Astana wird allmählich eine wahre und vollwertige Metropole. Diese Tatsache können selbst die eifrigsten Gegner der Verlegung der Hauptstadt Kasachstans vom Süden in den Norden des Landes nicht bestreiten. Es werden immer mehr Wohnhäuser und Verwaltungsgebäude gebaut, die Infrastruktur der Stadt wird ständig erweitert und die Einwohnerzahl wächst kontinuierlich und verzeichnet heutzutage mindestens 900.000 Menschen. Der Stadtrand um die Hauptstadt wächst von Jahr zu Jahr. Und dabei sind nicht mal zwanzig Jahre vergangen, seitdem die kasachische Provinzstadt sowohl den Namen als auch den politischen Status wechselte.

Das ehemalige Zelinograd wurde in Akmola und später in Astana umbenannt. Im Dezember 1997 brachte man die Staatssymbole feierlich in die neue Hauptstadt und im Juni 1998 wurde sie der Welt offiziell präsentiert.

Mit der Zeit nahm die neue Hauptstadt ihre einzigartige und unverwechselbare architektonische Gestaltung an. Die Stadt liegt an der Grenze zwischen Europa und Asien und nahm gleichermaßen westliche wie auch östliche Kultureinflüsse in sich auf. Astana ist dadurch eine einzigartige und besondere Stadt geworden.

„Der Westen verfügt über fortgeschrittene Technologien, ohne sie können wir in unserem Leben nicht auskommen. Es gibt aber auch eine spezifische Ästhetik und Kulturen und diese muss man entwickeln", empfahl damals der berühmte malaysische Architekt Hijjas bin Kasturi den kasachischen Stadtentwickler. „Ihr sollt eigene Markenzeichen und Modetrends entwickeln. Bemüht euch die Inspiration in der Architektur zu finden und folgt ihr!"

OST – WEST

Einige Jahre später sind nach der Bebauung des linken Ufers Ischim in Astana neue mehrstöckige Wohnkomplexe, Alleen, Promenaden und Einkaufszentren entstanden. Die Initiative der diesbezüglichen Stadtentwicklung kam vom Präsidenten des Landes, dem Führer der kasachstanischen Nation Nursultan Nasarbajew. Er ist der Vater der Idee für das Projekt „Khan Shatyr" und der Architekt des Turms „Bajterek", der zum Symbol der neuen Hauptstadt wurde. Dieses Projekt wurde vom kasachischen Architekten Akmurza Rustembekow realisiert. Für diese geleistete Arbeit wurde Rustembekow bei verschiedenen internationalen Wettbewerben preisgekrönt. Die Internationale Vereinigung der Architekten verlieh dem Monument „Astana – Bajterek" den Grand Prix in der Kategorie für das beste Bauprojekt im Jahr 2002 unter den Ländern der GUS.

Auf Initiative des kasachstanischen Präsidenten kamen in Astana solche Star-Architekten wie Kishō Kurokawa und Sir Norma Foster zum Zuge. Der japanische Künstler ist zu Recht der Autor des Generalplans für den Bau der Stadt Astana geworden. Ihm ist es gelungen, in Bauprojekten den Fortschritt des Okzidents und die Philosophie des Orients zusammenzubringen.

Diese Symbiose ist wirklich gelungen. Das Verwaltungsviertel besteht überwiegend aus Gebäuden im westlichen Stil und ist mit einem grünen Boulevard, Brunnenanlagen, Blumenbeeten, Alleen und Skulpturen im nationalen Stil verbunden.

Der britische Architekt Sir Norman Foster ist eigentlich fast allen Einwohnern Astanas bekannt, da er auf dem linken Ufer die sogenannte Pyramide, den „Palast für Frieden und Eintracht" sowie das riesige Zelt „Khan Shatyr" geschaffen hat. „Khan Shatyr" gehört laut dem Magazin „Forbes Style" zu den zehn umweltfreundlichsten Gebäuden dieser Welt.

Die Liste der exklusiven Verwaltungsgebäude und öffentlichen Einrichtungen wird durch Objekte im Kultur- und Sportbereich ergänzt. So ist das neu erbaute Theater für Oper und Ballett in Astana, die „Astana Oper", das drittgrößte Opernhaus der Welt. Diese Institution wurde von europäischen Baumeistern errichtet. Das nach dem letzten Stand der Technik errichtete Gebäude lässt mit seiner einzigartigen Akustik die Aufführungen mit beliebigem Schwierigkeitsgrad auf seiner Bühne zu einem außerordentlichen Kunstgenuss werden.

Diese Entwicklungen in der neuen Hauptstadt Kasachstans sind nicht unbemerkt geblieben. Im Oktober 2014 nahm Astana am internationalen Wettbewerb „Die intelligente Stadt" teil und belegte den 21. Platz unter den 300 Teilnehmermetropolen und erreichte dadurch das Halbfinale. Zu den Auswahlkriterien gehörten Faktoren wie die Entwicklung des Transport- und Logistiksystems, der Infrastruktur und der Sicherheit, des Umweltschutzes und des Zugangs zu medizinischen Einrichtungen. Als Mitbewerber der Stadt Astana traten im Wettbewerb weltbekannte Großstädte wie Stockholm, Toronto und Taipeh auf.

