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Enge Partner in Zentralasien: Usbekistan und Kasachstan

Christian Hellberg
17. Juni 2013

Die Präsidenten der zentralasiatischen Nachbarländer Usbekistan und Kasachstan, Islam Karimow und Nursultan Nasarbajew, sind sich der Bedeutung und äußersten Notwendigkeit der Stärkung der bilateralen Zusammenarbeit bewusst. Als wichtige Indikatoren der Intensivierung der zweiseitigen Beziehungen können die bedeutenden Ergebnisse der bilateralen Treffen beider Staatsoberhäupter in Taschkent (2010) und Astana (2012) gesehen werden. Während der letzten Zusammenkunft konstatierte Präsident Nasarbajew: „Unsere Differenzen liegen in der Vergangenheit, jetzt werden zwischen unseren Ländern die engsten gegenseitigen Beziehungen angestrebt und alle werden erleichtert aufatmen.“

Die unlängst in den Medien aufgetauchte Nachricht über einen für Juni 2013 geplanten Besuch des kasachischen Präsidenten nach Usbekistan hat bestätigt, das sich die Kooperation weiter vertieft. Bereits im Frühjahr dieses Jahres fand in Taschkent das Vorbereitungstreffen der Außenminister bezüglich dieser Visite statt. Die Erklärungen beider Staatschefs während der Begegnung in Astana im Herbst 2012 zeigen, wie sich die Tonart geändert hat: Karimow dankte in seiner Rede der kasachischen Seite für den herzlichen Empfang und bemerkte, dass er sehr zufrieden mit den erfolgten bilateralen Gesprächen mit seinem kasachischen Counterpart sei. „Wir hatten schon lange Zeit nicht mehr einen solch offenen Meinungsaustausch in allen wichtigen Fragen. Hier haben wir beiderseitiges Einverständnis erreicht und sind entschlossen, die noch vor uns liegenden Probleme gemeinsam zu lösen.“

Auch Präsident Nasarbajew zeigte sich in seiner Erklärung mit den Ergebnissen dieses Treffens zufrieden: „Wir betrachten Usbekistan als einen guten Nachbarn und strategischen Partner in Zentralasien. Kasachstan strebt enge Beziehungen zu Usbekistan an. Ich möchte den Mitgliedern der Regierungen beider Seiten danken, dass sie in diesen Tagen wichtige Themen erörtert haben, die lange Zeit nicht auf der Tagesordnung standen. Unser Treffen und die daraus resultierenden Vereinbarungen über Wasser-, elektroenergetische, Transport- und Grenzfragen zeigen deutlich, wie eng die Verbindungen zwischen unseren Völkern geworden sind.“

Beide Seiten bemerkten in diesem Zusammenhang an, dass die langjährigen Bemühungen einer engeren Kooperation in der zentralasiatischen Region nur durch das Interesse der Schlüsselländer Kasachstan und Usbekistan erfolgreich sind. Die politischen und ökonomischen Potenziale, über die Kasachstan und Usbekistan verfügen, machen beide Länder zu Pionieren bei der Lösung der Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung und der Sicherheit in Zentralasien, gerade auch in Hinblick auf den Abzug der ISAF-Truppen aus Afghanistan im nächsten Jahr. Usbekistan und Kasachstan sind die größten Volkswirtschaften in Zentralasien. Ihre Bruttonationalprodukte sind um vieles höher, als die der übrigen Länder der Region, zu der auch noch Turkmenistan, Tadschikistan und Kirgisistan gehören. Auf dem Gebiet der regionalen Demographie sind Kasachstan mit fast 17 Millionen und Usbekistan mit etwa 30 Millionen Einwohnern auch hierbei diesen Republiken überlegen - die Bevölkerung der beiden führenden Staaten macht fast 80 Prozent der gesamten Bevölkerung Zentralasiens aus. Zudem verfügen beide Länder nach Russland über die größten Territorien in Eurasien. Des Weiteren verfügen sie über die besten Streitkräfte und die bedeutendsten Rohstoffvorräte in der Region: Erdöl, Erdgas, Seltene Erden und Uran.

Es könnten sich die zukünftigen Herausforderungen Zentralasiens gemeinsam in Angriff nehmen lassen, wenn Kasachstan und Usbekistan den Motor dafür bilden. Ihre Rolle ist hier mit der von Deutschland und Frankreich bei der europäischen Integration vergleichbar.

In der Tat waren die Erörterung der Mechanismen der gemeinsamen Nutzung der Wasser- und Energieressourcen in der zentralasiatischen Region sowie die Intensivierung der Arbeit des Internationalen Rettungsfonds für den Aralsee ein Hauptthemen des Treffens in Astana. Präsident Karimow, der bezüglich der Pläne der Errichtung der Staudämme und Wasserkraftwerke Kambaratinskaja in Kirgisistan und Rogunskaja in Tadschikistan im Erdbebengefahrenbereich der Oberläufe der Flüsse Amudarja und Syrdarja und des daraus zu erwarteten Mangels an Wasser für die Volkswirtschaften der Unterlaufstaaten seit langem Alarm schlägt, fand einen Verbündeten bei der Lösung dieses Problems in der Person von Nursultan Nasarbajew. Karimow hat deshalb in seiner Rede während des Besuches in Astana der Wasserfrage einen hohen Stellenwert eingeräumt: Er sprach fast 20 Minuten zu diesem Thema.

Es ist hinlänglich bekannt, dass beide Republiken ein allgemeines Interesse an der Lösung der ökologischen Katastrophe in der Region des Aralsees sowie bei der Bekämpfung des religiösen Extremismus, des Drogentransits und der organisierten Kriminalität haben.

Eine besondere Erwähnung verdient die Darstellung der Positionen der beiden Staatschefs in Bezug auf die afghanische Frage. Beide Seiten sind tief besorgt, wie sich die Situation am Hindukusch 2014 entwickeln wird, nachdem die US-amerikanischen Streitkräfte und ihre Verbündeten Afghanistan mehrheitlich verlassen haben. Der usbekische Präsident vertritt die Ansicht, dass, auch wenn es nicht bei allen Angelegenheiten übereinstimmende Interessen zwischen beiden Ländern gibt, ein gemeinsames Herangehen von Kasachstan und Usbekistan bei der Stabilisierung Afghanistans eine wichtige Bedeutung hat.

„Von unseren gegenseitigen Bemühungen hängt die Sicherheit und Stabilität Zentralasiens ab, und wir haben vor, die Zusammenarbeit in der Sphäre des Kampfes gegen die globalen Herausforderungen und Bedrohungen zu vertiefen, im Rahmen von regionalen und internationalen Organisationen, als auch auf dem bilateralen Niveau. Ich möchte das gegenseitige Streben zur Vertiefung der strategischen Partnerschaft zum Wohl der Völker von Kasachstan und Usbekistan betonen“, wiederholte Präsident Nasarbajew auf dem Treffen in Astana.

Die zukünftige Allianz zwischen den beiden Staaten Mittelasiens wird vieles in der Region in Bewegung setzen und sich den Herausforderungen und Problemen stellen. Sie trägt zur Stabilität und wirtschaftlichen Entwicklung Zentralasiens maßgeblich bei.