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Die deutsch-liechtensteinischen diplomatischen Beziehungen waren bisher nicht Thema wissenschaftlicher Darstellungen. Die hier vorgelegte Übersicht basiert auf den Akten im Bundesarchiv (BAB) und im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes (PAAA) in Berlin und wurde anhand der Fachliteratur erweitert und ergänzt.

 

 

Die auswärtigen Angelegenheiten des Fürstentums Liechtenstein

 

Die im Besitz der österreichischen Familie Liechtenstein befindlichen Herrschaften Schellenberg und Vaduz wurden am 23. Januar 1719 von Kaiser Karl VI. zum Reichsfürstentum erhoben, das sowohl am Kaiserhof in Wien als auch beim Reichstag in Regensburg diplomatisch vertreten war.[1] Die Unabhängigkeit des Fürstentums Liechtenstein vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation datiert vom 12. Juli 1806, dem Tag der Unterzeichnung der Rheinbundakte. Seit dem 8. Juni 1815 gehörte Liechtenstein zum Deutschen Bund, war in der Bundesversammlung in Frankfurt am Main vertreten und stellte auch ein Truppenkontingent. Liechtenstein hielt treu zum Bund und stand im preußisch-österreichischen Konflikt an der Seite Österreichs. In der Sitzung des Bundestages in Frankfurt am Main am 14. Juni 1866 stimmte Freiherr Justin Timotheus Balthasar von Linde als Vertreter Liechtensteins für die Mobilmachung der Bundeskontingente und damit für den Krieg gegen Preußen.[2] Die liechtensteinischen Truppen beteiligten sich aber nicht an Kampfhandlungen, sondern versahen Wachdienst an der Grenze Tirols zu Italien.[3] Formelle Kriegserklärungen zwischen Preußen und Liechtenstein erfolgten nicht und es wurde zwischen beiden Staaten nach dem Krieg auch kein Friedensvertrag abgeschlossen. In Artikel IV des preußisch-österreichischen Friedensvertrages vom 23. August 1866 erkannte der Kaiser von Österreich die Auflösung des Deutschen Bundes an und gab seine Zustimmung zu einer neuen Gestaltung Deutschlands ohne Beteiligung des Österreichischen Kaiserstaates. Am 24. August 1866 fand in Augsburg die letzte Versammlung des Deutschen Bundes statt. Dabei wahrte Linde ausdrücklich „für die Fürstlich Liechtensteinische Regierung die aus dem Bundesverhältnisse zustehenden Rechte und alle sonstigen Zuständigkeiten“.[4]

 

 

 

 

Die völkerrechtliche Vertretung Liechtensteins in Deutschland

 

