Soziale Aktivitäten sind ein großes Feld für die Selbstdarstellung. Diese Aktivitäten sind ein guter Weg, um sich nicht nur selbst zu präsentieren, sondern auch um gutes Geld zu verdienen. Die Hauptsache dabei ist, einen Sponsor für Losungen, wie "Das Volk schluckt", zu finden. Einer von solchen sehr erfolgreichen kasachstanischen Öffentlichkeitsarbeitern" ist Ainur Kurmanow, der von Natur aus einen Imagemacher und Widersacher darstellt.

Seine Karriere begann Anfang der 1990er Jahren, als der frischgebackene Schulabsolvent beschloss, der Kommunistischen Partei beizutreten. Und sofort wurde er ein Aktivist unter den Ultralinken: Er organisierte inoffizielle Kundgebungen, strich die Wände mit Losungen gegen die Regierung und organisierte "Arbeiterstreiks" in den Fabriken.

Er träumte von der Romantik des letzten Jahrhunderts und stellte sich als ein Revolutionär dar. Doch im Laufe der Zeit versuchte Ainur, sich von der kommunistischen Ideologie zu distanzieren und bezeichnete sich als Sozialist. Jedoch hat sich der Inhalt seiner Aktivitäten seither nicht wesentlich verändert.

Man bekommt den Eindruck, dass der Sinn Ainurs bisherigen Lebens darin bestand, auf die Barrikaden zu steigen. Ob es dafür einen Grund gab oder nicht, ist egal. Die Hauptsache dabei ist, mit einem Lied auf die Barrikaden zu klettern. Das heißt, es hat mit sozialistischen Losungen zu tun. Die sozialistischen Losungen kombinieren sich harmonisch mit dem üblichen Ausdruck.

Hier ist ein Beispiel. Im Bezirk Schanaösen ging er zusammen mit den Arbeitern auf den Platz, um bessere Arbeitsbedingungen zu fordern. Aber tatsächlich forderte er, anders als die Erdölarbeiter, keine Lohnerhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen, sondern die Verstaatlichung von Unternehmen. Ähnliche Slogans erklangen während seiner Teilnahme an Arbeitsstreitigkeiten als Menschenrechtsverteidiger zwischen der Leitung und den Mitarbeitern des Autoreparaturwerkes in Almaty und einer Schwermaschinenbauanlage.

Seine aktive Teilnahme an den Kundgebungen bezeichnet Kurmanow als "Menschenrechtsaktivitäten." So stellt er es sich vor, wenn er versucht, alle möglichen Probleme zu lösen. Aber es sei zu betonen, dass er, wie seine Aktivitäten zeigen, kein guter Menschenrechtsaktivist ist, obwohl er sich so positioniert.

Der Linksradikale Kurmanow wurde für seine Tätigkeit für die Zeitung "Respublika" nach Almaty berufen. Und hier war er in der Lage, seine Tätigkeit in voller Kraft auszuleben. Besonders aktiv zeigte er sich während des Abrisses von illegalen Bauten in den Vororten von Almaty, Shanyrak und Bakay: Er streikte und warf sich vor die Baufahrzeuge. Er beschloss sogar, den Pressedienst des öffentlichen Ausschusses "Shanyrakka Tirek" zu leiten, wo er sich aber nur mit der Verteilung von Pressemitteilungen und den öffentlichen Erklärungen in den Medien beschäftigte.

Anschließend erweiterte er seine zahlreichen Aktivitäten. Er trat der Bewegung von Immobilieninvestoren und Hypothekennehmer nach der Krise von 2007 bei. Darüber hinaus leitete er den öffentlichen Verein "Talmas". Außer seiner bekannten Schaumschlägereien haben weder die Hypothekeninhaber noch die Immobilieninvestoren Hilfe von ihm erhalten.

Es waren nur die Slogans. Und häufig fielen diese Slogans mit den laufenden Ereignissen nicht zusammen. Die Forderungen nach Lohnerhöhungen ließen sich kaum mit denen nach der Nationalisierung kombinieren. Das Problem des Bankrotts von Baufirmen stand keineswegs in Verbindung mit seiner Forderung nach einem Regierungsrücktritt.

Was kann man eigentlich von ihm erwarten? Er ist ein Sozialist ohne tiefes Wissen und ohne Moral. Solch schreiende Sozialisten sind immer bei denen beliebt, die das Geld für den Skandal bezahlen. Es ist ihnen egal, gegen was sie kämpfen müssen. Sie machen das, um sich als Gegner zu positionieren und von der öffentlichen Tribüne schreien zu können.

