungen sind ungefähr 16 Millionen Tonnen Einheitsbrennstoffe gelagert.

Eine weitere intensive Erschließung der Öl-Gas-Lagerstätte führt zur künstlichen Austrocknung des Aralsees mit anschließender Verschlechterung der ökologischen Lage im Aralgebiet. Die Umwelt wird durch folgende negativen Faktoren stark leiden:

Erstens, die landschaftlichen Bodensenkungen des Aralsees, die heute die Wasserressourcen speichern, liegen genau im Gebiet der bevorstehenden Bohrungs- und Untersuchungsarbeiten. Das sind „Umid", „Westaral", „Ak-Tepe", deren künstliche Austrocknung zur Versandung des nördlichen Teils des sogenannten Südaralsees führen. Zweitens, der ständige starke Wind in der Region wird die giftigen Staubwolken, Salze und andere Giftmittel von den ausgetrockneten Teilen in andere Teile der Region zerstreuen und verschlechtern die klimatische, biologische und schließlich demographische und soziale Lage in der ganzen Region.

Drittens, die Besonderheiten und Eigenschaften der Lagerstätte, wo die Untersuchungen und Bohrungen geplant sind, können die Erweiterung technologischer Arbeiten in die Tiefe des Aralsee-Raumes verlangen. In diesem Sinn ergaben sich die Untersuchungsarbeiten, die vom Operateur seit Anfang des Projekts im Jahr 2006 bis 2011 im Ost-Aral-Gebiet durchgeführt wurden, als unergiebig. Da man erwartete Öl-Gas-Bestände nicht gefunden hat, beschloss man die Erdölschürfung in Richtung Nord-West auf den „Westaral" und „Umid" weiter zu vertiefen. Die Perspektiven von erschlossenen Gaslagerstätten weisen darauf hin, dass die Sucharbeiten künftig auf weiteren Teilen mit Verwendung aggressiveren Methoden fortgesetzt werden. Und dies bringt sehr ernste Risiken für die ökologische Situation in der ganzen Region mit sich, die ohnehin sehr dramatisch ist. Es ist zu betonen, dass 25% des Arbeitsumfangs in den Tiefseezonen, das heißt bis zu 40 Meter tief, und 25% in den Transit-Küstenzonen sowie nur 50% im wasserfreien Gebiet durchgeführt werden.  

Hier ist hinzuweisen, dass die Teilnahme von ausländischen Investoren an der Realisierung des Projekts eher von geopolitischen Interessen als vom wirtschaftlichen Nutzen diktiert ist.

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Was passiert bei der Erdöl- und gasförderung auf dem Gebiet
des Aralsees?

Christian Hellberg
November 2016
dpa