Die Geschichte über den flüchtigen kasachischen Oligarchen Muchtar Abljasow geht weiter und es kommen immer neue Details aus seiner unrühmlichen Vergangenheit ans Tageslicht. Frau Bota Dschardemali, eine seiner zahlreichen amourösen Affären, wurde mittlerweile von Interpol zur Fahndung ausgeschrieben. Das ehemalige Vorstandsmitglied der kasachstanischen BTA-Bank war eine eifrige Anhängerin des Verbrechers Abljasow. Es bleibt ein Geheimnis des unattraktiven Finanzmanagers, wie er es immer wieder schaffte, die schönsten Frauen in seinen Bann zu ziehen.

Frau Dschardemali ist in jeder Hinsicht eine interessante Dame, die nicht nur das Bett mit ihrem ehemaligen Chef teilte, sondern auch eine maßgebliche Rolle bei den kriminellen Transaktionen von Milliardenbeträgen in US-Dollar spielte. Über sie wickelte Muchtar Abljasow diverse Gutschriftverfahren zugunsten seiner off-shore-Firmen ab, wobei angeblich von der BTA-Bank abgeschlossene falsche Verträge bezüglich der Abtretung der Forderungen Verwendung fanden. Diese und weitere Aktionen verfolgten nur ein Ziel: Den Transfer von Geldern der Bank in die Privatschatulle des Herrn Abljasow. Als im Jahr 2009 Muchtar Abljasow in Ungnade fiel, kündigte seine Geliebte auf eigenen Wunsch bei der Bank und fungierte anschließend als seine Schatzmeisterin.

Es ist schwer einzuschätzen, wie der ehemalige Oligarch mit seinen Gespielinnen umging, aber sie waren nicht unwesentlich daran beteiligt, dass die Glückssträhne des Hochstaplers ein Ende fand. Bekanntlich gelang es wegen einer anderen Affäre, der mit Frau Elena Tischenko, den Schwerverbrecher zu finden. Verwaltete die eine seine umfangreichen Finanzen, so sorgte Madame Tischenko für den juristischen Schutz des Oligarchen. Dabei unterlief Elena Tischenko ein gewaltiger Fehler: Sie wurde überwacht, was sie nicht realisierte und eines ihrer Treffen mit Abljasow führte die Ermittler in das Versteck des Flüchtigen, wo er festgenommen wurde.

Beide Frauen weisen zahlreiche Ähnlichkeiten auf. Sie sind brillante Juristinnen und sprechen ein nahezu perfektes Englisch. Zudem sind sie mit Ukrainern liiert. Das scheint ein Fetisch von Abljasow zu sein. Der Ex-Gatte von Elena Tischenko, Sergei, ist ein bekannter Geschäftsmann in seiner Heimat. Der Ehemann von Frau Dschardemali, der nicht ihr einziger Lebenspartner war, ist ethnischer Ukrainer mit kanadischer Staatsangehörigkeit. Es gab noch eine weitere Person, dessen Name besser nicht publiziert werde sollte, da er eine angesehene Persönlichkeit ist. Frau Bota entschied sich letztlich nicht für das Familienglück, sondern für das Abenteuerleben. Ihr kanadischer Mann setzte sich als Trittbrettfahrer ins gemachte Nest.

Die Liebesaffäre seiner intelligenten Gattin wollte er nicht wahrnehmen. Warum auch, Abljasow war der wichtigste Geldgeber und weshalb sollte er das Huhn schlachten, das „goldene" Eier legt? Heute ist sein größter Wunsch, sich scheiden zu lassen. Damals war seine Ehefrau reich und einflussreich, heute steht sie auf der Fahndungsliste von Interpol. Die Ergebnisse der internationalen Ermittlung weisen darauf hin, dass Bota Dschardemali eine der letzten Finanzjongleure von Muchtar Abljasow gewesen ist.

Durch die Flucht der Dame mussten alle Projekte des kriminellen Oligarchen eingestellt werden. Folglich schloss auch Abljasow´s Fernsehsender K+. Dies ist ein wahres Anzeichen für das Ende des illegal agierenden „Abljasowreichs". Selbst sein einst treuer Anhänger Ketebajew, der acht Jahre lang den Sender K+ führte, wandte sich von ihm ab. In diesem Zusammenhang stellte er dar, dass es Meinungsverschiedenheiten mit seinem Chef gab. K+ stand angeblich kurz vor der Pleite und Ketebajew wollte ihn auf seine Art und Weise retten und mehr Positives zeigen. Eine glatte Lüge, denn der Grund für die bedrohliche Schieflage lag in der fehlenden Finanzierung, denn es gab kein Geld mehr von Seiten Abljasows. Mittlerweile distanziert sich Herr Ketebajew vom einstigen Mäzen: „Abljasow ist heute isoliert, er verlor seine geschäftliche Grundlage und seine gesellschaftliche Reputation. Er fügt nur noch über wenige Ressourcen und er braucht Erfolge. Ich hingegen befinde mich nicht in solch einer Situation." So ließ der ehemalige Mitarbeiter seinen Chef im Stich und beschuldigte ihn des Napoleon-Komplexes.

Frau Dschardemali tat das gleiche. Sie verfügt über ausreichend finanzielle Mittel für ihr weiteres Leben, wenn sie es schaffen sollte, ein sicheres Zufluchtsland in der dritten Welt zu finden. Es gibt Informationen darüber, dass mittlerweile eine private Beziehung mit einem Afrikaner unterhält. Darüber hinaus verfügt sie über mehrere Reisepässe verschiedener Staaten, Interpol sind zwischenzeitlich fünf dieser Reisedokumente bekannt. Es ist davon auszugehen, dass sie bereits ihre Staatsangehörigkeit gewechselt hat und somit den Weg in die Illegalität beschreitet. Deshalb wird es nicht einfach sein, sie zu finden. Trotzdem ist man es den geprellten Einlegern der BTA-Bank schuldig, mit Hochdruck diese Milliarden-Summen ausfindig zu machen, um sie den rechtmäßigen Eigentümern zurück zu erstatten. Dabei wird auch die kriminelle Dame zur Rechenschaft für ihr widerrechtliches Handeln gezogen werden.

Es ist festzustellen, dass Abljasow alles verloren hat. Und Frauen mögen erfolgreiche Männer, keine Verlierer. Während der Gerichtsverhandlungen in Frankreich kann man einen Abljasow beobachten, der nicht wie ein Kämpfer aussieht. Er hat abgenommen, sieht müde aus und sein Blick ist matt. Aber wieso sollte er auch besser aussehen, wenn ihn seine treuesten Anhänger verraten haben. Bota ist mit seinem Geld verschwunden. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.

Abljasow und seine Gespielinnen: Absturz und Verrat

Konstantin Laffenbach
Ende Dezember 2014