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Wo ist Muchtar Abljasow?

Christian Hellberg
19. Juni 2013

Der Name Muchtar Abljasow, geflohener Oligarch, Gründer einer kriminellen Organisation, der von den Rechtsschutzorganen Großbritanniens, Russlands, Kasachstans und der Ukraine gesucht wird, ist vielen Liebhabern des detektivischen Genres bekannt, weil der Lebensweg dieses Menschen von vielen als der spannendste Krimi derzeit wahrgenommen wird.

Wer ist dieser Herr Abljasow? Ein Mensch, der sein Kapital in der Zeit der Wirren im Rahmen der Unabhängigkeit einer der postsowjetischen Republiken erwarb. Ein ehemaliger Politiker, der die Pseudooppositionsbewegung leitete, deren Tätigkeit auf dem von ihm entwendeten Geld basierte, was ihn vor einer Gefängnisstrafe jedoch nicht bewahrte. Ein Häftling, der die Begnadigung des Staatsoberhauptes bekam, ohne ein Viertel der Strafe abgesessen zu haben. Ein Geschäftsmann, der nach der Freilassung den Posten des Vorsitzenden der kasachischen Bank BTA bekleidete, eine der größten Finanzinstitutionen Kasachstans. Letztlich ist er ein Dieb, den weder die Strafandrohung noch der Verlust seiner Position von seinen illegalen Tätigkeiten abhielt. Die kriminelle Taten Abljasows führten dazu, dass er über mehrere Jahre lang aus der Verwaltung der Bank in „Offshore-Paradiese“ den Großteil der Bankaktiva heraustransferierte. Es handelt sich bei diesem finanziellen kriminellen Akt um insgesamt fünf Milliarden US-Dollar.

Der zweite Teil des Lebens des Abenteuerdiebes fing mit der Flucht an die Küste des nebligen Britanniens an. Dabei ist dieser Teil der vorliegenden Geschichte am geheimnisvollsten. Trotz gesunden Menschenverstandes wurde der entlaufene Oligarch von den Behörden des Vereinigten Königreiches freundlich behandelt und bekam das ersehnte politische Asyl. Nachdem er es sich bequem gemacht hatte, entfaltete er auf Anregung seiner neuen Gastgeber einen PR-Angriff gegen Kasachstan. Zeitgleich begannen in London fast unbemerkt von der Öffentlichkeit die Gerichtsverhandlungen in Bezug auf seine Straftaten auf dem Gebiet des Finanzsektors. Dann aber fesselte das Gerichtsverfahren die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit, die das reale Ausmaß der hoch kriminellen Machenschaften letztlich erkannte.

Es muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass Kasachstan neben der Schweiz dank Abljasow den zweiten Platz nach den USA für internationale Straffälle der britischen Justiz einnimmt. Es ist ein sehr gewinnbringendes Geschäft. Und je länger diese Rechtsstreite andauern, desto besser. Es sind kein Erdgas und kein Erdöl nötig, wenn es solche gewinnbringenden Einkünfte gibt. Klar ist somit geworden, dass ein beliebiger Verbrecher unter diesen Bedingungen, wenn er über ausreichend finanzielle Mittel verfügt, mit einer angemessenen Rechtspflege rechnen kann.

Es ist interessant, dass Großbritannien infolgedessen Gesetzgebungsreformen im Bereich der Erhöhung der Gerichtskosten für umfangreiche kommerzielle Gerichtsklagen einleitete. Daher handelt es sich um nicht unwesentliche Einnahmen, wenn es nur hinsichtlich Abljasow elf gesonderte Gerichtsverhandlungen geben wird, zu denen nach Expertenschätzungen zwischen 50 und 100 der besten Juristen Großbritanniens zugezogen wurden. Unter solchen Umständen ist es überraschend, wie Großbritannien die Beziehung zu Muchtar Abljasow, mittlerweile einer der wichtigsten Arbeitgeber für die Juristen dieses Landes, revidierte. Der Verbrecher wurde trotz der Bemühungen der zahlreichen Anwälte zu einer 22-monatigen Haftstrafe verurteilt.

