Eurasien - Politik
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Mitte Dezember feiert die Republik Kasachstan den 23. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit. In den vergangenen Jahren seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion führte Kasachstan erfolgreiche soziale und wirtschaftliche Reformen durch und darf deshalb als einer der Vorreiter eines gelungenen Transformationsprozesses auf postsowjetischem Gebiet bezeichnet werden. Dadurch erwarb sich das zentralasiatische Land das Vertrauen der Weltöffentlichkeit. Außerdem stoßen die internationalen Initiativen Kasachstans auf große Unterstützung durch bedeutende globale Akteure.

Als natürlicher Reichtum des beliebten Landes hat sich die produktive Landwirtschaft erwiesen. Kasachstan galt als die Kornkammer der Sowjetunion. Zusammen mit landwirtschaftlichen Regionen der Ukraine und Russlands wurden hier große Weizenkulturen kultiviert. Doch im Gegensatz zu den nördlichen Nachbarländern ist die Qualität des kasachischen Weizens deutlich höher. Die Gluten, die sich im kasachischen Getreide befinden, sind die Besten in der Welt.

Das zweite gottgegebene Geschenk, das Kasachstan auf seinem Territorium besitzt, sind reichliche Vorkommen an fossilen Energieträgern. Bereits in der ersten Dekade der Souveränität Kasachstans wurde diverse internationale Ölkonzerne wie Chevron, Eni, Agip, BP und weitere eingeladen, um bei der Förderung dieser Ressourcen mitzuwirken. Diese Investoren sind mit ihren in Kasachstan gemachten Erfahrungen zufrieden, da nicht nur die Gewinne aus der Produktion der Kohlenwasserstoffe für sie hoch waren und sind, sondern auch weil das Land, das in einer Krisenregion liegt, umfassende Stabilität und Sicherheit für In- und Ausländer garantiert.

Eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des modernen und friedlichen Kasachstan als Nation spielt Präsident Nursultan Nasarbajew. Kasachstan war das erste Land der Welt, das auf Atomwaffen freiwillig verzichtete. Bereits im Mai 1992, sechs Monate nach Erlangung der Unabhängigkeit, unterzeichnete Nasarbajew das Lissabon-Protokoll zum Abkommen zwischen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und den Vereinigten Staaten von Amerika über die Reduzierung und Begrenzung der strategischen Offensivwaffen. In einem Tunnel auf dem ehemaligen Atomtestgelände Semipalatinsk wurden dann Nuklearsprengköpfe zerstört.

Auf Initiative der kasachstanischen Regierung wird der 29. August seit 2009 als internationaler Tag gegen nukleare Tests im Rahmen der Vereinten Nationen (VN) begangen. Der Vorschlag für die Etablierung dieses Gedenktages wurde auf Initiative Kasachstans auf der 64. Tagung der Generalversammlung der VN im Konsens angenommen.

„Niemand kennt sich besser aus als Sie, um zu erklären, dass man die nuklearen Testversuche stoppen musste, um die Kernwaffen abzuschaffen, weil Ihr Volk eine große Opferzahl für solche physikalischen Versuche zu verzeichnen hatte", äußerte der VN-Generalsekretär Ban Ki-Moon gegenüber dem Präsidenten Republik Kasachstan Nursultan Nasarbajew.

Die zweite bedeutende Initiative Kasachstans ist die Etablierung des Dialoges zwischen den Religionen. Seit 2003 werden im Land Begegnungen zwischen hochrangigen Vertretern der Religionen durchgeführt. In Astana finden sich regelmäßig Geistliche ein, um über Maßnahmen zur friedlichen Koexistenz der Konfessionen zu beraten.

Die Republik Kasachstan gehört zu den 50 wettbewerbsfähigsten Ländern der Welt, das Klima für Investitionen wird als sehr positiv eingestuft. Außerdem sind im Land alle Voraussetzungen für die freie Entwicklung der Wirtschaft geschaffen worden: Es bietet einen der niedrigsten Unternehmenssteuersätze sowie geringe Verwaltungsbarrieren.