Die besonderen Beziehungen zwischen den Dynastien Liechtenstein und Habsburg hatten auch starke rechtliche Bindungen zwischen beiden Staaten zur Folge. Kaiser Franz Joseph von Österreich und Fürst Aloys von Liechtenstein unterzeichneten am 5. Juni 1852 in Wien den Vertrag über eine Zollunion. Mit Resolution vom 3. Oktober 1880 akzeptierte Kaiser Franz Joseph den Wunsch von Fürst Johann II., die Vertretung seiner Angelegenheiten, sowie jener seiner Familienmitglieder, soweit sie liechtensteinische Landesangehörige sind, und seiner Untertanen im Ausland durch die österreichisch-ungarischen Missionen wahrnehmen zu lassen. Ein entsprechender Erlaß datiert vom 24. Oktober 1880. Im November 1880 wurde der Sachverhalt von den österreichisch-ungarischen Missionen in Deutschland den Regierungen der Bundesstaaten mitgeteilt und die dort akkreditierten preußischen diplomatischen Vertreter meldeten die Angelegenheit dem Reichskanzler Otto von Bismarck in dessen Eigenschaft als preußischer Minister der Auswärtigen Angelegenheiten. Am 15. November 1880 teilte Freiherr Marius Pasetti von Friedental, der österreichisch-ungarische Geschäftsträger in Berlin, dem Grafen Friedrich von Limburg Stirum als interimistischem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes mit, „daß auf Ansuchen des Fürsten von Liechtenstein die Kaiserlich Österreichische Regierung die Vertretung der Liechtensteinischen Unterthanen im Auslande übernommen habe.“ Pasetti sei sich aber über die Beziehungen zwischen Liechtenstein und Preußen nach dem Krieg von 1866 nicht ganz klar und wollte deshalb darüber informiert werden, bevor er die amtliche Note übergibt. Bismarck schrieb an den Rand der Aufzeichnung Limburg Stirums, gegen den Wunsch des Fürsten von Liechtenstein gebe es „kein Bedenken“ und die völkerrechtliche Unklarheit zwischen Liechtenstein und Preußen sei „gleichgültig“. Limburg Stirum informierte Pasetti mündlich über die Haltung Bismarcks. Die offizielle Note des österreichisch-ungarischen Geschäftsträgers an das Auswärtige Amt datiert vom 25. November 1880. Der Staatssekretär bestätigte dem Geschäftsträger am 2. Dezember 1880 den Empfang der Note und fügte hinzu, „daß das Erforderliche veranlaßt werden wird, um jene Maaßregel zur Kenntnis der beteiligten diesseitigen Behörden zu bringen.“ Mit Schreiben vom folgenden Tag informierte Limburg Stirum den Kaiser und König Wilhelm I. über den Sachverhalt, ebenso das Königlich Preußische Staatsministerium, den Chef der Kaiserlichen Admiralität, den Staatssekretär des Innern, die Staatssekretäre des Reichsjustizamtes, des Reichsschatzamtes und des Reichspostamtes sowie die preußischen Gesandten in den deutschen Bundesstaaten. Eine entsprechende Nachricht erhielt auch die deutsche Botschaft in Wien.[5]

 

Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie 1918 mußte eine neue Regelung gefunden werden, weil die österreichisch-ungarischen diplomatischen Vertretungen aufgelöst wurden. Am 24. Mai 1919 überreichte Prinz Eduard von und zu Liechtenstein in Wien dem Staatsoberhaupt Karl Seitz das Beglaubigungsschreiben als erster außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister des Fürstentums Liechtenstein bei der Republik Deutschösterreich.[6] Damit war die erste liechtensteinische diplomatische Auslandsvertretung etabliert. Am 16. Juni 1919 schrieb Prinz Eduard von und zu Liechtenstein an Graf Botho von Wedel, den deutschen Botschafter in Wien, er bitte im Auftrag seines Souveräns, „welcher verfassungsmäßig den Staat in allen seinen Verhältnissen gegen auswärtige Staaten zu vertreten berufen ist, Euere Exzellenz wollen die Freundlichkeit haben, bei der deutschen Regierung die Anfrage zu stellen, ob es derselben genehm wäre, wenn die Vertretung der Interessen der liechtensteinischen Staatsangehörigen in Deutschland provisorisch durch die neu errichtete fürstliche Gesandtschaft in Wien übernommen werden würde.“ Wedel empfahl im Begleitschreiben vom 17. Juni 1919 zur Übersendung der Note Liechtensteins dem Auswärtigen Amt eine „wohlwollende Beurteilung“ der Gesuchs, was der Botschaft mit Schreiben vom 23. Juli 1919 auch bestätigt wurde. Die deutschen Behörden wurden von Auswärtigen Amt entsprechend informiert. Prinz Eduard von und zu Liechtenstein wurde das deutsche Einverständnis durch eine Note der Botschaft in Wien vom 4. August 1919 mitgeteilt, der wiederum seinen Dank dafür in einem Schreiben vom 14. August 1919 an den Prinzen Wilhelm zu Stollberg-Wernigerode, den deutschen Geschäftsträger in Wien, zum Ausdruck brachte. Am 20. Oktober 1919 suchte der schweizerische Gesandte in Berlin, Alfred von Planta, den Reichsaußenminister Hermann Müller auf und teilte mit, „daß die liechtensteinische Regierung die Absicht habe, den Schutz der Interessen der in Deutschland ansässigen Liechtensteiner der Schweiz zu übertragen.“ Müller antwortete, daß von deutscher Seite dagegen keine Bedenken vorhanden seien. Am 21. Oktober 1919 übermittelte Emil Beck, der liechtensteinische Geschäftsträger in Bern, dem schweizerischen Außenminister Felix Calonder eine Note mit der Bitte, „die Vertretung der Liechtensteinischen Interessen in den Ländern zu übernehmen, wo das Fürstentum keine Vertretung hat, während die Schweiz eine solche besitzt.“ Planta übermittelte eine Abschrift dieser Note an Müller und teilte im Begleitschreiben vom 31. Oktober 1919 mit, daß die Schweizerische Gesandtschaft in Berlin und die schweizerischen Konsulate ab sofort die liechtensteinischen Interessen in Deutschland vertreten würden. Vom Auswärtigen Amt wurden darüber die Regierungen bzw. Außenministerien der deutschen Länder, die Oberpräsidenten der preußischen Provinzen und die preußischen Ministerien informiert, ebenso das Büro des Reichspräsidenten mit der Empfehlung, dem Reichspräsidenten entsprechend Vortrag zu halten. Der Unterstaatssekretär für politische Angelegenheiten im Auswärtigen Amt, Edgar Haniel von Haimhausen, bestätigte Planta diesen Sachverhalt mit Schreiben vom 28. Dezember 1919.[7] Die Berliner Morgenpost kommentierte den Vorgang in ihrer Ausgabe vom 20. Januar 1920 mit dem spöttischen Satz: „Da das Fürstentum Liechtenstein nicht mehr Einwohner hat, als das benachbarte Oranienburg, dürfte die Schweizer Gesandtschaft unter der Last dieser Vertretung, die bis zum Kriege auf den damals starken Schultern Österreich-Ungarns ruhte, auch nicht zusammenbrechen.“

