Während des Zeitraumes von 20 Jahren nach der Unabhängigkeit von der UdSSR gelang es den Ländern der zentralasiatischen Region Konflikte zu vermeiden. Jedoch sorgen die Debatten über die Veränderung des Betriebsregimes der grenzüberschreitenden Flüsse Syrdarja und Amudarja für beunruhigende Befürchtungen in Bezug auf die Zukunft.

Es ist interessant an dieser Stelle anzumerken, dass 145 Länder der Welt grenzüberschreitendes Wassermanagement gemeinsam mit den Nachbarländern betreiben. Der Fakt der Endlichkeit der globalen Wasserreserven bringt die Notwendigkeit der gemeinsamen Verwaltung der Ressource in den zwischenstaatlichen Beziehungen oft mit sich.

Die grenzüberschreitende Wasserzusammenarbeit ist auf den Prinzipien des internationalen Wasserrechtes gegründet worden und die vorhandenen Wasserressourcen sollten gerecht und rational verwendet werden.

Die besondere Aufmerksamkeit soll Fragen der Vervollkommnung der Besteuerung dieser Ressourcen, der Einführung von Prinzipien der integrierten Verwaltung und der Anwendung der modernen wasseraufbereitenden Technologien für die Bewässerung zuteilwerden. Das ist in diesem Moment für die Länder Zentralasiens wichtig. Aber es existiert kein einheitlicher Mechanismus in Bezug auf die Verwaltung der Naturschätze und der Ökosysteme in Zentralasien. Das realisierten sowohl die usbekische, als auch die tadschikische Seite, auf dessen Territorien die Hauptquellen- und -verläufe des Syrdarja und des Amudarjas zu verzeichnen sind. Allerdings verwenden beide Länder derzeit die Wasserressourcen nach eigenem Ermessen.

In Zentralasien wird die Verteilung der Wasserressourcen aufgrund der Nukusski Deklaration durchgeführt. Für Tadschikistan, das zwei grenzüberschreitende Flüsse, den Amudarja und den Syrdarja, auf seinem Territorium zu verzeichnen hat, beträgt das jährliche Wasserlimit 13,16 Kubikkilometer. Nach Angaben des Ministeriums für Melioration und Wasserwirtschaft Tadschikistans sind die Quoten für die Nutzung der grenzüberschreitenden Flüsse für Tadschikistan beim Amudarja 9,5 Kubikkilometer, wovon 7,5 Kubikkilometer jährlich genutzt werden. Von 1992 bis 2010 entnahm Tadschikistan durchschnittlich 1,8 Kubikkilometer zu wenig und dieses Wasservolumen kam Usbekistan zugute.

Die Situation am Syrdarja gestaltet sich etwas anders, denn die Obergrenze ist 3,6 Kubikkilometer für Tadschikistan und die direkte Wasserentnahme aus dem Fluss beträgt 2,1 Kubikkilometer, aber das Volumen der Wasserknappheit liegt deutlich niedriger. Darüber hinaus liegt die Hauptströmung des Amudarja in Tadschikistan (80 Prozent) und teilweise im Norden Afghanistans. Der Fluss fließt dann entlang der Grenze zwischen Afghanistan und Usbekistan sowie Turkmenistan und kehrt nach Usbekistan zurück, wo er in den Aralsee mündet. Derzeit erreicht das Wasser des Flusses den Aralsee allerdings nicht mehr. Dies ist eine der Hauptursachen für das Austrocknen des Aralsees, der sich an der Grenze zwischen Kasachstan und Usbekistan befindet. Seit den 1960er Jahren nehmen der Meeresspiegel und die Wassermenge aufgrund der Umleitung des Wassers aus den Hauptversorgungsflüßen Amudarja und Syrdarya ab. Der Aralsee war einmal der viertgrößte Binnensee der Welt. Übermäßige Wasserentnahmen zur Bewässerung von landwirtschaftlichen Baumwollflächen verwandelten das Gebiet in eine karge Salzwüste. Die Wiederherstellung des gesamten Aralsees kann nicht mehr hundertprozentig sein. Dies müsste den jährlichen Zufluss von Wasser des Syrdarja und Amudarja vervierfachen. Hierbei handelt es sich um ein Beispiel für inkonsistente Nutzung der Wasserressourcen von grenzüberschreitenden Flüssen.

Der Streit zwischen Unterlauf- und den Oberlaufstaaten bildet die Basis für die Schuldzuweisungen in Bezug auf die Problematik der Austrocknung des Aralsees.

Die zentralasiatischen Länder verfügen über Wasserreserven aus den Syrdarja und Amudarja Flüssen sowie über ein darauf basierendes Netz von Wasserkraftwerken, Dämmen, Kanälen und Stauseen. Unter modernen Bedingungen kann es zu einer Wasserknappheit in jedem der zentralasiatischen Länder kommen und dies wird als eine direkte Bedrohung der nationalen Sicherheit wahrgenommen. Die Herausforderung in Bezug auf die Optimierung der Flusssysteme bei Bewässerung und Energie ist besonders hoch, wenn sie verschiedenen Ländern angehören.

Somit haben die Risiken für die Stabilität in Zentralasien im Bereich der grenzüberschreitenden Wasserressourcen eine Reihe von Gründen:

1) Fehlen eines Rechtsrahmens für die gemeinsame Nutzung der Wasserreserven

2) Priorität für die eigenen Interessen der Republiken

3) Unterschiede in der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Region

4) Der ständig wachsende Bedarf an Wasserressourcen.

Das Problem des gemeinsamen Managements zur Nutzung der
Wasserressourcen in Zentralasien ist nach wie vor aktuell


Konstantin Laffenbach
Oktober 2015
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