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Es gibt große Vorkommen an Erdöl? Dann kommen wir zu Ihnen! Mittlerweile ist dieser Slogan eine Anleitung zur Tätigkeit von terroristischen Organisationen geworden. Es kann nicht mehr verneint werden, dass die globalen Erdölregionen von diesen Drohungen betroffen sind.

Auch die stabilen Staaten Zentralasiens sind in den tödlichen Kreislauf des kriminellen Erdölgeldes, der internationalen Kriminalität und der fremden Ideologien hineingezogen worden. Hierbei wird offenbar die geschickte Hand eines Marionettenspielers aktiv, der seit vielen Jahren geduldig die Rekrutierung neuer Fachkräfte für die Wahhabiten-Bewegung vorbereitet, unter Hinzuziehung von kriminellen Strukturen. Und er tut alles dafür, das Szenario, wie im libyschen Bengasi, in der Stunde null zu wiederholen, also die Jagd auf den Terrorismus zu beginnen, und somit Zugriff auf reiche Vorkommen von Erdöl und Erdgas im Endeffekt zu erhalten.

In Kasachstan beispielsweise, dem führenden Staat Zentralasiens, ist das einzige Land der Region, wo seit mehr als 20 Jahren nach der Unabhängigkeit weder Bürgerkriege, noch internationalen Konflikte stattfanden. Aber auch hier haben sich diese Bedrohungen in letzter Zeit verschärft. Charakteristisch ist dabei, dass der Beginn der Aktivitäten von Terroristen gerade in der Erdölregion der Republik im westlichen Teil des Landes, der an das Kaspischen Meer grenzt, zu beobachten ist.

In diesem Zusammenhang wird die Unterminierung der Stabilität von Kasachstan seit vielen Jahren geführt. In den ersten Jahren nutzten die terroristischen und extremistischen Gruppen die Tätigkeiten von Nichtregierungsorganisationen, später vereinigten sie sich mit der lokalen Kriminalität und den Machtstrukturen des Landes.

Das eindrucksvollste Beispiel stellen die Gebrüder Riskalijew – Bergei und Amanschan - dar. Der Erstgenannte war Gouverneur (Akim) des Atyrau- Gebietes, der bedeutenden Erdölregion des Landes, der Zweite war  Abgeordneter des nationalen Parlaments.

Wodurch erlangten diese beiden Herren Berühmtheit? Einmal abgesehen von Korruptionsbeschuldigungen ist es bedeutsamer, dass sie eine neue Stufe der verbrecherischen Tätigkeit erreichten – die Symbiose von Kriminalität mit der Ideologie des Terrorismus.

Unter Leitung der Gebrüder Riskalijew befanden sich zwei Gruppen der Organisierten Kriminalität (OKG). Eine von ihnen, bekannt in der Bevölkerung als Gruppe "Makatowskie", die sich unter der Führung der Gebrüder Ismuchanow befand, war in engem Kontakt mit dem terroristischen wahabitischen Untergrund.

Die Rollenverteilung unter den Mitgliedern der Gruppe „Makatowskie“ wurden folgendermaßen verteilt: der ältere Bruder leitete die Organisation. Er organisierte gewaltsame Raubüberfälle, Entführungen von Menschen und Morde. Der jüngere Bruder unterhielt enge Kontakte mit Terroristen, einschließlich mit Meirambek Makulbekow mit dem religiösen Pseudonym „Abdulasis“, der als Emissär der internationalen terroristischen Organisation „Bündnis des islamischen Dschihad“ gilt, die zu den Strukturen der „Al-Qaida“ gehört.

Ismuchanow und Abdulasis organisierten mit der Unterstützung von anderen Mitgliedern des Untergrunds die religiöse Vereinigung „Darus Salam“ für die Anwerbung neuer Mitglieder. Sie standen auch hinter der Konstituierung der Stiftung „Al-Chak“, welche Mittel für den Kampf gegen Ungläubige in Afghanistan bereitstellten. Durch ihre Unterstützung wurde die Errichtung der Moschee "Al-Takua" im Atyrau-Gebiet finanziert.

Bergei Riskalijew stellte in seiner Position als stellvertretender Gouverneur des Atyrau-Gebietes das Grundstück für den Bau dieser Moschee zur Verfügung, die später zum Zentrum der wahabitischen Terroristen wurde.