 

Die deutsche Vertretung in Liechtenstein

 

Aufgrund der liechtensteinisch-österreichischen Zollunion von 1852 waren die deutschen Vertretungen in Österreich auch mit für Liechtenstein zuständig. Im Frühjahr 1921 übermittelte die Schweizerische Gesandtschaft in Berlin dem Auswärtigen Amt den Wunsch der Fürstlich Liechtensteinischen Gesandtschaft in Bern, „die Zuständigkeit einer deutschen konsularischen Vertretung auf das Fürstentum Liechtenstein auszudehnen.“ Dessen Gebiet wurde dem Konsulat in Innsbruck zugewiesen. Seit dem 1. März 1921 war Freiherr Fritz von Gebsattel Leiter dieses Konsulats im Rang eines Generalkonsuls. Gebsattel war vorher Generalkonsul in Prag gewesen. Mit Schreiben vom 31. März 1921 ersuchte Carl Gneist, der Leiter der Personalabteilung des Auswärtigen Amtes, die deutsche Gesandtschaft in Wien, „der Fürstlich Liechtensteinischen Regierung gefälligst eine entsprechende Mitteilung zu machen und gleichzeitig um Anerkennung und Zulassung des Generalkonsuls von Gebsattel in Innsbruck zu bitten.“ Diese Bitte wurde der Fürstlich Liechtensteinischen Gesandtschaft in Wien mit Verbalnote vom 6. April 1921 übermittelt. In der Antwort vom 28. April 1921 steht, „daß Seine Durchlaucht der Regierende Fürst wie die fürstliche Regierung die Bestallung des Freiherrn von Gebsattel zum deutschen Konsul im Fürstentum Liechtenstein mit dem Amtssitze in Innsbruck mit lebhafter Befriedigung begrüßen. Sobald das Bestallungsdiplom für Freiherrn von Gebsattel vorliegen wird, wird von Seiner Durchlaucht dem Fürsten das Exequatur erteilt und von der fürstlichen Regierung die nötigen Verfügungen getroffen werden, damit der neue Konsularvertreter seitens der betreffenden Lokalbehörden in seiner amtlichen Eigenschaft anerkannt und zur Ausübung seiner Konsularfunktionen zugelassen werde.“ Mit Erlaß vom 20. Mai 1921 erhielt Gebsattel von Haniel die konsularischen Befugnisse für das Fürstentum Liechtenstein. Am 2. Juni 1921 erteilte Fürst Johann II. das Exequatur.[8] Gebsattel amtierte bis Ende Oktober 1921 in Innsbruck. Seine Nachfolger waren Richard Kuenzer vom November 1921 bis zum April 1922 und Freiherr Ferdinand von Frays ab Februar 1923 bis zu seinem Tod am 20. Oktober 1923.  

