Die internationale Antiterror Operation gegen den "Islamischen Staat" (IS) gewinnt an Fahrt. Der durch die Vereinigten Staaten geführte Koalition trat unlängst Großbritannien bei. Der Iran und die Türkei kündigten ihre Bereitschaft an, die Militanten zu bekämpfen.

Die Terroristengruppe "Islamischer Staat" wird oft als die zweite Al-Qaida bezeichnet, allerdings ist erstere Struktur deutlich gefährlicher. Heute kontrollieren die Truppen des IS große Gebiete von Syrien und dem Irak. Aber ihr Einfluss kann sich noch über weitere Teile des Nahen Osten ausdehnen. Experten warnen, dass die von den Islamisten rekrutierten Kämpfer nach ihrer Rückkehr in die Heimat ihre extremistischen Aktivitäten fortsetzen würden.

Jeder Staat hat eigene Methoden, diese sich verbreitende Gefahr zu bekämpfen: die USA und ihre Alliierten bombardieren im Irak und Syrien die Standorte des "Islamischen Staates". In Deutschland will man denjenigen die deutsche Staatsangehörigkeit entziehen, die auf der Seite der Islamisten kämpfen. Militärexperten bestehen zudem auf der Blockierung der Finanzierungsquellen der verbrecherischen Gruppe.

Unterdessen fordern Geistliche dazu auf, die Ursachen des Problems genauer zu betrachten und Jugendliche über Islamfragen intensiver aufzuklären. Diese Stellungnahme wurde auf einer Sitzung des Sekretariats des Kongresses der Führer der Welt- und traditionellen Religionen in Astana getätigt. Im Juni 2015 versammeln sich zum fünften Mal in der kasachischen Hauptstadt Astana die wichtigsten Religionsführer der Welt. Es ist bemerkenswert, dass die Zahl der Teilnehmer und die von ihnen repräsentierten Staaten in diesem interkonfessionellen Forum von Jahr zu Jahr wächst. Das Motto des Treffens 2015 wird der Dialog der Religionsführer und Politiker im Namen des Friedens und der Entwicklung sein. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei dem Kampf gegen religiösen Extremismus geschenkt.

Kasachstan ist nicht zufällig eine Plattform für den globalen interreligiösen Dialog geworden. Die zentralasiatische Republik hat einen erfolgreichen Weg für die Gewährleistung des inneren Friedens und der Harmonie im Land eingeschlagen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gelang es Kasachstan, im Gegensatz zu mehreren anderen GUS-Staaten, interethnische Zusammenstöße zu vermeiden und darüber hinaus diese friedliche Koexistenz bis heute zu bewahren. In der Republik leben etwa 140 Ethnien und mehr als 40 Religionsgemeinschaften. In Kasachstan weiß man, dass Wirtschaftsreformen, sozialer Fortschritt und Demokratisierung nicht von nationalen Fragen zu trennen sind. Daher schafft der Staat alle Voraussetzungen für die Bewahrung der Sprachen und Kulturen der im Land lebenden Völker und bietet auch Chancengleichheit für die Vertreter verschiedener Glaubensrichtungen. In allen Großstädten Kasachstans befinden sich Moscheen neben orthodoxen oder katholischen Kirchen, Synagogen und anderen Gebetshäusern.

Gleiche Rechte und Freiheiten der Bürger, unabhängig von ihrer Nationalität, Sprache und Religionszugehörigkeit, werden von einer einzigartigen Institution, der Vollversammlung des Volkes Kasachstans, gewährleistet, die seit zwei Jahrzehnten erfolgreich existiert. Und sie ist keine rein formale Organisation. Die Mitglieder der Vollversammlung wählen aus den eigenen Reihen neun Mitglieder des Unterhauses des Parlaments und üben dadurch Macht aus. Im Parlament verabschiedete Gesetze werden in der Vollversammlung dahin gehend geprüft, ob sie die ethnische Harmonie und Gleichheit erfüllen.

Eine besondere Rolle bei der Konsolidierung der kasachischen Gesellschaft spielt die Doktrin der nationalen Einheit. Sie dient als Basis für die Weiterentwicklung des Rechts im Bereich der nationalen Politik, der Entwicklung der ethnokulturellen und sprachlichen Vielfalt des Landes sowie im Kampf gegen religiösen Extremismus und Radikalismus. Dem Kampf gegen religiösen Extremismus und Radikalismus wird in Kasachstan eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Diese Erfahrungen könnten für andere Länder sehr nützlich sein. Mit der Globalisierung bekommen viele Bedrohungen einen internationalen Charakter. Als Beispiel dient hier der obengenannte "Islamische Staat", unter dessen Banner jetzt bis zu 50.000 Anhänger des radikalen Islams aus verschiedenen Ecken der Welt kämpfen, einschließlich der westlichen Welt.

In Kasachstan kämpft man umfassend gegen den religiösen Extremismus. Vor zwei Jahren arbeitete die Regierung ein Programm aus, das ausschließlich diesem Thema gewidmet ist. Ein Schwerpunkt in diesem Dokument wurde der Informationsarbeit über Religionen gewidmet. Theologen in Kasachstan führen regelmäßig in der Bevölkerung religiöse Aufklärung durch und erklären diesbezüglich den Unterschied zwischen Islam und Islamismus. Mit dem gleichen Ziel wurde in der mittelasiatischen Republik ein Internet-Portal ins Leben gerufen, auf dem Informationen zu religiösen Fragen zu finden sind. Darüber hinaus werden in den Hochschuleinrichtungen Kasachstans Islamwissenschaftler ohne Berechnung von Studiengebühren ausgebildet, was der Erhöhung des Niveaus über religiöses Wissen zu Gute kommt. Selbstverständlich werden die Strafverfolgungsbehörden miteinbezogen, die die vielfältigen Erscheinungsformen des religiösen Extremismus erfolgreich bekämpfen.

Heute bezeichnen selbst kritische Experten Kasachstan als eine der wenigen Inseln der Stabilität in einer instabilen Welt. Als Grundlage dieses Erfolges sind der Frieden und die Harmonie in der multikulturellen Gesellschaft Kasachstans zu nennen. Diese Faktoren erlaubten der zentralasiatischen Republik sich in der Weltöffentlichkeit aktiv zu behaupten, große Investitionen ins Land heranzuziehen, die industrielle und innovative Entwicklung voranzutreiben, zu einer der erfolgreichsten Volkswirtschaften im GUS-Raum zu werden sowie ehrgeizig planen, sich in Zukunft den dreißig führenden Ländern der Welt anzuschließen. Kasachstan zeigt heute ein gutes Beispiel der nationalen und interreligiösen Übereinstimmung und gleichzeitig beweist es, dass vom Frieden alle profitieren.

Kasachstan ist eine Insel der interethnischen Stabilitšt



Peter Schulz
Mitte Oktober 2014