Wenn Astana alle Projekte im Rahmen der in zwei Jahren stattfindenden Weltausstellung „EXPO-2017" realisieren würde, könnte die kasachstanische Hauptstadt laut Prognosen von Fachleuten zu den sieben führenden Städten in diesem Wettbewerb gehören.

ES SEI DER FRIEDEN!

Die Hauptstadt Kasachstans entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem einmaligen Zentrum für die ganze Region Zentralasien und dies wird auf internationalem Niveau anerkannt. Fast jedes Gebäude am linken Flussufer hat eine eigene Geschichte, die mit der Historie der Stadt eng verbunden ist.

So entstand der „Palast für Frieden und Eintracht" wegen des ersten Kongresses der Oberhäupter der Weltreligionen. Diese Zusammenkunft hatte eine einzigartige Symbolwirkung und förderte den Dialog zwischen den Vertretern der unterschiedlichen Glaubensrichtungen.

Im Rahmen der Asiatischen Winterspiele 2011 wurden neue moderne Sporteinrichtungen und Stadions erbaut. Ein „Stern" unter ihnen ist das Eisstadion „Alau", ein moderner multifunktioneller Sportkomplex, wo Wettbewerbe im Eisschnelllauf ausgetragen werden. Die nächsten Impulse für die Stadtentwicklung sollen von der bevorstehenden Weltausstellung „EXPO-2017" mit ihren umweltschutzorientierten und energieeffizienten Projekten kommen.

Astana stand des Öfteren im Zentrum der internationalen Berichterstattung. Die vom Staatspräsidenten realisierte multi-vektorielle Außenpolitik in Verbindung mit der Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen und der OSZE sowie die friedensstiftende Position Kasachstans auf der Weltbühne erlauben es der Hauptstadt Kasachstans, eine Plattform für internationale Konferenzen und Verhandlungen darzustellen.

1992 wurde Kasachstan OSZE-Mitglied und 2010 hatte es den Vorsitz in dieser Organisation inne. Das abschließende Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs fand im Dezember im Unabhängigkeitspalast statt, wo die berühmte Astana-Schlussakte mit den Bestimmungen zu vielen relevanten globalen Fragen und Problemen unterschrieben wurde.

Astana wird oft als die Wiege moderner eurasischer Integration genannt. Der Präsident Kasachstans verkündete 1994 zum ersten Mal seine Idee über die Gründung einer Eurasischen Union. Die Präsidenten von Belarus, Kasachstan und Russland unterzeichneten dann 2014 in Astana den Vertrag über die Gründung des Eurasischen Wirtschaftsraumes.

Heutzutage spielt Astana zudem eine Rolle bei den Verhandlungen zur Versöhnung der kämpfenden Fraktionen im Syrien-Konflikt. In Zukunft kommen vielleicht in Astana auch die Parteien des Minsker Friedensprozesses, der die kriegerischen Konflikte in der Ukraine lösen soll, zusammen.

DIE NEUEN ZIELE KASACHSTANS

Man brauchte viel Zeit, um die Stadt auf das neue, sehenswürdige Niveau zu bringen, so ähnlich äußerte sich Präsident Nursultan Nasarbajew einmal.

Astana wurde Astana-City.

Aktuell hat die Hauptstadt das größte Investitionsvolumen pro Kopf, sagt der Präsident. Der Beitrag von Astana für die Wirtschaftsentwicklung des Landes wächst von Jahr zu Jahr. Die Hauptstadt ist der Stolz aller Kasachstaner, sie wird von ihren Gästen bewundert. Die Stadt wurde zu einem echten Verwaltungs-, Kultur-, Geschäfts-, Bildungs- und Gesundheitszentrum des zentralasiatischen Landes.

Die Daten zur sozialwirtschaftlichen Entwicklung der Hauptstadt beeindrucken mit ihrer Dynamik. Das Hauptstadtbudget beträgt über 350 Milliarden Tenge und mindestens ein Drittel davon ist für die Entwicklung des Sozialsektors bestimmt. Das regionale BIP und der Bausektor weisen ein Wachstum von 20 Prozent auf. Die Anzahl der Geschäftsleute umfasst heute 64.000 Personen.

Es ist jedoch zu früh, um die Weiterentwicklung der Metropole einzustellen. Unlängst verkündete das Staatsoberhaupt ein Programm zur weiteren Entwicklung von Astana im Speziellen und des Landes im Ganzen. Die Realisierung des Programms soll das Land zu den 30 am meisten entwickelten Ländern der Welt machen.

„Dieser Plan beinhaltet tiefgreifende Umwandlungen in der Gesellschaft und im Staat. Das Hauptziel ist nicht nur die Bekämpfung der Symptome, sondern die Behandlung der Systemkrankheiten.", so Nasarbajew.

Der Plan besteht aus fünf institutionellen Reformen. Diese sind die Bildung von professionellen Staatsorganen, die Implementierung des Rechtsstaates, die Industrialisierung und das Wirtschaftswachstum des Landes sowie die Identität der Nation, was im Endeffekt zur Rechenschaftspflicht des Staates gegenüber der Gesellschaft führen soll.

Astana wird zur globalen Metropole





Peter Stiglbauer
Ende Juli 2015