 

Am 1. Januar 1924 trat der Zollvertrag zwischen Liechtenstein und der Schweiz vom 29. März 1923 in Kraft. Daraufhin wurde dem deutschen Generalkonsulat in Zürich die Zuständigkeit für das Fürstentum Liechtenstein übertragen. Seit Anfang 1920 war der frühere badische Finanzminister Josef Rheinboldt deutscher Generalkonsul in Zürich. Er übermittelte am 17. Januar 1924 dem Auswärtigen Amt eine Kollektiveingabe der im Fürstentum Liechtenstein ansässigen Reichsangehörigen, „in der darum nachgesucht wird, das Gebiet des Fürstentums ... mit Rücksicht auf den engeren Anschluß Liechtensteins an die Schweiz und auf die bessere und kürzere Verbindung mit Zürich dem Bezirk des Generalkonsulats Zürich zuzuteilen.“ Rheinboldt hatte dagegen keine Bedenken und fügte einige Erläuterungen hinzu. In Liechtenstein würden etwa 150 Reichsdeutsche leben, Frauen und Kinder eingerechnet. „Wirtschaftlich ist Liechtenstein nicht von besonderer Bedeutung; es macht in letzter Zeit nur als Zufluchtsgebiet für Firmen und für Kapitalisten von sich reden, so daß es in dieser Beziehung einiger Aufmerksamkeit Wert ist.“ Die Übertragung der Wahrnehmung der konsularischen Befugnisse für das Fürstentum Liechtenstein vom Konsulat Innsbruck an das Generalkonsulat Zürich wurde Rheinboldt in einem Schreiben Gneists vom 21. Juni 1924 bestätigt.[9] Der Konsul erhielt am 9. Oktober 1924 das Exequatur und berichtete am 29. Mai 1925 dem Auswärtigen Amt über seine vom 22. bis zum 24. Mai 1925 unternommene Reise durch das Fürstentum. Rheinboldt wurde dabei von Regierungschef Gustav Schädler „mit besonders betonter Freundlichkeit empfangen, die eine große Sympathie der derzeitigen Regierung für Deutschland erkennen ließ. Der Regierungschef bemühte sich, mich besonders mit den wirtschaftlichen Verhältnissen des Ländchens eingehend bekannt zu machen, die durch den Anschluß an das schweizerische Zollgebiet eine völlig neue Orientierung erfahren haben.“[10] Rheinboldts Nachfolger Friedrich Heilbron kam am 10. Februar 1927 zum Antrittsbesuch nach Liechtenstein und berichtete darüber an das Auswärtige Amt folgendes: „Der Regierungschef holte mich auf dem Bahnhof in Buchs ab und zeigte mir zunächst auf einer einstündigen Rundfahrt die Bezirke des Unterlandes. Nach der Ankunft in Vaduz führte er mich durch das Regierungsgebäude, das vom Gefängnis bis zum Konferenzsaal des Kabinetts und dem Sitzungssaal des Landtages in einem sehr schmucken zweistöckigen Bau den ganzen Apparat der Regierung beherbergt, und lud mich dann zu einem ergiebigen Frühstück ein...“[11] Heilbron amtierte bis zum 31. März 1931 als Generalkonsul in Zürich. Sein Nachfolger war Joachim Windel, der am 29. November 1934 starb. Reichskanzler Adolf Hitler ernannte am 13. August 1935 Hermann Voigt zum neuen Generalkonsul in Zürich und zum Konsul für das Fürstentum Liechtenstein. Am 26. Juni 1943 wurde Voigt dem Delegierten der Reichsregierung für Wirtschafts- und Finanzfragen bei der Französischen Regierung und der Deutschen Waffenstillstandsdelegation für Wirtschaft in Paris zugeteilt. Neuer Generalkonsul in Zürich und Konsul für Liechtenstein wurde am 20. Mai 1943 Carl Dienstmann. Die Fürstlich liechtensteinische Regierung erteilte ihm am 16. Juli 1943 das Exequatur und am 24. August 1943 kam der Konsul zu seinem offiziellen Antrittsbesuch nach Vaduz.[12] In der Sitzung des Schweizerischen Bundesrates am 8. Mai 1945 wurde auf Antrag des Außenministeriums beschlossen, die schweizerische Gesandtschaft in Deutschland zu schließen und den Gesandten zurückzurufen. Die schweizerischen konsularischen Vertretungen in Deutschland sollten ihre Arbeit ohne offiziellen Charakter im Interesse der Schweizerkolonien fortsetzen. Die deutschen Vertretungen in der Schweiz waren zu schließen und deren Räume und Archive sollten zu getreuen Händen in Verwahrung genommen werden. Die Chefs und das Personal der Vertretungen sollten die Schweiz verlassen.[13] Damit endete vorerst auch die Tätigkeit des deutschen Generalkonsulats in Zürich.                      

