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Im Fall des flüchtigen Kriminellen Muchtar Abljasow gibt es Neuigkeiten. Er ist auf dem Weg nach Zentralafrika.

Nach Meinung von Beobachtern ist Muchtar Abljasow ein Genie in der kriminellen Welt. Aber dieser Ansicht ist nicht zuzustimmen. Seine Genialität stützt sich auf das Geld, das dieser Verbrecher als Leiter einer großen Bank in einer der Republiken Mittelasiens stahl. Dank dieses Geldes, es handelt sich hierbei um fünf Milliarden US-Dollar, verwandelte er sich in einen unsichtbaren Fliehenden. Derzeit wird er durch Interpol sowie von den Ermittlungsbehörden einiger Länder, wie Großbritannien, Russland, Kasachstan und der Ukraine, gesucht.

Eine Analyse der Persönlichkeit Abljasows zeigt, dass dieser sehr intelligent ist. Er wählte die einzig richtige Taktik, denn er gab sich als Dissident aus und die Strafsachen, bei denen er eine führende Rolle spielt, stellte er als politisch motivierte Sanktionen dar. Er bezeichnete sich als der Hauptoppositionelle gegen die Regierung Kasachstans. In diesem Zusammenhang kommt die Frage auf, warum er sich nicht gegen die Behörden Russlands wendet, wo auch nach ihm gefahndet wird? Wohl deshalb, weil seine letzte berufliche Tätigkeit mit seiner Heimat verbunden war. In Kasachstan befindet sich die Bank, deren Aktiva er in „Offshore-Steuerparadiese“ durch Filialen in Kasachstan, Russland, der Ukraine und Kirgisistan transferierte.

Als der skandalöse Fall die breite Öffentlichkeit erreichte, gab sich Abljasow erstaunt: Man kann doch einen Menschen nicht einer Straftat beschuldigen, die er nicht begangen hat. Es ging doch nur um Transfers innerhalb seiner Bank!

Da die meisten Menschen über die Besonderheit des Bankgeschäftes nur wenig wissen, vertrauten sie Muchtar Abljasow. Es muss jedoch deutlich darauf hingewiesen werden, dass er alle Bankaktiva heraus transferierte, einschließlich der Spareinlagen der Bevölkerung sowie von anderen Finanzinstituten geliehenen Kredite.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, wie Herr Abljasow Lügen durch die unter seiner Kontrolle stehenden Medien verbreitet hat, das Image des erfolgreichen Geschäftsmannes sowie des Politikers betonend und seine verbrecherische Aktivitäten in den Hintergrund rückend.

Zuerst floh Abljasow nach Großbritannien. Die ehemalige Weltmacht ist der erste Staat, der zu spüren bekam, wie ein Verbrecher erfolgreich nicht nur die einfachen Bürger, sondern auch einflussreiche Politiker hintergehen kann. Sein erfolgreicher Lobbyismus in eigener Sache führte dazu, dass er den Status eines politischen Flüchtlings im Vereinigten Königreich bekam.

Zeitgleich klagte die kasachische BTA-Bank gegen ihn vor einem Gericht in London. Damals betonte Abljasow, dass er bereit ist, das Urteil des Gerichtes zu akzeptieren. Er warf aber nach Urteilsverkündung der britischen Justiz Befangen- und Korrumpierbarkeit vor. Denn der bisher „ehrenhafte Gentlemen“ Abljasow wurde trotz der Bemühungen seiner zahlreichen Anwälte für schuldig befunden und zu einer 22-monatigen Haftstrafe verurteilt.

Er zog seine Konsequenzen und floh aus Großbritannien. Anschließend reiste er durch ganz Europa, war aber aufgrund des von ihm gestohlenen Geldes in der Lage, Fluchthelfer zu bezahlen und Luxuswohnungen anzumieten. Abljasow bezahlt die Dienstleistungen seiner Entourage durch geheime Konten und dafür gegründete Firmen. Er führt aber zudem immer eine große Menge Bargeld bei sich, um Beamte bestechen zu können.

