Die These „wer Informationen hat, hat Macht", erfuhr in ihrer Interpretation eine bedeutende Wandlung und lässt sich mittlerweile folgendermaßen ausdrücken: „der die Macht hat, lügt nachdrücklicher ".

Solch ein Scharlatan großen Maßes ist Muchtar Abljasow. Er degradierte die internationalen Medien zu seinem Lügenwerkzeug. Aber für ihn interessieren sich die Justizbehörden Großbritanniens, Spaniens, Tschechiens, Griechenlands, der Ukraine, Russlands und Kasachstans.

Er bekleidete Ministerposten in Kasachstan und war Unternehmer in Russland. In seinem Lebenslauf findet man Korruptionsskandale, Gefängnisstrafen und politische Tätigkeiten, die das einzige Ziel verfolgten, die Unantastbarkeit der eigenen Person und seiner zweifelhaften, geschäftlichen Aktivitäten zu gewährleisten.

Seine letzte Verwendung vor der Flucht aus der Heimat war die des Leiters einer der größten Finanzinstitutionen Kasachstans. Als Vorstandsvorsitzender der kasachischen BTA-Bank unterschlug er von Sparern und Kreditoren etwa 6 Milliarden US-Dollar, die er durch ihm verbundene Unternehmen auf Offshore-Finanzplätze transferierte.

Als Beispiel kann man eine Reihe von Beschlüssen des Obersten Gerichtes Londons anführen, das beispielsweise beschloss, das Eigentum Abljasows, seine Konten und die von ihm kontrollierten Firmen zugunsten der kasachischen BTA-Bank zu beschlagnahmen, da der Tatbestand der Unterschlagung bewiesen werden konnte. Der englische Richter war erstaunt darüber, dass das Gerichtsverfahren nicht als Strafverfahren verhandelt wurde, da Anhaltspunkte diesbezüglich vorhanden sind. Die Vertreter der BTA-Bank erklärten daraufhin, dass sich die Rückgabeansprüche des ungesetzlich unterschlagenen Geldes im Zivilverfahren einfacher durchsetzen lassen. Es ließen sich jedoch somit die Vorwürfe ausschließen, dass die Verfolgung Abljasows politisch motiviert ist. Der flüchtige Oligarch log während der gesamten Gerichtsverhandlung, täuschte die Richter und wurde zu einer 22-monatigen Haftstrafe verurteilt. Seine Haftstrafe trat er nicht an, er zog es dagegen vor, Großbritannien umgehend illegal zu verlassen.

Abljasow in Großbritannien

Das war die Zeit, als Abljasow sich hoch zu Ross bewegte. Als er den Status eines politischen Flüchtlings bekam, die Briten wussten damals noch nicht, wen sie unter ihre Obhut nahmen, wurden die PR-Aktionen von den unter Abljasows Kontrolle stehenden Medien gegen Russland, die Ukraine und in einem noch größeren Maße gegen Kasachstan gerichtet. Der Politiker nahm Einfluss auf die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen seines Heimatlandes, finanzierte aktiv die Opposition, deren Ziel die Destabilisierung der Lage im Land gewesen ist. Damals träumte Abljasow noch davon, zur großen Politik Kasachstans zurückkehren zu können. Um eine Krise der Staatsmacht heraufzubeschwören, wurde alle zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt, darunter sogar die Organisation von Unruhen und Terroranschlägen. So wurde der Mitarbeiter des persönlichen Sicherheitsdienstes Abljasows, Alexander Pawlow, der Vorbereitung eines terroristischen Anschlags im Wirtschaftszentrum von Kasachstan, Almaty, überführt.

Danach entzog sich Pawlow der Strafverfolgung und befindet sich zurzeit in Auslieferungshaft in Spanien.

Abljasow und seine Flucht aus Großbritannien

In dieser Zeit änderte sich die Tonlage der unter Abljasows Kontrolle stehenden Medien. Ambitionierte Pläne zum Aufstand gegen die staatlichen Behörden in Kasachstan scheiterten. Nun erfolgte die zweite Etappe im Leben des Oligarchen, die des Überlebenskünstlers. Die von ihm kontrollierten Medien setzten einerseits die Aktionen gegen Kasachstan zur Aufrechterhaltung des Images eines Oppositionellen fort. Andererseits dienten sie ihm zur Verhinderung der Versuche der Strafverfolgung. Es wurde viel Energie darauf verwendet, dem Ex-Bankier in den Augen der internationalen Öffentlichkeit eine weiße Weste zu attestieren und die strafrechtlichen Verfolgungen als politisch motiviert darzustellen. Parallel zu diesen Aktivitäten wurden verschiedene Bürgerrechtsorganisationen zu seiner Unterstützung ins Leben gerufen. Ihre Aufgabe war der Schutz der Rechte und der Freiheiten von Herrn Abljasow. Eine solche Organisation ist der Fond „Offener Dialog" in Polen.

Abljasow in Frankreich

Dieses Kapitel der Biografie Muchtar Abljasows klingt mehr nach einem Politthriller. Hier gibt es alles: von der Verschleppung der Familie durch böse Widersacher, die Liebe, die zur Verhaftung führte und am Ende eine unfreundliche Gefängniszelle.

Die Verschleppung der Familie stellte sich jedoch als banale Abschiebung aus Italien nach Kasachstan wegen des Verstoßes gegen die italienische Migrationsgesetzgebung heraus. In diesem Kontext wird er verdächtigt, dass er sich selbst von der Familie entfernte, um sich mit seiner Geliebten, Jelena Tischenko zu vereinen.

Trotz der Bemühungen der besten Anwälte verfolgte Abljasow nun das Pech auf Schritt und Tritt. Er fing an, die Gründe dafür in der Doppelzüngigkeit und Käuflichkeit der Engländer zu suchen. Deshalb wird es nicht überraschen, wenn auch die französische Justiz nach der Entscheidung über die Auslieferung des Oligarchen mit einer Negativkampagne überzogen werden wird. Die objektiven Einschätzungen werden im Chor der wilden Bürgerrechtler versinken.

Etwas anders verläuft die Informationspolitik bezüglich inhaftierter Mitglieder seiner Mannschaft, die auf die Auslieferung in anderen Ländern Europas warten. Dabei handelt es sich um den bereits erwähnten Alexander Pawlow in Spanien und Tatjana Paraskewitsch in Tschechien.

Die Medien sind bereits darauf vorbereitet, ihre Beiträge über Abljasow im Fall der Auslieferung zu verfassen. Dabei werden bereits bekannte Thesen zur Anwendung kommen: Es erwarten ihn in seiner Heimat Folter und ein vorbereitetes Urteil.

Abljasow vergisst allerdings, dass die Juristen den tatsächlichen Beweisen mehr Glauben schenken als seinen PR-Aktionen. Deshalb ist dieser kriminelle Geschäftsmann endlich Schachmatt gesetzt.

Wer die Macht hat, lügt nachdrücklicher

Christian Hellberg
13. November 2013