Religion war und ist immer noch ein bedeutendes Phänomen. Diverse Aspekte des irdischen Daseins bewegten Menschen seit Urzeiten und werden sicherlich auch die Aufmerksamkeit künftiger Generationen genießen.

Kulturelle Integrationsprozesse verlieren ihre Bedeutung, wenn sie Seitens der Gesellschaft nicht mehr akzeptiert werden, sowie wenn es an Initiativen von politischen Persönlichkeiten mangelt. Dies passiert in heutiger Zeit der intensiven Globalisierungsprozesse, wo Politik permanent auf die Religion trifft und ihr ihre eigene Sicht auf die Weltordnung oktroyieren möchte.

Es ist zu beobachten, dass die Menschheit während der letzten Jahrzehnte die diesbezüglichen Prozesse gründlich reflektiert hat. Die Rolle der Oberhäupter der wichtigsten Religionen nimmt in diesem Kontext ständig zu.

Interethnischer und interreligiöser Dialog ist eine der wichtigsten Herausforderungen der heutigen Zeit. Die Religion erlebt gerade einen Wendepunkt in ihrer Geschichte. Wenn die Beziehungen zwischen Religion und Politik thematisiert werden, so wird in der Tat über besondere und gleichzeitig wichtige Beziehungen zwischen dem Individuum und der Gesellschaft gesprochen.

Einerseits geht es um vertraute und sensible Themen für jeden Menschen, die seine persönlichen Überzeugungen und Ansichten betreffen. Andererseits betrifft es die qualitativen Eigenschaften einer Gesellschaft, das Staatssystem, die Möglichkeiten eines Staates, die demokratischen Rechte seiner Bürger zu gewährleisten und alle rechtlichen und praktischen Wege der Gewaltausübung gegen deren Überzeugungen auszuschließen. Es geht zudem darum, ob der Staat Interessenbeeinträchtigungen jedes einzelnen Menschen und der ganzen Gesellschaft ausschließen und jede Ausübung persönlicher Meinungen und Ansichten zugunsten des sozialen Fortschritts garantieren kann.

Der Dialog zwischen den Zivilisationen kann Missverständnisse und Gegensätze in gesellschaftlicher Hinsicht verhindern. Der 2003 in Astana stattgefundene „Kongress der Welt- und Traditionsreligionen" zeigte auf, dass die Weltöffentlichkeit die Initiative des Präsidenten Kasachstans Nursultan Nasarbajew, diesen Kongress zu veranstalten, würdigte und unterstützte. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde deutlich, wo religiöses Tun aufhört und die Implementierung politischer Interessen anfängt. Es wurden dabei die Terror-Mörder argumentativ entlarvt, die sich hinter religiösen Masken versteckt hatten. Wir haben gelernt, wahre Gläubige von radikalen Religionsfanatikern, die als Marionetten zweifelhafter politischer Akteure agierten und immer noch agieren, zu unterscheiden. Wir haben auch gelernt, sich im Informationsraum zu orientieren, wo man zahlreiche Terroranschläge und extremistische Akte leider zu oft mit religiösen Motiven in Verbindung bringt.

In diesem Jahr wird in Astana bereits der fünfte Kongress der Weltreligionen stattfinden. Die Weltöffentlichkeit, konfrontiert mit neuen Gefahren und Herausforderungen auf der Weltkarte sowie mit einer steigenden Zahl lokaler Konflikte mit religiösem Hintergrund, steht im Mittelpunkt der inhaltlichen Agenda des Treffens

Das Hauptthema des kommenden Forums ist „Der Dialog zwischen den religiösen und politischen Führern für Frieden und menschliche Entwicklung". Das Organisationskomitee des bevorstehenden Forums erwartet eine Rekordzahl an Teilnehmern. Zahlreiche führende klerikale und gesellschaftliche Funktionäre sagten ihre Teilnahme zu, was über die gewachsene Rolle und das hohe Ansehen dieser Plattform sowie der Hauptstadt Astana, als einer der wichtigen Treffpunkte der internationalen Diplomatie für die Lösung aktueller Probleme, Auskunft gibt.

Hierbei sind die Worte des kasachstanischen Präsidenten Nasarbajew zu erwähnen, der bemerkte, „…dass die Zukunft unseres Planeten nicht die Konfrontation zwischen den Zivilisationen, sondern die Zusammenarbeit der Religionen darstellen soll".

2014 sprach der kasachische Staatschef im Rahmen des Wirtschaftsforums in Astana davon, „…dass jetzt alle wieder über die Konfrontation zwischen den Zivilisationen reden und dass der Osten der Osten und der Westen der Westen bleibt und sie nie zusammenkommen werden. Dies ist eine falsche Einstellung! Wir alle sind Menschen auf diesem Planeten. Es ist falsch anzunehmen, dass es zwangsläufig zwischen den Religionen Auseinandersetzungen geben muss. Ich war Augenzeuge, wie die Führer der Welt- und Traditionsreligionen hier in Astana zum ersten Mal zusammen kamen, sich ein hoher schiitischer Geistlicher aus Iran und ein Rabbiner aus Israel einander begrüßten und miteinander sprachen".

5. Treffen der Oberhäupter der Weltreligionen in Astana





Konstantin Laffenbach
Mitte Juni 2015