In dieser Hinsicht sieht der Vorfall über die angebliche Entführung der Ehefrau und der Tochter Abljasows widersinnig aus. Es gibt aber die Vermutung, dass er vorsätzlich seine Familie nach Kasachstan ausgeliefert hat.

Erstens gab es keine Entführung. Die italienische Polizei verwies seine Frau und seine Tochter aus gesetzlichen Gründen des Landes und schob beide in ihr Heimatland Kasachstan ab. In dieser Situation zeigte sich Abljasow als Dissident, Politiker, Geschäftsmann, der gewaltsam von seiner Familie getrennt wurde – so wurde er jedenfalls auf den Titelseiten einiger italienischer Zeitungen dargestellt.

Dabei wurde in der Presse die Tatsache verschwiegen, dass die Trennung von der Familie für Muchtar Abljasow vorteilhaft ist. Drohen Ehefrau und Tochter Abljasows Strafen in Kasachstan? Es ist davon auszugehen, dass die kasachischen Behörden die beiden Familienangehörigen korrekt behandeln, denn der Gesuchte ist ja das Familienoberhaupt. Kasachstan ist ein entwickelter Staat, der die Menschenrechte respektiert.

Da das Ehepaar Abljasow keine innige Beziehung mehr führte und sie ihn immer mehr zu kontrollieren versuchte, warf Herr Abljasow den “familiären Ballast“ ab. Jetzt muss er sich auch nicht mehr anstrengen, die außerehelichen Verhältnisse zu verbergen. Jedoch wusste seine Frau wahrscheinlich über das intime Verhältnis ihres Gatten mit der Ehefrau seines ukrainischen Geschäftspartners Sergei Tischchenko Bescheid. Elena Tischchenko war in den engeren Kreisen als seine persönliche Juristin bekannt. Frau Tischchenko ist nicht die erste Geliebte Abljasows. Die ganze Führungsspitze der kasachischen BTA-Bank und deren Londoner Büro wussten, dass diese Rolle seine Beraterin Botagoz Dschardemali früher spielte.

Deshalb ist die "Entführung" seiner Familie nicht mehr als eine PR-Aktion, um auf gute Weise an sich zu erinnern. Die Meisten vergaßen ihn bereits als politischen Akteur. Aber plötzlich gab es die „herzzerreißende“ Geschichte von der Trennung der Abljasow-Familie, was dazu führte, dass man sich seines Schicksal wieder besann.

Welche Zukunft plant er für sich? Er wird wohl nicht in Europa bleiben. Vielmehr wird er seine engen Beziehungen nach Zentralafrika vertiefen. Die Familie Abljasow hat sich in der Zentralafrikanischen Republik naturalisieren lassen. Seine Ehefrau wurde auf unerklärliche Weise Diplomatin dieses Landes. Außer seiner Ehefrau verfügt der enge Verwandte Iljas Khrapunow, Mann seiner Tochter Madina und Sohn des ehemaligen kasachischen Spitzenpolitikers und angeblichen politischen Dissidenten Viktor Khrapunow, über einen Diplomatenpass der Zentralafrikanischen Republik. Es gibt die Vermutung, dass die Ausstellung der Diplomatenpässe der Zentralafrikanischen Republik an die Angehörigen des Abljasow-Clans mit den Geschäftsinteressen der Herren Abljasow und Khrapunow auf dem afrikanischen Erdöl-, Diamanten- und Tourismussektor zu tun haben. Daher wird man Herrn Abljasow wohl bald in einem Dschungel-Camp im Herzen Afrikas, wo sich auch der Massenmörder Joseph Kony, ein aus Uganda stammender Kommandeur der Terrortruppe „Lord´s Resistance Army“ aufhält, antreffen. Es bleibt spannend.

Abljasow auf dem Weg in das „Herz der Finsternis“

Konstantin Laffenbach
30. Juli 2013