Jedes Mal, wenn der Verbrecher Muchtar Abljasow ins Blickfeld gerät, verschwindet die Realität. Die Bekanntschaft mit diesem Menschen für unvorbereitete Europäer kann schockartige Zustände auslösen. Inzwischen wurde der vermeintlich demokratische Oligarch entzaubert – Großbritannien entzog ihm den Status des politischen Flüchtlings.

Das Bild, das von diesem Menschen in den Medien konstruiert wurde, ist widersprüchlich. Eine Maske Abljasows ist die des Demokraten. Dieses Bild wird von einigen gekauften Journalisten verbreitet, die Abljasow in rosigen Farben als Volksheld skizzieren und als Verteidiger der Minderbemittelten stilisieren. Dabei zeichnen sie folgendes Bild: Muchtar Abljasow leitete eine der führenden Banken Kasachstans und finanzierte zudem die Opposition, aber er sah sich außerstande, dem System standzuhalten, floh nach London, wo er letztlich politischen Asyl in Großbritannien bekam.

Schaut man sich jedoch den Fall vom objektiven Standpunkt aus an, zeichnet sich ein ganz anderes Bild. Erstens geht es um die politische Tätigkeit des Herrn Abljasow. Der kriminelle Oligarch hat seine politische Partei ausschließlich zum Schutz der eigenen Finanzmachenschaften gegründet und nicht um die politische Willensbildung des kasachischen Volkes zu unterstützen. Von Anfang an führte der Geschäftsmann das schmutzige Spiel und als er Bankier geworden ist, setzte er es auf der globalen Ebene fort.

Abljasow hat seine Bank bestohlen, die Aktiva in Offshore-Finanzplätze transferiert, wobei es sich insgesamt um ca. 5 Milliarden US-Dollar handelt. Diese Tatsache hat das Oberste Gericht Londons bestätigt. Der Verbrecher wurde zu einer 22-monatigen Haftstrafe verurteilt, aber er könnte noch mehr erhalten, wenn die Angelegenheit im strafrechtlichen Kontext verhandelt werden würde. Das Gerichtsverfahren verlief im Rahmen des Zivilrechtes, um es Muchtar Abljasow nicht zu ermöglichen, dem Kläger eine politische Motivation in dieser Angelegenheit zu unterstellen. Als Kläger trat die kasachische BTA-Bank auf, die vom Angeklagten geschädigt wurde.

Dabei war wieder eine Realitätsfälschung zu beobachten. Einflussreiche Medien beschuldigten die englische Justiz der Bestechlichkeit. Während dessen verschwand der Fuchs Abljasow nach Frankreich. Jedoch wurde er später in seiner Villa an der Französischen Riviera aufgrund eines internationalen Haftbefehls von Interpol festgenommen.

Die große Kampagne, die von den unter Abljasows Kontrolle stehenden Massenmedien initiiert wurde, bewirkte eine verfälschte Darstellung über die Aktiva des Oligarchen. Die Betonungen waren immer dieselben: Abljasow ist ein Demokrat, ein Opfer des autoritären Regimes seiner Heimat. Damals beantragten außer Russland noch die Ukraine und Kasachstan die Auslieferung Abljasows. Nebenbei gesagt, interessieren sich für die dunklen Geschäfte des Oligarchen auch andere Staaten. Insbesondere die Justizorgane Zyperns, Ungarns, Lettlands, Irlands, Finnlands und einer Reihe anderer Staaten konzentrieren sich auf die mit dem Namen Abljasow verbundenen Unternehmen.

Im Dezember 2013 hat ein Vertreter der französischen Staatsanwaltschaft einen Appell an das Berufungsgericht von Aix-en-Provence gerichtet, den Antrag der Behörden der Ukraine und Russlands auf Auslieferung des Verbrechers nachzukommen. Anfang Januar 2014 wurde dann Herrn Abljasow das Ticket nach Moskau ausgestellt.

Die unter Abljasows Kontrolle stehenden Medien haben sofort propagandistische Maßnahmen ergriffen. Diesmal bemühten sie sich darum, die Auslieferung des Oligarchen zu verhindern, weil er angeblich dadurch in Lebensgefahr käme.

Es wurde daran erinnert, dass Abljasow nach wie vor den Status eines politischen Flüchtlings in Großbritannien hat. Aber noch im Januar 2014 wurde der Oligarch von den offiziellen Behörden Großbritanniens darüber informiert, dass dieser Status annulliert wird. Und vor kurzem wurde in dieser Angelegenheit Vollzug gemeldet.

Der Anwalt des flüchtigen Bankiers, Peter Sachlas, hat in diesem Zusammenhang erklärt, dass die Entscheidung ungesetzlich und unbegründet getroffen wurde und die Institutionen des Vereinigten Königreiches offenbar einer Irreführung erlegen sind.

Das zu beobachtende Verhaltensmuster Abljasows besteht darin, Staaten unbegründeter Weise zu beschuldigen. Die britischen Behörden verurteilten ihn, aber seine Anwälte nahmen sich das (Un-)Recht heraus, die Schuldlosigkeit des Beschuldigten zu betonen.

Zurzeit bringt die PR-Aktion zugunsten Abljasows ein kleines Tauziehen in Erinnerung, das keine globalen Ziele verfolgt. In jeglicher Hinsicht hat Muchtar Abljasow verloren und jetzt geht es darum, seine Auslieferung aus Frankreich zu verhindern.

In Anbetracht der riesigen Aktiva, die Abljasow besitzt, wird er von den besten Anwälten geschützt, die das Gerichtsverfahren auf jede Art und Weise bremsen. Als dessen Folge hob die Revisionsinstanz in Paris Anfang April das Gerichtsurteil über die Auflieferung Abljasows auf und hat den Fall zur Neuverhandlung an das Gericht von Aix-en-Provence zurückgegeben.

Aber das bedeutet nicht, dass sich die Franzosen es anders überlegt haben, Abljasow auszuliefern. Paris reagiert aufmerksam auf die Versuche des ungesetzlichen Drucks. Die französischen Behörden erklärten dem Oligarchen schon einmal, dass seine Versuche, Druck auf die französische Justiz auszuüben, erfolglos bleiben werden.

Muchtar Abljasow´s „Blurred Lines“


Konstantin Laffenbach
Juni 2014