Das Fürstentum Liechtenstein und das Dritte Reich

 

Die deutsch-liechtensteinischen Beziehungen waren in der Zeit der Herrschaft des Nationalsozialismus in Deutschland wegen dessen aggresiver Politik gegenüber den Nachbarländern zeitweise sehr angespannt. Zunächst änderte die Ernennung des Führers der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) Adolf Hitler zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 nichts an den Beziehungen zu Liechtenstein. Am 18. Juni 1933 wurde im Hotel „Adler“ in Vaduz die Ortsgruppe Liechtenstein der NSDAP gegründet.[14] Ein Thema der deutsch-liechtensteinischen Beziehungen in jener Zeit war ein Artikel des Journalisten und Schriftstellers Friedrich Hussong über Steuerflucht im Berliner Lokal-Anzeiger vom 13. November 1932. Darin steht u.a., das Fürstentum Liechtenstein mache sich „durch seine auf internationale Steuerhinterziehung angelegte Steuergesetzgebung ... zu einem Hehlernest und einer Diebesburg für die Steuerdiebe aller Länder.“ Am 6. Oktober 1933 fand im Auswärtigen Amt in Berlin eine schon lange geplante Besprechung zwischen Vertretern deutscher, liechtensteinischer und schweizerischer Behörden statt, an der sowohl der liechtensteinische Regierungschef Josef Hoop und Paul Dinichert, der schweizerische Gesandte in Berlin, als auch Konsul Windel sowie Vertreter des Auswärtigen Amtes, des Reichsinnenministeriums, des Reichsfinanzministeriums, des Reichsjustizministeriums und des preußischen Justizministeriums teilnahmen. Hoop „legte im Namen seiner Regierung Verwahrung ein gegen Vorwürfe, die in der deutschen Presse gegen sein Land erhoben worden sind und die namentlich dahin gehen, daß das Fürstentum durch seine Gesetzgebung die Kapitalflucht und die Steuerhinterziehung zum Nachteil anderer Länder begünstige und sich sogar zum Zufluchtsort internationaler Verbrecher mache.“ Der Regierungschef sagte allerdings rechtliche Änderungen zu. „Alle Beteiligten sind darüber einig, daß die stattgehabte offene und vertrauensvolle Aussprache und die gewonnene Aufklärung die aufgetretenen Mißverständnisse beseitigt haben, und daß die in Aussicht genommenen Maßnahmen geeignet sind, noch bestehende Schwierigkeiten zu beseitigen.“[15]

 