Solche Menschen lenken Aufmerksamkeit auf sich und können daher etwas Lärm in die richtige Richtung und mit den richtigen Losungen verbreiten.

Offenbar genießt Ainur Kurmanow in den letzten Jahren unerschöpfliche Aufmerksamkeit von seinem wichtigsten Kunden, dem kriminellen Oligarchen Muchtar Abljasow, der Kurmanow mit Geld durch die Zeitung "Respublika" und anderen Quellen versorgt.

Das Kurmanow kein Kämpfer für die Rechte der Bürger ist, sondern sogar auch zu den sozialistischen Ideen ein sehr distanziertes Verhältnis hat, bestätigen ein paar Fakten. Die erste Tatsache ist, wie bereits erwähnt, dass Herr Kurmanow finanzielle Unterstützung von Muchtar Abljasow, der, wie bekannt ist, 6 Milliarden US-Dollar von Kasachstan gestohlen hat, erhält. Kurmanows sozialistische Propaganda "Macht den Menschen, Betriebe den Arbeitern" kann kaum mit den Aktivitäten eines kriminellen Bankiers vereinbart werden. Darüber hinaus kooperiert Kurmanow aktiv mit der Stiftung "Open Dialogue", deren Mitglieder, wie bekannt ist, die Abgeordnete im polnischen Parlament, Balli Marzec, verprügelt haben, weil sie die Aktivitäten von Abljasow in Polen kritisierte.

Frau Marzec sagte kurz nach dem Angriff auf sie: "Die ganzen Aktivitäten der Stiftung "Offener Dialog" zielen darauf ab ihren Chef, den kasachischen Oligarchen Muchtar Abljasow zu schützen. Dieser Mann, der 6 Milliarden US-Dollar dem kasachstanischen Volk stahl und in den Westen floh, will sich jetzt der kasachischen Opposition anschließen. Abljasow agiert in mafiaähnlichen Strukturen. Er begann auch damit, seine Mafia-Aktivitäten auf Polen auszudehnen.

Mafia bedeutet Geld und Macht, und Abljasow, Geld habend, versucht, polnische Politiker zu bestechen, um deren Politik zu beeinflussen. Die zweite, jedoch sehr wichtige Tatsache ist, dass Kurmanow seit fünf Jahren in Moskau lebt und arbeitet. Dort kämpft er nicht für die Rechte der Kasachstaner, sondern ruft die Slogans der russischen Linken. Im Allgemeinen organisiert er laute und schreiende Menschenmengen auf den Moskauer Plätzen.

Doch von Zeit zu Zeit erinnert sich Kurmanow an seine Heimat. Von Moskau aus fordert er dazu auf, "den Kampf fortzusetzen." Gegen alles. Er wettert gegen die Privatisierung, gegen die Anti-Terror-Gesetze und behauptet, dass der Kampf gegen Extremismus ein "Kampf gegen die Menschen" sei. Er bezeichnete sogar die tragischen Ereignisse von Aktöbe als eine Fiktion.

Zwischendurch beschimpfte Kurmanow die lokalen Oppositionellen und Nationalpatrioten Tayzhan und Syrym und sagte, dass sie die Bürger betrügen um ihre Popularität unter den Menschen zu erhöhen. Interessanterweise unterscheiden sich seine Thesen wenig von denen, die heute von der von Abljasow kontrollierten Stiftung "Offener Dialog" wiederholt werden. Es scheint, dass Kurmanow keine eigenen Ideen und Gedanken mehr hat.

Es ist schwer für Ainur Kurmanow in Moskau ohne Adrenalin, den er durch Proteste, Demonstrationen und Barrikaden kriegt, zu leben. Das russische Aktionsfeld ist zu groß für ihn. Und deshalb freut er sich über jede Art von Unruhen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Zum Beispiel beschloss er seine Chance nicht zu verpassen, um eine Revolution in Usbekistan zu organisieren. Kurmanow wollte die Bürger zum Aufstand aufrufen, während der Präsident dieser Republik erkrankt war.

Aber er präzisierte nicht, mit welchen Slogans und gegen was sie streiken sollten. Das spielte aber keine Rolle. Das Wichtigste ist für ihn selbst der Streik, um das Image seines Gegners zu unterminieren, den eigenen Adrenalinschub zu bekommen und den Judaslohn von seinen jeweiligen Bestellern zu erhalten.

Photo: camonitor.kz
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Der sinnlose Kampf des korrupten Aktivisten Ainur Kurmanow


Konstantin Laffenbach
Mitte September 2016