An dieser Stelle könnte man sagen, dass sich ursprünglich der Eindruck einstellte, als ob gewisse Kräfte in Britannien Herrn Abljasow unterstützen. Der Oligarch wurde aber in der Zwischenzeit fallen gelassen. Also musste er mit seiner Flucht aus England beginnen. Als das Oberste Gericht Londons den Beschluss über die Haftstrafe verfasste, floh er nach Frankreich. Das heißt im Übrigen nicht, dass das Ende Abljasows als politischer Spieler besiegelt ist. Aber es wird eng für ihn: erstens, die Tatsache, dass praktisch fast all seine Komplizen von den Rechtsschutzorganen bereits verhaftet wurden. In Spanien wurde ein Mittäter Abljasows verhaftet, der wegen der Vorbereitung eines Terroraktes in Almaty verdächtigt wird. Tschechien traf die Entscheidung über die Auslieferung von Tatjana Paraskewich, Finanzdirektorin des Unternehmens „Eurasien“, die von der ukrainischen Polizei im Rahmen der Untersuchung der Geldmittelentwendung aus der BTA-Bank in Höhe von 4 Millionen US-Dollar zur Fahndung ausgeschrieben wurde.

In Kasachstan wurden im Zusammenhang mit dem Fall Abljasow 45 Menschen zur Verantwortung gezogen. In Russland wurden von einem Gericht vier Top-Manager der Firma „Eurasien Logistik“ zu acht und neun Jahren Haft verurteilt, die an der Geldwäsche der BTA-Bank beteiligt waren. Vor kurzem beendete die Untersuchungsabteilung des Innenministeriums Russlands die Untersuchung in Bezug auf den Mitbesitzer der Leasing-Gesellschaft „Delo“ Dmitrij Pak und seines Generaldirektors Oleg Zarew, die der Kriminalität im besonders großen Umfang und der Legalisierung der verbrecherischen Einnahmen beschuldigt werden.

Der Kern des kriminellen Geschäftes liegt darin, dass die Leasing-Gesellschaft von der BTA-Bank 70 Kredite in Höhe von insgesamt 70 Millionen US-Dollar erhielt, deren Spuren später in „Offshore-Zonen“ verloren gingen. Letztlich ist der Empfänger der Transfers der Kredite nicht die BTA-Bank gewesen, sondern eine zypriotische Firma mit dem Namen „Kimos“.

Die Schemen der verbrecherischen Machenschaften Abljasows in „Offshore-Paradiesen“ sind ein Gegenstand der unabhängigen Untersuchungen seitens des „Internationalen Konsortiums für investigativen Journalismus“ (ICIJ) geworden. Laut der veröffentlichten Daten wurden im Interesse Abljasows auf den Britischen Jungferninseln 31 Firmen registriert. Durch 25 Firmen von dieser Liste führte Abljasow im Zeitraum vom 2005 bis 2009 die Finanzmittel aus der Bank heraus. Die ICIJ-Untersuchung ist wohl der beste Beweis, dass kriminelle Oligarchen jegliche Unterstützung verloren haben. Doch was ist die ICIJ? Es ist eine Struktur, in der einflussreiche Persönlichkeiten des Westens dominieren. Der Hauptsitz dieser Organisation befindet sich in Washington. Hauptsponsoren sind die “Open Society“ von George Soros und die „Tides Fundation“.

Wenn jetzt jemand im Westen Abljasow unterstützen würde, blieb er allein. Man sagt doch: ein Einzelner ist kein Krieger im Felde. Es ist kein Geld mehr für die Miete der neuen Garde in den vorherigen Maßstäben verfügbar. Sogar die Immobilien Abljasows in England kommen unter den Hammer. Vor kurzem fasste das Oberste Gericht Londons den endgültigen Beschluss über die Beitreibung, der der Verwaltungsgesellschaft KPMG die Befugnisse gibt, drei von Abljasows Immobilienobjekten der Luxusklasse, eine Villa im Norden Londons, ein Grundstück über 40 Hektar in Windsor und eine Wohnung im Bezirk Saint John's in London, zu verkaufen.

Und wer weiß, vielleicht schon morgen findet Interpol endlich die Spur des Entlaufenen…