Leiter der Ortsgruppe Liechtenstein der NSDAP war zu jener Zeit der aus Lüneburg stammenden Direktor einer in Schaan ansässigen Fabrik für künstliche Zähne Friedrich Bock, der als Mittler zwischen der liechtensteinischen Regierung und dem deutschen Generalkonsulat in Zürich fungierte. Windel schrieb am 18. August 1934 an das Auswärtige Amt im Zusammenhang mit dem Vorschlag zur Errichtung eines deutschen Wahlkonsulats in Liechtenstein folgendes: „Bisher beschränkt sich das im Lande selbst residierende Konsularkorps auf einen Schlossermeister, der holländischer Wahlkonsul ist, und einen deutschen Reichsangehörigen, der auf geheimnisvolle Weise den Titel eines persischen Konsuls erlangt hat. Wenn Herr Hoop wirklich den Wunsch hätte, diesem Zwiegestirn noch einen im Lande wohnenden deutschen Konsul beigesellt zu sehen, hätte er sicher mich selbst bereits einmal hierauf angesprochen.“ Außerdem habe man „einen sehr guten Mittelsmann und Sachwalter in Liechtenstein“ mit guten Beziehungen zum Regierungschef, eben jenen Fabrikanten Bock, über den Windel so berichtete: „Er spricht fast allwöchentlich gelegentlich von geschäftlichen Reisen nach Zürich vor, erledigt dabei zahlreiche Anliegen, insbesondere Passsachen von Reichsangehörigen in Liechtenstein, deren Vertrauen er in gleichem Umfange wie das meinige genießt. (...) Aus diesen Gründen halte ich eine Änderung des gegenwärtigen Zustandes nicht für zweckmäßig.“[16] Windels Nachfolger Voigt beschrieb am 29. November 1935 dem Auswärtigen Amt die Situation der Nazis in Liechtenstein so: „Das Verhältnis der NSDAP in Liechtenstein zur Regierung ist als durchaus zufriedenstellend zu bezeichnen. Der Partei werden bis jetzt keinerlei Schwierigkeiten in den Weg gelegt und der Regierungschef Hoop zeigte stets für die Bestrebungen der Partei Verständnis. Dies kam auch im letzten Jahr bei verschiedenen Gelegenheiten einer Aussprache zwischen dem Konsulat und dem Regierungschef zum Ausdruck. Es ist in diesem Zusammenhang vielleicht nicht uninteressant zu erwähnen, daß der Regierungschef ein regelmäßiger Leser des Völkischen Beobachters ist. Wenn es auch in gewisser Hinsicht zutreffen mag, daß die Regierung des Fürstentums Liechtenstein und die hinter ihr stehende katholische Partei dem nationalsozialistischen Deutschland nicht gerade freundlich gegenüber stehen, so besteht doch zurzeit kein Grund, das derzeitige gute Verhältnis zwischen den in Liechtenstein ansässigen Reichsdeutschen und der Regierung aufs Spiel zu setzen.“[17]

 

Der sogenannte Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 belastete zunächst die deutsch-liechtensteinischen Beziehungen. Großdeutschland und Liechtenstein hatten nun eine gemeinsame Grenze, was im Fürstentum Befürchtungen vor einer deutschen Aggression gegen Liechtenstein auslöste. Solche Pläne gab es bei der deutschen Regierung in jener Zeit aber weder gegenüber der Schweiz noch gegenüber Liechtenstein. Der schweizerische Außenminister Giuseppe Motta drückte in einem Gespräch mit dem deutschen Gesandten Otto Köcher in Bern „Bewunderung über Art und Weise Durchführung des Anschlusses durch Führer“ aus und bezeichnete die Aktion „als größtes weltgeschichtliches Ereignis seit dem Weltkrieg.“ Befürchtungen aggressiver Absichten Deutschlands gegen die Schweiz widersprach der Gesandte.[18] Am 15. März 1938 notifizierte die Deutsche Gesandtschaft in Bern dem Schweizerischen Außenministerium das Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich vom 13. März 1938. In der Sitzung des Bundesrates am 18. März 1938 wurde die Beantwortung dieser Note und damit die Anerkennung des Vorgangs beschlossen.[19]

 

