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Muchtar Abljasow: Pate der Geldwäsche großen Stils

Christian Hellberg
03. Juni 2013

In der Europäischen Union beginnen die Gerichtsverhandlungen bezüglich des flüchtigen kasachischen Bankiers Muchtar Abljasow. Nun ist bekannt geworden, dass sich Irland bei der Untersuchung der Geldwäschegeschäfte von Abljasow angeschlossen hat.

Es wurde vor kurzem bekannt, dass die irischen Behörden die Untersuchung der Tätigkeit einer Reihe dubioser Unternehmen durchgeführt haben. Diese Unternehmen wurden durch den einst einflussreichen Bankier Muchtar Abljasow für den ungesetzlichen Abschluss der Aktiva der einst größten kasachischen Bank BTA im sogenannten off-shore Bereich geschaffen.

Der Kampf gegen den globalen Terrorismus und die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise werden als der Wendepunkt in Bezug auf die stärkere Regulierung der internationalen Finanzströme angesehen. Der Auslöser für den internationalen Kampf gegen die „Steueroasen“ wurde der USP der ominösen Offshore-Gebiete: das Informationsgeheimnis bei der Durchführung von Finanztransaktionen. Steuerparadiese gerieten global unter Druck. Einer der bekanntesten Fälle liegt in der EU: die Republik Zypern.

Durch diese internationalen finanzpolitischen Verschiebungen wurden sogar die traditionellen Staaten in Bezug auf das Bankgeheimnis schwer getroffen: die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein. Für die meisten Steuerausländer in der Schweiz existiert das Bankgeheimnis nicht mehr. Dort ist das Gesetz "Über die internationale Hilfe in Steuerfragen“ in Kraft getreten. Seit Februar 2013 können Rechtsschutzorgane anderer Staaten Daten und Informationen über ihre Landsleute bei den schweizerischen Banken bekommen.

Diese Entscheidungen über die „Legalisierung“ von aus diversen Ländern unversteuerten oder aus anderen Gründen ungesetzlich ausgeführten Finanzen sind von großer Bedeutung. Zwar sind die Urheber dieser Machenschaften oft verurteilt worden, aber die Herausgabe der veruntreuten Gelder gestaltet sich als kompliziert.

Im April hat die angesehene US-amerikanische Tageszeitung „Washington Post“ eine Studie des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) veröffentlicht. Durch diese Publikation wurde bekannt, dass auf den Britischen Jungferninseln, den Cooks Islands und in anderen Steueroasen Konten von mehr als 120 Unternehmen geführt werden und Vertreter aus 170 Ländern der Erde Geld angelegt haben. Die Gesamtsumme der in Steueroasen geparkten illegalen Finanzen überschreitet die Summe von 32 Billionen US-Dollar.

Diese Bankkonten waren ein unersetzliches Schlupfloch für die kriminellen globalen Finanzkonglomerate. Ein bekanntes Beispiel sind die Strukturen der Schöpfer der Finanzpyramiden Allen Stanford und Bernard Madoff.

Zu den sogenannten „Helden der Steuerparadiese“ gehört auch der flüchtige kasachische Oligarch und ehemalige Vorsitzende des Vorstandes der BTA-Bank Muchtar Abljasow. Nach Angaben des International Consortium of Investigative Journalists hat Abljasow in den Jahren 2006 und 2007 31 Briefkastenfirmen auf den Britischen Jungferninseln gegründet. Die Höhe der Summen, die sich auf den Konten dieser Unternehmen befinden, ist derzeit noch unklar. Aber wahrscheinlich handelt es sich um einige Milliarden US-Dollar. Wie bereits bekannt wurde, ist Abljasow angeklagt, durch diese off-shore Unternehmen aus Kasachstan etwa 6 Milliarden US-Dollar illegal transferiert zu haben. Unabhängige Experten schätzen die Summe sogar auf 10 Milliarden US-Dollar.

In Kasachstan ist Geldwäscher Abljasow zu einer langen Freiheitsstrafe für seine Finanzverbrechen bereits verurteilt worden. Nach langwierigen Gerichtsverhandlungen hat das Oberste Gericht Londons einige Klagen der kasachischen BTA-Bank zugelassen. Durch das britische Urteil werden von Abljasow 2,1 Milliarden US-Dollar eingezogen. Vom ehemaligen Verwaltungsleiter der Bank Roman Solodtschenko werden ca. 400 Millionen US-Dollar und vom ehemaligen Stellvertretenden Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Bank Schaksylyk Scharimbetow werden 1,5 Milliarden US-Dollar eingezogen. Allerdings stellt sich jetzt die Frage, wo sich die illegalen finanziellen Mittel derzeit befinden.

Das zypriotische Unternehmen „Usarel Investments Limited“, Besitzer von Aktien des Hafens Witino am Weißen Meer in der Russischen Föderation, wurde in Moskau gerichtlich verpflichtet, der BTA-Bank Aktienanteile derjenigen Unternehmen, die den Hafen besitzen und verwalten, zu übergeben sowie eine finanzielle Kompensation auszuzahlen, sollte der Wert dieser Aktien 120 Millionen US-Dollar nicht überschreiten.

Es gibt noch einen weiteren Aktivposten im Wirtschaftsimperium von Muchtar Abljasow: das Moskauer Einkaufszentrum „Matrjoschka“, das offiziell einer südzypriotischen Firma gehört. Ende Februar haben Moskauer Behörden erklärt, dieses Gebäude zu beschlagnahmen, um andere Investoren finanziell auszahlen zu können.

Außerdem ist absehbar, dass bald zu der Liste derjenigen, die illegal Gelder außer Landes gebracht haben, noch einige Namen hinzufügt werden. Die Behörden Irlands untersuchen die Tätigkeiten des irischen Staatsbürgers Philip Burwell sowie der Letten Stan Gorin, Erik Vanagels und Juri Vitman. Sie werden verdächtigt, finanzielle Mittel der BTA-Bank in Steueroasen transferiert zu haben.

Dabei sind nicht nur Kasachstan, sondern auch die Ukraine und Lettland betroffen.

Die weltweiten Erfahrungen zeigen, dass das Wichtigste in der Untersuchung der Finanzbetrügereien nicht die Aufdeckung der Fälle selbst ist, sondern die Sicherstellung der Gelder, Rechnungen und des geraubten Eigentums.