Kasachstan ist das größte Land in der zentralasiatischen Region. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg schätzen Experten, dass dieses Land im Rahmen der zwanzig am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften von Schwellenländern im Jahr 2015 auf Platz 11 kommt. Kasachstan erlebt jedoch heute, wie viele andere Staaten auch, starke Einbrüche in seiner Volkswirtschaft.

Auf der einen Seite ist der Grund dafür die anhaltende weltweite Wirtschaftskrise. Als Exportland für Erdöl und Metalle erlitt das Land schwere Einnahmeverluste seit Herbst vergangenen Jahres auf dem Weltmarkt. Auf der anderen Seite gibt eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage im Land aufgrund des "russischen Faktors". Beide Volkswirtschaften sind hoch integriert. Westliche Sanktionen gegen Moskau und die Abschwächung des russischen Wirtschaftswachtums hemmen auch die ökonomische Entwicklung Kasachstans. Doch im Gegensatz zu Weißrussland kommt in Astana nicht der Gedanke bezüglich der Möglichkeit des Ausscheidens aus der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) auf. "Russland befindet sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Aber das haben wir gemeinsam mit Russland, " sagte kürzlich der Präsident von Kasachstan. „Und ich bin sicher, dass wir Kasachen der Auffassung sind, dass Russland diese Situation zu seinen Gunsten lösen wird und sich weiterentwickeln wird. Kasachstan steht in dieser Hinsicht an der Seite Moskaus. "

Heute ist die Landeswährung Tenge die einzige Währung der EAWU, die nicht an Wert verloren hat. Kasachstan konnte in diesen schwierigen Zeiten seinen Status als regionale Führungsmacht in Zentralasien verteidigen.

Davon abgesehen zwangen negative Faktoren die kasachstanischen Behörden, die kurzfristige Wirtschaftsstrategie zu überarbeiten und in einen "Sparmodus" über zu gehen. Das Land hat ein spezielles Anti-Krisen-Programm mit dem Namen "Nurly Jol" aufgelegt, das die wirtschaftlichen Risiken zu neutralisieren und das Wachstum der Arbeitslosigkeit einzudämmen versucht.

Auf die Situation im Land haben auch eine Reihe von geopolitischen und anderen Faktoren Einfluss. Mit dem Abzug der ISAF-Truppen aus Afghanistan erhöht sich auch das Risiko von Spill-Over Effekten auf Kasachstan. Extremistisch gesinnte Elemente aus den Konfliktgebieten im Nahen und Mittleren Osten, darunter Afghanistan, Syrien und dem Irak, die teilweise von den IS-Terroristen okkupiert sind, könnten sich auch auf die Stabilität Kasachstans auswirken. Zudem wird der zunehmende Drogenhandel aus Afghanistan Richtung Zentralasien zu einer ernsthaften Bedrohung.

Dessen ungeachtet stellt Kasachstan heute eine Pufferzone dar, die zu verhindern sucht, dass sich das afghanische Modell in jeglicher Hinsicht Richtung Norden und Westen ausbreiten kann.

Sowohl innerhalb des Landes als auch außerhalb Kasachstans spielt bei der Gewährleistung der Stabilität die Person des Präsidenten Nursultan Nasarbajew eine bedeutende Rolle. Er ist seit über 25 Jahren an der Macht. Ganz legal gewinnt er die Wahlen, erhielt immer eine überwältigende Mehrheit der Stimmen. Beobachter von verschiedenen internationalen Organisationen, vor allem die der OSZE-Missionen, haben niemals die Richtigkeit der Auszählung der Stimmen in Frage gestellt.

Dieses öffentliche Vertrauen in den amtierenden Präsidenten ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Es hat mit seiner Politik zu tun, die Einheit und Harmonie im Land gewährleisten soll. Kasachstan ist der einzige Staat auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, der keinen interethnischen Konflikt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf seinem Staatsgebiet zu verzeichnen hatte. Trotz dessen ist das Land die Heimat von mehr als 140 verschiedenen Nationalitäten und von mehr als einem Dutzend Konfessionen.

Durch die Versammlung der Völker Kasachstans hat die Regierung in Astana eine einzigartige Plattform für den interethnischen Dialog geschaffen. Seine Mitglieder sind die Führungskräfte der national-kulturellen Zentren aller Nationalitäten im Land.

Darüber hinaus wird die Wirtschaftspolitik der derzeitigen Regierung in der Bevölkerung akzeptiert. Der Lebensstandard des kasachstanischen Volkes gehört zu den Ländern mit einem mittlerem Einkommen. Zugleich, gemäß den Veröffentlichungen der Vereinten Nationen, gehört Kasachstan zur Gruppe der Länder mit einem hohen Index der menschlichen Entwicklung. Die Wirtschaft des Landes befindet sich auf einem stetigen Wachstum, trotz der vorübergehenden Schwierigkeiten durch die globale Wirtschaftskrise.