Hoop weilte in den Tages des Anschlusses in Wien zu Besprechungen mit dem Fürstenpaar und deren Kabinettsdirektor Josef Martin. „Hoop erlebte sonach mit eigenen Augen in Österreich den deutschen Truppeneinmarsch, die Massenbegeisterung, die Genugtuung der Nationalsozialisten, aber auch den beginnenden Terror und die einsetzende Fluchtbewegung. (...) Was Hoop in Wien besprochen und mit wem er sich getroffen hat, ist offen.“[20] Bei der Parade auf der Wiener Ringstraße vor Hitler am 14. März 1938 saß Martin an der Seite des Reichsaußenministers Joachim von Ribbentrop auf der Ehrentribüne. Am 15. März 1938 wurde fast den ganzen Tag über in einer nichtöffentlichen Sitzung des liechtensteinischen Landtags beraten und ein Bekenntnis zur Unabhängigkeit des Fürstentums abgelegt. Danach reiste Hoop nach Bern, wo am folgenden Tag im Außenministerium eine „Konferenz zur Besprechung der Frage des Schutzes der liechtensteinisch-österreichischen Grenze“ stattfand.[21] Köcher informierte das Auswärtige Amt telegrafisch darüber und bat um eine Sprachregelung.[22] Lammers besprach die Angelegenheit mit Hitler und Ribbentrop.[23] Der Reichsaußenminister gab dazu gegenüber Staatssekretär Hans-Georg von Mackensen folgende Stellungnahme: „Wir hätten gegen das Fortbestehen eines unabhängigen Fürstentums in seinem jetzigen Status an sich nichts. Ein engerer Anschluß Liechtensteins an die Schweiz ... sei uns unerwünscht. Da die Liechtensteinische Regierung gegenwärtig sichtlich von den Ereignissen in Österreich stark beeindruckt ist und ein Übergreifen der nationalsozialistischen Welle auf das Land fürchtet, sei es vielleicht zweckmäßig, in Liechtenstein in geeigneter Form diese zwei Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Es könnte dabei gesagt werden, daß wir, in der Vorausetzung, daß Liechtenstein an seinem bisherigen Status im Verhältnis zur Schweiz nicht rühre, seinen Fortbestand garantierten.“[24] Vom 21. bis zum 23. März 1938 weilte Hoop selbst in Berlin und sprach u.a. mit Reichsinnenminister Wilhelm Frick und Staatsminister Otto Meißner, dem Leiter der Präsidialkanzlei, aber nicht mit Vertretern des Auswärtigen Amtes. Im Bericht Dinicherts an Motta vom 23. März 1938 über den Besuch Hoops steht u.a., daß Liechtenstein seine Beziehungen zur Schweiz mehr denn je zu erhalten und zu pflegen wünsche. „In dem Maße, wo wir ihm das erleichtern können, werden wir wohl auch zur Erhaltung seiner Unabhängigkeit vom Deutschen Reiche beitragen.“[25] Freiherr Ernst von Weizsäcker, der neue Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, informierte Köcher über den Besuch Hoops in Berlin mit Schreiben vom 25. März 1938 und machte zur Sprachregelung einige Bemerkungen. Danach wolle sich die deutsche Regierung in die innere Politik des Fürstentums auch weiterhin nicht einmischen und sei auch nicht gegen das „Fortbestehen eines unabhängigen Fürstentums in seinem jetzigen Status“. Es sei aber willkommen, wenn das Fürstentum näher an das Reich herangeführt würde. Unerwünscht sei ein engerer Zusammenhang Liechtensteins mit der Schweiz.[26]

 

Negativ vermerkten die Nationalsozialisten die jüdische Herkunft der Fürstin Elisabeth von Liechtenstein, der Ehefrau des seit 1929 regierenden Fürsten Franz I. Sie war die Tochter des Großindustriellen Wilhelm Isaak Wolf Gutmann aus Mähren, dem Gründer des Österreichischen Industriellenklubs, Mitglied des Niederösterreichischen Landtags und Präsidenten der Wiener Israelitischen Gemeinde, der für seine Verdienste am 4. Januar 1878 durch die Verleihung des Eisernen Kronenordens III. Klasse in den österreichischen Ritterstand erhoben worden war. In Dinicherts Bericht vom 23. März 1938 steht über das Fürstenpaar: „Durch die Ausschiffung des alten Herrn und seiner jüdischen Frau soll eine Entlastung im Verhältnisse zu Deutschland erzielt werden.“ Mit den Anschluß Österreichs an Deutschland wurde das Fürstenpaar und weitere Angehörige der liechtensteinischen Dynastie zu Bewohnern des Großdeutschen Reiches. Ein Glückwunschschreiben des Fürsten an den Reichskanzler zur „Vereinigung“ Österreichs mit dem Deutschen Reich vom 17. März 1938 wurde von Hitler mit einem Danktelegramm beantwortet. Fürst Franz I. von Liechtenstein beauftragte am 30. März 1938 seinen Großneffen Franz Josef mit der Ausübung der dem Fürsten zustehenden verfassungsmäßigen Rechte und starb am 25. Juli 1938 auf Schloß Feldsberg in Mähren. Sein Großneffe übernahm die Regierung als Fürst Franz Josef II. Gemäß den Bestimmungen des Münchener Abkommens zwischen Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien vom 29. September 1938 wurden bestimmte Gebiete der Tschechoslowakei dem Deutschen Reich angegliedert. Dazu gehörten auch Gegenden in Südmähren mit großen Besitzungen der Familie Liechtenstein.[27] Am 1. Oktober 1938 begann die Besetzung dieser Gebiete durch die Wehrmacht. Franz Josef gratulierte Hitler am selben Tag telegrafisch aus Wien „auch namens des Fürstentums Liechtenstein zu der im Interesse des Friedens der Welt geschaffenen großen Tat“. Weizsäcker ersuchte den neuen Schweizerischen Gesandten in Berlin, Hans Frölicher, am 7. Oktober 1938 im Namen Hitlers, dafür Franz Josef zu danken.[28] In der Verfügung Hitlers über die Bildung des Gaues Sudetenland vom 30. Oktober 1938 ist u.a. bestimmt, daß die südmährischen Gebiete dem Gau Niederdonau zugewiesen werden.[29] Fürstin Elisabeth von Liechtenstein lebte bis zu ihrem Tod am 28. September 1947 in der Schweiz.

