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Die Kasachen stellen 50 Prozent des ukrainischen Tochterunternehmens der BTA-Bank unter Kontrolle

Die kasachische BTA-Bank hat damit begonnen, die Kontrolle über ihre ukrainische Tochtergesellschaft wieder herzustellen. Im Rahmen der Vollstreckung des Urteils des Obersten Gerichtes Londons wurden fast 50 Prozent der Aktienanteile der ukrainischen BTA-Bank von sechs zuvor dem ehemaligen Besitzer des kasachischen Mutterkonzerns Muchtar Abljasow gehörenden Unternehmen entzogen und der kasachischen BTA-Bank zurück erstattet.

Die gleichnamige mütterliche Struktur aus Kasachstan versucht, die ukrainische BTA-Bank unter ihre volle Kontrolle zu bringen. Vor kurzem genehmigte das ukrainische Kartellamt den Ankauf der Aktien der ukrainischen BTA-Bank, was den Überhang von 50 Prozent der Stimmen im obersten Verwaltungsorgan der Bank gewährleistet. Nun gehören 49,9883 Prozent der Aktien der ukrainischen Tochter der kasachischen BTA-Bank. Die restlichen Aktien sind mit den jeweiligen Anteilen von weniger als 10 Prozent unter den sechs folgenden Gesellschaften verteilt: „Investment-Industriegruppe Eurasien-Ukraine", „MP Invest", „Jupiter Trade", „Absolut Investment", „Afina Trade" sowie „Drobo Trade Investment". Zuvor besaß der ehemalige Vorstandsvorsitzende der kasachischen BTA-Bank Muchtar Abljasow diese Unternehmen, erklärte der Hauptpartner der Rechtsanwaltskanzlei „Iljaschew und Partner" Roman Martschenko, dessen Firma die kasachische Muttergesellschaft in dieser juristischen Angelegenheit in der Ukraine vertritt.

Im Februar 2009 wurde die von der globalen Finanzkrise stark betroffene BTA-Bank von den kasachischen Behörden verstaatlicht. Der damalige CEO Muchtar Abljasow fürchtete wegen seines Geschäftsgebarens die Verhaftung und floh nach Großbritannien, wo er Asyl bekam. Die BTA-Bank reichte neun Klagen beim Obersten Gericht Londons ein und forderte von Herrn Abljasow 5 Milliarden US-Dollars zurück, die er von der kasachischen BTA-Bank unterschlagen hatte. Im Februar 2012 verurteilte dieses Londoner Gericht Muchtar Abljasow zu einer 22-monatigen Haftstrafe wegen Nichtachtung dieser staatlichen Institution. Vor der britischen Justiz floh Herr Abljasow anschließend nach Italien und weiter nach Frankreich, wo er am 31. Juli dieses Jahres verhaftet wurde. Derzeit streben die Ukraine und Russland seine Auslieferung an.

Ursprünglich wurden alle Aktien der ukrainischen BTA-Tochter durch das Geld der kasachischen Mutter-Bank gekauft. Aber nur ein Teil der Anteilsscheine wurde der kasachischen Bank übergegeben und ein anderer Teil wurde ungesetzlich auf eine Reihe von unter Abljasows Kontrolle stehenden Firmen registriert.

Noch am 23. November 2012 beschloss das Londoner Gericht von Muchtar Abljasow mehr als drei Milliarden US-Dollar zugunsten der kasachischen BTA-Bank einzutreiben. Das Petscherski Kreisgericht der Stadt Kiew stimmte im Juni dieses Jahres der Geltendmachung des Beschlusses des Londoner Gerichts auf dem Territorium der Ukraine zu und erteilte die Genehmigung auf Zwangsbeitreibung. Diesbezüglich sollen die Aktien, die den sechs Gesellschaften gehören, auf die kasachische BTA-Bank übertragen werden.

Jetzt wird die Aktienübertragung an die kasachische Bank von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG verwirklicht, die vom Londoner Gericht eingesetzt wurde. KPMG nominierte den neuen Direktor dieser Firmen, der die Aktienübergabe realisieren soll. Als Konsequenz wird die kasachische BTA-Bank über mehr als 99 Prozent der Aktien des Tochterunternehmens verfügen. Die restlichen ein Prozent der Aktien verbleiben bei Privatpersonen.

Der fünfjährige Konflikt zwischen der Regierung der Republik Kasachstan und Muchtar Abljasow wirkte sich nur unwesentlich auf die Arbeit der ukrainischen Bank aus. Das Ergebnis der drei Quartale dieses Jahres waren ein Gewinn der Institution von 8,8 Millionen ukrainischen Griwna.

Nachdem die kasachische BTA-Bank das ukrainische Tochterunternehmen unter ihre Kontrolle brachte, wird nun über die zukünftige strategische Ausrichtung des Unternehmens entscheiden. Die ukrainischen Aktiva, die keinen großen Wert in Bezug auf relevante Marktanteile haben, sind nun ein Erbe für die kasachische BTA-Bank. Wenn jedoch der Beschluss gefasst werden sollte, dass das Geschäft in der Ukraine entwickelt werden muss, um ein relevanter Finanzakteur auf dem ukrainischen Markt zu werden, werden große Investitionen nötig sein, - sagte der stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der Ukrgasbank Stanislaw Schlapak. Wenn beschlossen wird, dass die kasachische Bank sich für diesen Markt nicht interessiert, so wird die ukrainische Tochter-Bank verkauft werden. Aber dann muss die Bereitschaft existieren, dass das BTA-Mutterinstitut für ihren ukrainischen Ableger viel weniger Geld bekommen wird, als bei dem Ankauf.

Die BTA-Bank hat ihre zweite Hälfte gefunden
Jelena Gubar
Die Zeitung „Kommersant Ukraina“, ?182 (1885) vom 07.11.2013