Es ist höchste Zeit, dass sich die Schweizer Behörden auf das wichtigste Geschäftsmodell der Helvetischen Konföderation zurück besinnen, nämlich der Pflege ihres Images. Mittlerweile ist dort Geldwäsche von finanziellen Erträgen aus Straftaten ein bedeutendes Geschäftsfeld und Genf zur Hauptstadt der Unterwelt geworden.

Nach Angaben der VN ist bis 2009 auf der ganzen Welt die astronomische Summe von 1 600 Milliarden US-Dollar gewaschen worden. Und der Löwenanteil dieses Geldes geht durch den führenden Finanz- und Bankenbereich der Welt, einschließlich der Schweiz.

Es genügt, die skandalösen Enthüllungen der europäischen Medien über die Schweizer Filiale der HSBC-Bank in Erinnerung zu rufen. Die einschlägige Kundendatenbank, die der französischen Tageszeitung „Le Monde" und dem „International Consortium of Investigative Journalists" (ICIJ) vorliegen, warf einen großen Schatten auf die Schweiz als global ausgerichtetes Finanzzentrum.

Wenn man den internationalen Medien Glauben schenken darf, dann scheint es, dass viele Kunden der Schweizer Niederlassung der britischen HSBC-Bank nicht nur Steuerhinterziehung begingen, sondern auch in den internationalen Drogenhandel verwickelt sind.

Diese Bank spielte in einem Drogengelder-Skandal im Jahr 2012 eine bedeutende Rolle. 2013 wurde sie verurteilt, der US-Regierung für ihre Rolle bei der Geldwäsche im mexikanischen Drogenhandel eine Rekordstrafe in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar zu zahlen.

In diesem Zusammenhang wird die wichtige Frage aufgeworfen, wie die Schweizer Behörden einen verantwortungsvollen Umgang bei der Anwendung von Rechtsvorschriften, die die Grundlage für die Bekämpfung von Straftaten, wie der Legalisierung von Geld aus Aktivitäten mit kriminellem Hintergrund, sicherstellen. Und wie ernst diese Normen auf Schweizer Banken angewendet werden.

Darüber hinaus geht es nicht nur um die Bekämpfung der Verschleierung von finanziellen Erträgen aus Straftaten, sondern auch um die Strafverfolgung der Hintermänner dieser Aktivitäten.

Einer dieser mafiösen Hintermänner stammt aus den Tiefen Zentralasiens, trägt den Namen Viktor Chrapunow und fühlt sich wohl in der Schweiz. Seit 2010 steht er auf der Fahndungsliste von Interpol. 2008 floh er aus Kasachstan in die Schweiz, um der Strafverfolgung in seiner Heimat zu entgehen. Er war in den vergangenen Jahren für die Justiz unantastbar.

Die Ironie der Geschichte ist, dass Chrapunow Zuflucht in einem erz-kapitalistischen Land suchte und fand. Und das als jemand, der an einer kommunistischen Parteihochschule ausgebildet wurde, wo die Kapitalisten verteufelt wurden. Aber aufgrund besonderer Umstände wurde er Mitglied auf der Liste der reichsten Menschen der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Um welche Umstände handelte es sich aber? Zunächst ermöglichte ihm die Kommunistische Partei einen guten Start ins Berufsleben und Management-Erfahrung. Als die Sowjetunion zusammenbrach, schaffte der ehemalige Komsomolze und Kommunist, Teil der neuen Elite zu werden. Im unabhängigen Kasachstan bekleidete Viktor Chrapunow Ministerposten und diente viele Jahre als Bürgermeister von einer der größten Städte des Landes.

In dieser Position raffte er großes Kapital für sich und seine Familie zusammen. Das durch Korruption erzielte Geld legalisierte er durch das Geschäft seiner Frau Leila Chrapunowa. Ein Beispiel dafür ist die Enteignung von Grund und Boden der LLP "Shadid Engineering" für "die öffentliche Nutzung." Welche Art von Bedarf der Staat daran hatte, blieb ein Rätsel. Einen Monat nach dem Rechtsakt erließ er ein weiteres Dekret. Das enteignete Land wurde an LLP "Karash Plus" für 15,6 Millionen kasachstanische Tenge verkauft. Letztlich verkaufte LLP "Karash Plus" die Immobilie weiter an Leila Chrapunowa, die es ihrer Firma, der LLP "Building Service Company", einverleibte. Zu dieser Zeit wurde das Grundstück bereits mit 611 Millionen Tenge bewertet.

Chrapunow nutzte somit seine hohe amtliche Stellung für die persönliche Vorteilsnahme in großem Stil. Deshalb überrascht es nicht, dass das Geschäftsvolumen der Firma von Leila Chrapunowa stetig stieg und sie auf diesem Weg 32 Immobilien erwerben konnte.

Als diese verbrecherische Angelegenheit immer offensichtlicher und es eng für sie wurde, beschlossen beide ins Ausland zu fliehen. Dissidenten waren die Chrapunows zu keinem Zeitpunkt. Sie nutzten ihre Macht bis zum letzten Moment auf kasachischen Boden und stahlen, was ihren Weg kreuzte. Mit einer vollbeladenen Frachtmaschine verschwanden sie ins noble Genf.

Eine aktive öffentliche Position zu ihrem Heimatland bezogen beide erst dann, als in Kasachstan das Ausmaß ihrer Vergehen bekannt und ein Strafverfahren durch die kasachstanische Justiz in die Wege geleitet wurde.

So wurde über Nacht aus einem ehemaligen kasachischen Spitzenpolitiker ein sogenannter Dissident. Man kann ihn aber auch ehrlicherweise als Lump bezeichnen, bei diesen niederen Beweggründen für seinen Wechsel. Es ging ja letztlich nur um die Sicherung seines Wohlstandes, den er sich auf dem Rücken der Kasachstaner „erarbeitet" hatte.