Trotz der weltweiten Wirtschaftskrise haben die kasachstanischen Behörden Wege gefunden, um die nationale Wirtschaft zu stützen. In den Jahren 2008 und 2009 wurde eine Krisenstrategie entwickelt um einerseits das Wirtschaftswachstum aufrecht zu erhalten und darüber hinaus die Grundlage für die künftige Wirtschaftspolitik zu legen.

Für die finanzielle Absicherung in Krisenzeiten hatte die Regierung in Astana Anfang 2000 in Anlehnung an der positiven Erfahrung Norwegens einen nationalen Petroleumfonds geschaffen. In diesem wird ein Großteil der Einnahmen aus dem Export fossiler Energieträger angelegt.

Dank diesem Fonds hat Kasachstan eine neue Strategie in Hinblick auf die Krisenperiode gebildet. Sie wurde Anfang Oktober dieses Jahres vorgestellt. Kern der neuen Wirtschaftsstrategie ist, dass ein signifikanter Anteil des Fonds für den Ausbau und die Entwicklung der Infrastruktur des Landes investiert werden soll.

Kasachstan befindet sich in der Mitte Eurasiens, was sehr vorteilhaft vom Gesichtspunkt des Transits von Gütern aus Europa nach Ost- und Südostasien ist. Die neue Strategie zur wirtschaftlichen Entwicklung ist auf drei Jahre angelegt und zielt auf den massiven Ausbau des Straßen- und Schienennetzes ab. Diese Maßnahme wird nicht nur den Status von Kasachstan als Transitland stärken, sondern auch bedeutende Impulse für den Arbeitsmarkt und die Bauindustrie geben.

Aber die Haupterrungenschaft des jungen Kasachstans besteht im einzigartigen Modell der interethnischen Toleranz, die seit der Unabhängigkeit gefestigt wurde.

Heute leben in Kasachstan 140 Nationalitäten friedlich miteinander. Diesbezüglich ist Kasachstan eines der wenigen Länder des postsowjetischen Raumes, auf dem kein zwischenethnischer Konflikt zu verzeichnen war.

In Kasachstan gibt es die einzigartige Organisation der Versammlung der Völker der Republik. In ihr sind die Vertreter aller Nationalitäten des Landes repräsentiert. Neun Vertreter, die von der Versammlung gewählt werden, werden zu Abgeordneten des nationalen Parlaments auf der Grundlage einer Verordnung des Präsidenten Kasachstans ernannt. Es ermöglicht nach den Wahlen zum Parlament die Vertretung der Interessen aller Völker im Parlament, unabhängig von den politischen Präferenzen der Wählerschaft, zu gewährleisten.

Kasachstan hat für sich den Weg des Wirtschaftswohlstands unabhängig von den politischen Präferenzen gewählt. Der Präsident ist Urheber aller maßgeblichen Ideen zur Bildung der wirtschaftlichen Integrationsvereinigungen auf dem Territorium der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. In Astana wurde die Idee über die Bildung der Zollunion von Russland, Kasachstan und Weißrussland erdacht. Kasachstan ist der Nukleus der Transformation der Zollunion zur Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft (EAWG). Die Integrationsvereinigung führt die beteiligten Länder auf eine neue Stufe der gegenseitigen Zusammenarbeit bei voller Gewährung der jeweiligen Staatssouveränität. Die Ziele dieses Bündnisses sind die Erhöhung des Wohlstands der Bürger und die gemeinsame starke Positionierung in der Weltwirtschaft.

Abschließend ist anzumerken, dass Kasachstan in den 23 Jahren seiner Unabhängigkeit wohl die erfolgreichsten Ergebnisse in Bezug auf diverse Kennziffern des gesamten postsowjetischen Raumes erreicht hat.


© DIPLOMATIE GLOBAL 2013
Kasachstan feiert den 23. Jahrestag seiner Unabhängigkeit im
Zeichen seiner Erfolge

Konstantin Laffenbach
Mitte Dezember 2014