Das kriminelle Imperium von Muchtar Abljasow ist zusammengebrochen, sein Spiel ist aus. Die letzten Vertrauten sind verhaftet und sagen aus. Herr Syrym Schalabajew, der die Finanzen von Abljasow verwaltete, wurde vor einiger Zeit in Vilnius verhaftet und sagt zur Sache umfassend aus.

Die Geschichte Muchtar Abljasows könnte als Drehbuch zu einem Film über knallharte Betrüger in heutiger Zeit dienen. Der ehemalige Geschäftsmann und Bankier schuf ein verbrecherisches Unternehmensimperium, welches auf kriminellen Finanzmachenschaften basierte. Die ungesetzlichen Tätigkeiten des Unternehmens fanden auf dem Gebiet von mehr als zehn Ländern statt. Russland, die Ukraine, Kasachstan, Kirgisistan und eine Reihe von weiteren Staaten haben hohe Forderungen gegenüber Abljasow. Der Schaden beträgt derzeit mehrere Milliarden US-Dollar.

Über die Abljasow-Affären wurde viel berichtet, da er eine interessante Person für die Massenmedien ist. Für viele Journalisten gab es zahlreiche Anlässe die Federn zu spitzen, um den nächsten Schurkenstreich ans Licht bringen.

Die britische Justiz nahm bereits eine klare und eindeutige Position gegenüber diesem Verbrecher ein. Er wurde als Dieb verurteilt. Seine Finanzmittel, Gesellschaften und Immobilien wurden beschlagnahmt. Der britische Oberste Gerichtshof traf mehrere Entscheidungen, die auch in anderen Ländern akzeptiert wurden. Diese Gerichtsbeschlüsse verbieten jede Art von Geschäften und Aktivitäten mit sämtlichen Aktiva von Herrn Abljasow.

Trotzdem verheimlichte Abljasow vor den Ermittlungsbehörden einen bedeutenden Anteil seines Vermögens. Aus dem französischen Gefängnis heraus, indem er derzeit auf seine Auslieferung nach Russland wartet, verwaltete er durch Mittelsmänner seine großen Aktiva. Dies ermöglichte es ihm mittels Presse, aktive Propaganda zu betreiben und sich als Opfer zu stilisieren.

Im vergangenen Jahr, als Abljasow in Frankreich festgenommen wurde, berichtete die französische Presse, unter ihnen „Mediapart", „Le Monde" und „Figaro", viel über seinen Fall. Abljasow wurde durchweg als Dissident und Opfer von politischen Verfolgungen seitens Kasachstans dargestellt. In einer Zeitung erschien sogar ein romantisches Bild, das den geächteten Oligarchen mit einer Gitarre in der Hand zeigte. Den britischen Richtern, die ihn zu 22 Monaten Haft verurteilt haben, ist es egal, was Abljasow in der Hand hält. Sie entschieden aufgrund von Straftatbeständen und nicht von Emotionen.

Zudem ließen sich die relevanten französischen Richter nicht durch die Publikationen in der einheimischen Presse beeinflußen.

Seit vielen Monaten verringert sich die Zahl von Abljasows Strohmännern. Als erste verriet ihn seine ehemalige Juristin und Geliebte Jelena Tischenko. Als Abljasow London verließ, um der Verhaftung zu entgehen, gelang es den Ermittlern gerade, über diese Dame auf seine Spur zu kommen. Madame Tischenko ist eine äußerst intelligente Frau, die nach der Festnahme in Moskau ein Rechtsgeschäft mit den Strafverfolgern abgeschlossen hat.

Heute wird sie von manchen Medien, die Abljasow unterstützen, beschimpft, weil sie eine Schlüsselrolle bei der Beweisführung der Verbrechen von Abljasow in Russland und der Ukraine spielte. Im Einzelnen erzählte sie über seine Geschäftsprojekte in der Moskauer Umgebung, über seine Betrugstaten in Sankt-Petersburg, Jekaterinburg sowie in den Gebieten Nowosibirsk und Wolgograd.

Danach verhaftete das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation den russischen Nationalisten Alexander Potkin, der Abljasows Vermögen in Russland verwaltete. Und Frau Jelena wurde eine Amnestie gewährt.

Außer mit Russland arbeitete Frau Tischenko auch mit den ukrainischen Behörden, die darüber hinaus einen Antrag auf die Auslieferung von Abljasow aus Frankreich gestellt haben, zusammen. In der Ukraine herrscht derzeit eine schwierige wirtschaftliche Lage. Deshalb wurde Frau Tischenko gebeten, die Verwaltungsabteilung im Innenministerium für die Gewährleistung der Rückführung der Aktiva, die gesetzwidrig transferiert wurden, zu leiten. Offshore-Modelle, die jahrelang aufgebaut wurden, kann nicht jeder durchschauen und knacken.

Aufgrund der Informationen von Frau Tischenko wurde Syrym Schalabajew verhaftet. Er ist ein Familienmitglied von Muchtar Abljasow, der Bruder seiner Ehefrau, der als „Geldbeutel" des Oligarchen galt.

Herr Schalabajew war auch auf der Flucht. Die ukrainischen Ermittlungsbehörden kamen auf seine Spur und nahmen ihn auf Anfrage von Interpol fest. Und jetzt lässt Kiew ihn nicht so einfach gehen. Es geht um 400 Millionen US-Dollar, die Abljasow der Ukraine schuldet. Präsident Poroschenko wird sich nicht beruhigen, bis er dieses Geld von Abljasow zurückbekommt.

Wie bekannt wurde, hat Herr Schalabajew bereits wichtige Information mitgeteilt. Er war wohl nie ein hartnäckiger Kämpfer für die Rechte seines verwandten Oligarchen. Alle erinnern sich daran, wie er sich vor einem Londoner Gericht plötzlich entschied, Aussagen gegen seinen verwandten Oligarchen im Laufe einer Videokonferenz zu machen. Nach diesen Aussagen verschwand er. Offensichtlich traf Abljasow entsprechende Maßnahmen dafür. Heute kann sein „Geldbeutel" alles erzählen. Vielleicht stellen die Ukrainer ihm als Dankeschön ein Privathaus auf das Gelände eines Gefängnisses zur Verfügung.

Diese beiden Tatsachen, die Festnahme von Syrym Schalabajew und die Ernennung von Frau Tischenko als eine der führenden Personen im Innenministerium der Ukraine, setzen dem Reich von Abljasow ein Ende. Diese beiden Personen wissen alles über das Funktionieren des Imperiums von Abljasow, kennen alle geheimen Konten und Aktiva. Für die Ukraine ist dieser Fall nicht nur eine Möglichkeit ihr Geld zurückzubekommen, sondern auch Russland die Suppe zu versalzen. Die ukrainischen Behörden wollen Abljasow bis aufs Hemd ausziehen, bevor er nach Russland ausgeliefert wird, was bald geschehen kann. Das zuständige Gericht Frankreichs äußerte sich in diesem Fall eindeutig. So dass sich nicht die Frage stellt, wo der Ex-Oligarch seine Strafe verbüßen wird, sondern wer als erster in seine große Tasche greift.

Das kriminelle Imperium von Muchtar Abljasow ist
endgültig zusammengebrochen


Christian Hellberg
Mitte Oktober 2015