Eurasien - Politik

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Die kasachstanische Regierung hat die Absicht, dass das Land an die Spitze der Transport-Logistik-Infrastruktur zwischen Europa und Asien bis 2020 rücken soll. Das bedeutet eine Verdoppelung des Güterverkehrs, der als Transit durch das zentralasiatische Land fließt. Darüber hinaus soll der Warenverkehr durch das Land bis auf 50 Millionen Tonnen gesteigert werden.

Bedeutende Entwicklungen hat es auf dem Gebiet der Etablierung von notwendiger Infrastruktur und entsprechenden Technologien zur Erhöhung des Transitverkehrs bei der kasachstanischen Eisenbahn in den vergangenen Monaten gegeben.

Ende letzten Jahres wurde der neue Nord-Süd-Eisenbahnkorridor zwischen Kasachstan, dem südlichen davon gelegenen Turkmenistan und der Islamischen Republik Iran entlang des Ostufers des Kaspischen Meeres für den internationalen Güterverkehr eingeweiht. Damit wurde für die Republik Kasachstan ein wichtiger Transportkorridor in Richtung Persischer Golf und Islamischer Republik Iran etabliert. Im Fokus stehen hierbei Transitgüterströme aus Asien, der Russländischen Föderation und Westeuropa an die Straße von Hormoz. Zudem wird durch den neuen Korridor die Ausweitung des kasachstanischen Exportvolums gefördert. Darüber hinaus ist abzusehen, dass auch Warenströme in umgekehrter Richtung von den Golfhäfen in Richtung Russland eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen werden.

Dessen ungeachtet hat sich Kasachstan im Februar d.J. dem multinationalen Abkommen zwischen Oman, Iran, Turkmenistan und Usbekistan angeschlossen, welches die Einrichtung eines weiteren Transitkorridors zwischen den Staaten Zentralasiens und des Golfkooperationsrates vorsieht. Das Volumen des Schienentransportes Kasachstans mit den erwähnten Ländern ist 2014 gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent gestiegen und hat mehr als 25 Millionen Tonnen an Gütern ausgemacht. Mehr als 41 Prozent davon sind kasachischer Export- bzw. Transitverkehre aus Kasachstan durch diese Staaten.

Davon abgesehen spielt für Kasachstan eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Transitverkehre die Ost-West-Achse von der Volksrepublik China nach Westeuropa, einschließlich Russland und das Baltikum. Enorme Steigerungsraten konnten 2014 beim Containertransit über den kasachstanisch-cinesischen Eisenbahngrenzübergang Dostyk mit anschließender Weiterbeförderung über die Russische Föderation, Weißrussland und Polen nach Westeuropa erreicht werden.

Auch über den neuen kasachstanisch-chinesischen Eisenbahnübergang Altynkol-Chorgos beginnen sich Transitverkehre per Bahn in Richtung anderer mittelasiatischer Staaten, aber auch Richtung Persischen Golf und Europa, zu entwickeln. Auf der Straße laufen über diesen Grenzübergang schon seit langer Zeit enorme Transitmengen von Waren.

Die Neubelebung der traditionellen Seidenstraße, ein chinesisch-kasachstanisches Projekt, das die regionale Zusammenarbeit und Integration in die Ost-West-Richtung fördern soll, hat große Aussichten auf Erfolg. Globale politische Entwicklungen haben dabei das Interesse an den internationalen Transportwegen zwischen dem Reich der Mitte nach Europa unter der Umgehung Russlands wachsen lassen.

Für die Republik Kasachstan sind all diese Projekte, die den Schienenverkehr zwischen China und Europa erweitern, von großem Interesse. 25 Prozent der Einnahmen der kasachstanischen Staatsbahn kommen derzeit aus dem Transitverkehr. Kurz- bis mittelfristig soll der Anteil an den Einnahmen bis auf 50 Prozent steigen. Daher wird intensiv an der Modernisierung des Eisenbahngütertransports gearbeitet.

Eine neue Architektur von Transportkorridoren Europa-Asien ist im Entstehen, wobei Kasachstan dabei die Hauptrolle spielt. Dabei plant Kasachstan bis 2020 Transport-Logistik Projekte mit einem Gesamtvolumen von 36,3 Milliarden USD zu implementieren.


Kasachstan wird zu einer „Transportbrücke“ zwischen Europa und
Asien




Konstantin Laffenbach
Anfang Mai 2015