„Das Geld für mein Business bekam ich von meiner Mutter", so äußerte sich der Schweizer Geschäftsmann Iljas Khrapunov vor einiger Zeit in einem Interview. Jetzt wurde er von Interpol zur Fahndung ausgeschrieben. Für solch eine rasante Karriere, um vom Muttersöhnchen zum Big Boss einer kriminellen Gruppe innerhalb einiger Jahre aufzusteigen, ist besonderes Talent nötig.

Andererseits kann man sagen, dass Iljas mit seinen Lehrern Glück hatte. Jene Gelder, die ihm die Mutter gegeben hat, wurden aus dem Budget der kasachischen Stadt Almaty mit Hilfe seines Vaters gestohlen, der als Bürgermeister der früheren Hauptstadt Kasachstans tätig gewesen ist.

Einen großen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung von Iljas hat auch der inhaftierte Oligarch Muchtar Abljasow geleistet, dessen Tochter einst der leise und bescheidene Junge zur Frau genommen hat. Herr Abljasow, eine bekannte Figur in der globalen kriminellen Welt, ist für Iljas ein Mentor geworden, der ihm im richtigen Augenblick mit Ratschlägen und Geld zur Seite stand. Sich wie ein Fisch im Meer von Offshore-Finanzplätzen bewegend, zeigte der Schwiegervater dem Schwiegersohn die verbrecherische Routine, wie er Aktiva in Milliardenhöhe aus der kasachischen BTA-Bank abzog und sich nach gelungener Transaktion nach Großbritannien absetzte.

Die Eltern von Iljas, Viktor und Lejla Khrapunova, Spitzenbeamter und Spitzengeschäftsfrau, verschwanden in die Schweiz. Über einen ausgezeichneten Spürsinn verfügend, was sowohl den Schwiegervater, als auch die Eltern von Iljas betrifft, verließen sie Kasachstan kurz vor der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens.

Es ist interessant zu erwähnen, dass es fast gleichzeitig 2008 und 2009 geschah und die Strategie einer wahrscheinlichen strafrechtlichen Verfolgung gemeinsam gewählt wurde. Als Kasachstan diese Menschen zu einer langjährigen Gefängnisstrafe in Abwesenheit verurteilte und später Interpol die flüchtigen Kriminellen zur internationalen Fahndung ausschrieb, hat sich das Rechtssystem als machtlos erwiesen. Der Grund dafür ist die große Politik.

Anfangs bekam Muchtar Abljasow den Status eines politischen Flüchtlings im Vereinigten Königreich. Der Verbrecher wurde allerdings später zu einer 22-monatigen Haftstrafe verurteilt, aber er hätte ein noch höheres Strafmaß erhalten, wenn die Angelegenheit im strafrechtlichen Kontext verhandelt worden wäre. Das Gerichtsverfahren verlief im Rahmen des Zivilrechtes, um es Muchtar Abljasow nicht zu ermöglichen, dem Kläger eine politische Motivation in dieser Angelegenheit zu unterstellen. Als Kläger trat die kasachische BTA-Bank auf, die vom Angeklagten maßgeblich geschädigt wurde.

Die Engländer hatten natürlich das Augenlicht wieder erlangt. Aber das erfolgte erst später. Eine Gerichtsverhandlung nach der Klage der kasachischen BTA-Bank, die die Schuld Abljasows beim Diebstahl einiger Milliarden US-Dollar bewiesen hat, öffnete den Briten die Augen.

Nachdem die Engländer Abljasow durchschaut hatten, wechselte er seinen Wohnort. Er ging in die Illegalität und beschuldigte das Hohe Gericht Londons, von der Regierung in Astana beeinflusst worden zu sein. Im Allgemeinen benahm er sich wie immer. Als er in seiner Villa an der französischen Mittelmeerküste von der örtlichen Polizei verhaftet wurde, setzte er seine Propaganda fort, und berichtete der ganzen Welt über seine verletzten Rechte und über die Willkür der Behörden. Heute wird über die Auslieferung des Verbrechers verhandelt. Übrigens hat zwischenzeitlich Großbritannien ihm den Status des politischen Flüchtlings entzogen.

Die Familie Khrapunov benahm sich hingegen in der ersten Zeit ihres komfortablen Exils leiser. Dabei wirkte sich der Charakter des bescheiden Dieners des Volkes Viktor Khrapunov aus, der es so hielt: gestohlen und genießen!

Vor einiger Zeit hat die Staatsanwaltschaft des Kantons Genf eine strafrechtliche Ermittlung bezüglich des Verdachtes auf Geldwäsche gegen die Familie Khrapunov eingeleitet. Ihre Konten bei den Banken Credit Suisse und Schroder & Co Bank AG wurden eingefroren und die gesamte Dokumentation eingezogen.

Unter diesem Druck hat sich der Klan Khrapunov-Abljasow entschieden, nach Alternativen zu suchen. Aber die kasachischen Behörden haben eine Klage bei einem Gericht des US-Bundesstaates Kalifornien gegen den ehemaligen Bürgermeister der Stadt Almaty eingereicht, die ihn des Diebstahls von 300 Millionen US-Dollar beschuldigt.

Laut den Akten haben die Kinder der Familie Khrapunov zusammen mit den Eheleuten die gestohlenen Mittel für den Kauf von Immobilien in Bezirken von Los Angeles verwendet. Außerdem wurden von ihnen im Leasing-Verfahren die luxuriösen Autos Rolls Royce und Bentley erworben.

Iljas Khrapunov hatte ausgezeichnete Vorbilder und somit ist es nicht überraschend, dass er die familiengebundene Tradition fortgesetzt hat, wie auf der Webseite von der Interpol in der Rubrik "wird gesucht" zu bewundern ist.

Wie berichtet, wird der 30-jährige Iljas wegen der Bildung und der Leitung einer organisierten kriminellen Gruppe sowie der Legalisierung von kriminell erworbenen Finanzmitteln und anderer Eigentumsdelikte verfolgt.

Interpol sucht auch nach seinen Eltern, was diese aber nicht davon abhielt, ein extrovertiertes Leben an einer, für die breite Öffentlichkeit bekannten Adresse in einem der Kantone der Schweiz, zu führen. Das ist jedoch die Angelegenheit der europäischen Justiz. Es muss nun etwas geschehen, entweder die Einleitung eines Auslieferungsverfahrens, oder der Beginn eigener Ermittlungen. Dabei muss ein deutliches Signal an die europäische Öffentlichkeit gesendet werden: Europa ist kein Ort für kriminelle Oligarchen, denen im Gegenzug für Millioneninvestitionen alte Sünden vergeben werden.

Diese unglaublichen Krapunovs!


Konstantin Laffenbach
August 2014