Das „Internationale Finanzzentrum Astana" wird seine ersten Geschäftspartner nach der Weltausstellung „EXPO-Astana 2017" empfangen. Dieses Eröffnungsdatum hat der Geschäftsführer des Finanzzentrums Kairat Kelimbetow verkündet. Trotz der Skepsis seitens westlicher Investoren und der Befürchtung der russischen Seite, dass das „Internationale Finanzzentrum Astana" zu einer neuen Offshore-Zone wird, hat Kasachstan das gewisse Potential, ein Finanz-Hub im Eurasischen Raum zu werden.

Die Idee zur Gründung des internationalen Finanzzentrums in der Hauptstadt Astana existiert seit langer Zeit. Der bereits verabschiedete Plan der „100 konkrete Schritten" beschreibt konkret, wie sich der Staat entwickeln soll, um einen neuen Impuls für die wirtschaftliche, politische und soziale Entfaltung der Nation zu geben. Dieser globale Finanzstandort soll dabei eine wichtige Rolle spielen. Die Firmen, die sich in diesem Zentrum ansiedeln werden, erhalten exzellente Bedingungen: Sie werden für 50 Jahre von Steuern befreit (das betrifft die Mehrwertsteuer beim Import von Rohstoffen und Materialien, die für Investitionsprojekte verwendet werden) und das angelsächsische Rechtsmodell sowie ein besonderes Visa- und Währungsregime werden angewandt.

Was das operative Geschäft angeht, so wird der kasachische Börsenhandel in die Hauptstadt umziehen. Die Aktiva des Nationalen Fonds und des Einheitlichen Pensionssparfonds werden über das Zentrum verwaltet. Darüber hinaus ist geplant, dass staatliche islamische Wertpapiere bei der Börse des Finanzzentrums angelegt werden können.

„Wir verstehen, dass dieses Projekt eine große und schwierige Angelegenheit wird. Es ist daher wichtig, dass das Interesse in unserer Region über das Internationale Finanzzentrum im Kontext mit Finanzleistungen im Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit des „Seidenstraßenprojektes" gewährt wird. Man muss diese Nische füllen und sich Schritt für Schritt entwickeln. Wir hoffen auf die Teilnahme der internationalen Finanzinstitutionen sowie großer Unternehmen, die nach Kasachstan kommen und sehen, dass man hier arbeiten und investieren kann.", sagte der Präsident Kasachstans Nursultan Nasarbajew im Laufe eines Treffens mit Mitgliedern des Rates für die Verwaltung des Internationalen Finanzzentrums.

Die Perspektiven des Finanzzentrums werden bereits Ende dieses Jahres präsentiert. Die Mitglieder des Rates behaupten, dass eine Finanzplattform dieser Art im ganzen Eurasischen Raum neu ist. Laut dem Entwicklungsplan soll das Finanzzentrum Leistungen für die Märkte in Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan und anschließend auch in der Mongolei sowie im Südkaukasus erbringen. Auf dem diesjährigen Wirtschaftsforum in Sankt-Petersburg wies Nasarbajew auf den Rückgang der Investitionen aus Russland in Kasachstan hin und lud die Unternehmer aus dem strategisch wichtigen Partnerland ein, auf der Plattform „Astana" tätig zu werden.

Wie ausländischen Finanzexperten feststellen, ist die Idee bezüglich der Gründung des Internationalen Finanzzentrums in Kasachstan ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Im Land sind besondere Voraussetzungen vorhanden: Die nationale Währung Tenge überstand die Abwertungen und die Wirtschaft nahm Kurs auf das Inflationstargeting, was heißt, dass die Preise in Kasachstan auf günstigem Niveau für die Investoren liegen. Zudem werden große und wichtige Staatsunternehmen privatisiert.

Zum Aufbau eines lokalen Kapitalmarkts etabliert das Finanzzentrum zusammen mit führenden Weltbörsen eine hochtechnologische Börseninfrastruktur. Es wurden bereits Gespräche mit der London Stock Exchange, der London Metall Exchange, der Chicago Handelsbörse, der NASDAQ Dubai sowie der New-York Stock Exchange geführt.

Neben den ausländischen Unternehmen darf man auch die einheimischen Akteure nicht vergessen, die in der Zukunft eine bedeutende Rolle spielen werden. Außerdem ist klar, dass die ausländischen Firmen kommen und wieder gehen können.

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Das „Internationale Finanzzentrum Astana“ nimmt konkrete Formen an

Christian Hellberg
Anfang August 2016