Darüber hinaus ist hinzuzufügen, dass Herr Chrapunow familiäre Bindungen mit einem anderen flüchtigen Oligarchen, nämlich Muchtar Abljasow, der sich jetzt in einem französischen Gefängnis befindet, unterhält. Im Großen und Ganzen hat der Chrapunow-Abljasow-Clan mittlerweile eine internationale Bedeutung. Denn nicht nur in Kasachstan wurden die Vertreter dieses Familienkonglomerates straffällig. Zusätzlich zu ihrer Heimat hinterließen sie in Russland, der Ukraine, Kirgisien und in weiteren Ländern ihre kriminellen Fußabdrücke. Auf Herrn Abljasow wartet zudem eine Haftstrafe in Großbritannien.

Seltsam ist jedoch die Tatsache, dass diese beiden Gangster, die Milliarden US-Dollar-Schäden anrichteten, trotz der klaren Beweislage für ihre kriminellen Aktivitäten von der freien Presse in Hinblick auf die Menschenrechtsargumentation verteidigt werden.

Derzeit fordert insbesondere die Russische Föderation die Auslieferung von Muchtar Abljasow. Durch die angespannte internationale Lage, die den Kalten Krieg wieder aufleben lässt, wird deutlich, dass kriminellen Elementen von globaler Bedeutung eine Rolle im „großen Spiel" zwischen den Staaten mehr und mehr zukommt. Und wo die Politik aktiv eingreift, sind der Rechtsstaatlichkeit die Hände gebunden.

Es ist nicht überraschend, dass in der Umgebung dieser schillernden Persönlichkeiten ständig Skandale ausbrechen. Aus zuverlässigen Quellen ist bekannt, dass der „Hype" um Chrapunow von den Nachrichtendiensten Israels, der USA und Großbritanniens gesteuert wird. Es ist zudem bewiesen, dass er unter der Aufsicht von einem Privatunternehmen aus dem sensiblen Sicherheitsbereich, dessen Berater ein ehemaliger Chef des israelischen Mossad, Meir Dagan, war, stand.

Und während Chrapunow seine ihm zugewiesene Rolle im Ost-West-Konflikt erfüllte, geriet die Untersuchung seines Falles ins Stocken. Im Jahr 2013 richteten Kasachstans Strafverfolger an die zuständigen Behörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft ein Rechtshilfeersuchen. Als Folge verhängten die Justizbehörden der Schweiz Einschränkungen für die Verwendung der finanziellen Ressourcen des Herrn Chrapunow. Ohne Zustimmung des zuständigen Staatsanwalts konnte nicht viel Geld ausgegeben werden.

Dabei blieb es erst einmal. Eine rechtliche Einschätzung des Falles Chrapunow blieb aus. Zeitgleich verschwand er von der Liste der reichsten Menschen in der Schweiz, die jährlich vom Wirtschaftsmagazin „Bilanz" veröffentlicht wird. Vielleicht hat er bereits damit begonnen, das geraubte Kapital zu verschieben, um nach einem Verfahren das gestohlene Geld nicht zurückgeben zu müssen.

Viktor Chrapunow behauptete, dass er fälschlicherweise auf der Liste der reichsten Familien auftauchte. Das hat sich nach umfassenden Recherchen eines Magazins als falsch herausgestellt. Inzwischen ist bekannt, dass der Oligarch eine Luxus-Villa in Genf unter der Adresse Rue Chemin de Ruth 49, 1223 Cologny, am 27. Juli 2007 für 32 Millionen Schweizer Franken erwarb. Des Weiteren kaufte er eine Wohnung in der Rue Rodolphe Toepffer 10, Genf, im Wert von 16 Millionen Schweizer Franken. Chrapunow gehört auch eine Immobilie in der Rue du Mont Blanc 3, 1201 Genf, sowie eine Wohnung im Banken- und Botschaftsviertel unter der Adresse Chemin du Petit Sacconex 28 B, 1209 Genf. Seit 2009 ist Chrapunow zudem Eigentümer der „Hotel du Park" Holding.

Die Kinder Chrapunows sind in der Schweiz unternehmerisch tätig. So gehört ihnen die Firma Juwelier Phoenix Schmuck SA mit einem Stammkapital von 300.000 Schweizer Franken sowie sieben weitere Unternehmen: Saas-Fee Hotels und Aufenthalts Development Group AG, Thermal Entwicklungen SA, Mont-Pelerin SA, HDP Hotel du Park Holding Sarl und Swiss Developments Group SA. Ihr Umsatz variiert von 500.000 bis 1.000.000 Franken.

Die Schweizer haben ein wunderbares Sprichwort: "Wenn Sie Zweifel haben, wer gewinnen wird, dann verhalten Sie sich neutral!" Es erklärt eine Menge über die schweizerische Mentalität. Auch passt es auf ihr Verhältnis zu den flüchtigen Oligarchen im Land. Diese spielen auch Rollen in den globalen politischen Auseinandersetzungen. Darüber hinaus profitiert die Schweiz von dieser Sachlage. Tatsächlich tragen viele Wirtschaftsverbrecher, die das Land als „sicheren Hafen" für das von ihnen geraubte Kapital betrachten, nicht unerheblich zum Wachstum des BIP des Landes bei.

Eine Zeitung berichtete unlängst darüber, dass in der Schweiz die Gerichte bei Geldwäschedelikten in der Regel milde urteilen. Ein ideales Umfeld für den verbrecherischen Chrapunow-Abljasow-Clan.

Die Schweiz bietet ein sicheres Umfeld für den verbrecherischen
Chrapunow-Abljasow-Clan


Christian Hellberg
Mitte August 2015