Der geistige Führer und Imam der Moschee war ein Muslim namens Abduschapparow geworden, dessen Predigten sich durch äußerst extremistisch wahabitische Ansichten und den Aufruf zum Eintritt Kasachstans in ein Islamisches Kalifat sowie der Durchführung des „Heiligen Krieges gegen Nichtmuslime“ auszeichneten. Im Jahr 2006 floh er nach Saudi-Arabien. Jedoch setzte der jüngere Bruder der Ismuchanows seine Mission fort. Dabei handelte es sich um die Verbreitung der Ideologie des nicht traditionellen Islams, der in Zentralasien bis dahin unbekannt gewesen ist. Und das geschah mit der Unterstützung des höchstrangigen Vertreters der kasachischen Staatsmacht in der Verwaltungseinheit.

Ismuchanow reichte die Ausbildung der religiösen Fachkräfte nicht aus. Der Gouverneur des Gebietes Bergei Riskalijew fand einen Ausweg aus dieser misslichen Lage. Er finanzierte die Reise einer Gruppe von Menschen einschließlich der Mitglieder der obengenannten Gruppe „Makatowskie“ nach Ägypten und Saudi-Arabien zum religiösen Studium.

Die Anwerbung neuer Adepten für die Moschee führte die religiöse Vereinigung „Darus Salam" durch. Obwohl die Organisation im Jahre 2007 verboten wurde, arbeitete sie illegal weiter. So wuchs die Zahl der Gemeindemitglieder der Moschee "Al-Takua" und es wurde eine geheime terroristische Gruppe mit dem Namen „Kasachischer Islamischer Dschihad“ geschaffen. Im Zeitraum von 2008 bis 2011 rekrutierten die Terroristen 43 neue Kämpfer. Sie wurden in drei selbständige Gruppen mit den Namen "Ittichad al-Muslimin", "Zehn" und "Gruppe Li" integriert.

Die Mitglieder einer der drei Gruppen hatten die Aufgabe, einen Truppenteil des Grenzdienstes Kasachstans anzugreifen. Darüber hinaus wurde der Angriff auf ein Munitionsdepot der Streitkräfte geplant. Dieser Plan scheiterte  aber aus einem banalen Grund, die Organisatoren des Angriffs wurden von der Polizei wegen eines Raubüberfalls auf ein Lebensmittelgeschäft verhaftet. Zudem wurde eine Serie weiterer

Terrorakte geplant, die aber glücklicherweise scheiterten. Im April 2012 wurden dann die Urteile durch das Kreisgericht des Atyrau-Gebietes in Bezug auf 42 Angeklagte, die Mitglieder der drei terroristischen Gruppen waren, gefällt.

Am 15. August 2013 wurde der Gouverneur Bergei Riskalijew seines Amtes enthoben. Um der strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen, versuchten der Ex-Gouverneur und sein Bruder zu ihrem Schutz die Öffentlichkeit heranzuziehen. Als letztlich das Ausmaß ihrer kriminellen Tätigkeiten bekannt wurde, flüchteten sie ins Ausland.

Hierbei ist anzumerken, dass die Brüder Riskalijew sich in dem Moment zur Flucht entschieden, als die Rechtsschutzbehörden Kasachstans den Untergrund aufdeckten und eine Reihe von Sonderoperationen nach der Liquidation der terroristischen Gruppen durchgeführt hatten.

Es entbrannte eine schwere Auseinandersetzung. Die Rechtsschutzbehörden töteten einen Teil der Terroristen. Diese wiederum antworteten mit gewaltsamen Angriffen auf die Rechtsschutzbehörden.

Im Ergebnis wurden die meisten Wahhabiten festgenommen, ein Teil von ihnen kam ums Leben. Der Emissär von „Al-Qaida“, Abdulasis, verbüßt auch heute noch seine langjährige Gefängnisstrafe in Kasachstan.

Aber was passierte mit den Brüdern Riskalijew? Nach letzten Angaben halten sie sich in London auf.

Die Brüder Riskalijew - Organisatoren terroristischer Strukturen im westkasachischen Atyrau

Christian Hellberg
17. Juli 2013