Allerdings beobachten ausgewiesene Experten, dass, wenn die interne politische und wirtschaftliche Stabilität ausschließlich mit einem Politiker verbunden ist, gewisse Risiken impliziert. Darunter fällt auch ein Teil der Zukunftsentwicklung des Landes nach dem Weggang von Präsident Nasarbajew.

Die Tatsache, dass die besten Politiker heute sich selbst als "Küken Nasarbajews" positionieren und Mitglieder seines Teams sind, stimmt optimistisch. Die so- genannte Opposition ist in Kasachstan unterentwickelt. Der größte Teil davon wendet sich gegen die derzeitige Regierung, aber in der überwiegenden Mehrheit präferieren es diese Akteure, dass der derzeitige Kurs beibehalten wird. Darüber hinaus stellen ihre Führer derzeit keine Alternative zu Präsident Nasarbajew dar.

Davon abgesehen verfügt die Opposition nicht über das Vertrauen der Bürger. Die populistischen Parolen bieten keine strategische Vision für die Entwicklung des Landes. Außerdem ist die kasachstanische Opposition versucht, sich der Regierung in Hinblick auf die Politik gegenüber Russland zu widersetzen. Da die Bevölkerung nicht so sehr mit der großen Politik verbunden ist, dienen solche Versuche, den interethnischen Frieden im Land zu beeinträchtigen. Die Opposition in Kasachstan spekuliert auf eine Wiederholung von farbigen Revolutionen ähnlich wie in der Ukraine, Kirgisien und Georgien. Dies gilt vor allem vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Land.

Die Mehrheit der kasachstanischen Wählerschaft befürwortet die vorgezogene Präsidentschaftswahl in diesem Jahr. Mehrere tausend Bürger Kasachstans appellierten an ihre Mitglieder in der Vollversammlung der Völker Kasachstans, um vorgezogene Wahlen zu initiieren. Dies hat zwei Gründe. Der Erste, wie oben bereits thematisiert, betrifft die wirtschaftlich schwierigen Zeiten und geopolitischen Herausforderungen. Darüber hinaus beeinflusste die Forderungen die Wahrscheinlichkeit des Zusammentreffens von Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im nächsten Jahr, was auf Grundlage der Verfassung verboten ist.

Mitte Februar kommunizierte die Versammlung der Völker Kasachstan die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger. "Die Welt ist nicht stabil, unter anderem durch die anhaltende globale Finanz- und Wirtschaftskrise. Um die Wirtschaft unseres Landes wieder auf einen Wachstumspfad zu bringen, initiierte Präsident Nasarbajew das Programm "Nurly Jol" und in diesem Bereich koordiniert das Staatsoberhaupt die Politik persönlich. Zweitens hätten wir 2016 zwei Abstimmungen - die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen. Dies ist nicht verfassungskonform. Wir denken, dass im Jahr 2016 die weltweite Finanzkrise ihren Höhepunkt erreichen wird und ein unbedingtes Krisenmanagement der Staatsspitze erforderlich ist. Zudem werden nach dem Urnengang die Spekulationen über einen Nachfolger Nasarbajews endlich aufhören," teilte die Vollversammlung der Völker mit.

Die Idee des Gremiums der Nationalitäten des Landes bezüglich der vorgezogenen Wahlen wurden durch das Zweikammernparlament des Landes unterstützt. Die Abgeordneten appellierten an Nasarbajew, einen Termin für Wahlen zu bestimmen. Zwei Wochen später annoncierte er eine außerplanmäßige Präsidentenwahl am 26. April 2015.

Zweifel, dass die regierende Partei „Nur Otan" Nursultan Nasarbajew nominieren würde, bestanden natürlich nicht. Die Kommunistische Volkspartei Kasachstans hat angekündigt, sich an den Wahlen zu beteiligen. Doch ihr Vorsitzender gab offen zu, dass er nicht erwartet, zu gewinnen, denn "derzeit gibt es keine Alternative zu Nasarbajew."

Es gibt keinen Zweifel daran, dass bei den nächsten Präsidentschaftswahlen in Kasachstan der mittlerweile 75-jährige Nursultan Nasarbajew wieder gewinnen wird.

Am 26. April werden in Kasachstan vorgezogene
Präsidentschaftswahlen stattfinden. Die Initiative, diesen
Urnengang abzuhalten, stammte von den Mitgliedern der Vollversammlung
der Völker Kasachstans. Die Mehrheit der Bevölkerung des Landes
unterstützt diesen Schritt.

Konstantin Laffenbach

Ende März 2015