 

Am 11. Dezember 1938 hielt Hoop in Eschen eine politische Rede, in der auch das deutsch-liechtensteinische Verhältnis erwähnt wurde. Der Regierungschef sagte dazu wörtlich: „Mit dem Deutschen Reiche ist das Verhältnis ... herzlich. Zwischen dem Führer und Reichskanzler und unserem Fürsten sind wiederholt herzlich gehaltene Handschreiben gewechselt worden. Mit den deutschen Amtsstellen führen wir einen klaglosen und angenehmen Verkehr. Die Interessen des Fürsten im nunmehrigen deutschen Reichsgebiete werden nach Recht und Gebühr berücksichtigt und ich selber habe den Vorzug, mit hohen Persönlichkeiten des Deutschen Reiches persönlich Kontakt zu haben.“ Voigt übermittelte die ganze Rede im Wortlaut dem Auswärtigen Amt und formulierte im Begleitschreiben vom 15. Dezember 1938: „Der Geist, den diese Rede atmet, läßt sich mit einem Wort kennzeichnen: liechtensteinisch. Zwerghaft wie der Staat ist das Lebensideal, das der erste Regierungsbeamte für seine Bevölkerung aufstellt: klein, bescheiden, genügsam für sich zu leben, möglichst wenig Steuern zu zahlen, das materielle Wohlergehen zu pflegen und dem Einzelnen möglichst große Freiheit der Meinungsäußerung und der Kritik zu sichern.“ Der Generalkonsul meinte aber auch, „daß die Mehrheit der Bevölkerung ebenso denkt und fühlt...“[30]

Voigt wurde auch direkt mit der deutschen Rassenpolitik konfrontiert. Auf eine entsprechende Anfrage des Auswärtigen Amtes vom 22. Februar 1939 berichtete der Generalkonsul am 6. April 1939 über „Juden im Fürstentum Liechtenstein“ folgendes: „Nach eigenen Beobachtungen und nach Erkundigungen bei verschiedenen Stellen kann keine Rede davon sein, daß Liechtenstein als Judenparadies zu bezeichnen wäre. (...) Zusammenfassend ist zu sagen, daß die liechtensteinische Einbürgerungspraxis gegenüber Juden in der Zeit nach 1933 zunächst wohl etwas weitherzig gewesen sein mag, inzwischen aber sehr streng geworden ist, so daß von einem Judenzustrom keinesfalls gesprochen werden kann.“ Weitere Verdächtigungen der liechtensteinischen Regierung in dieser Hinsicht durch deutsche Behörden wies Voigt ebenfalls zurück.[31]  

 

Anfang März 1939 kam Franz Josef selbst zu einem schon länger geplanten Staatsbesuch nach Berlin.[32] In einer Aufzeichnung der Protokollabteilung für den Reichsaußenminister vom 27. Februar 1939 steht dazu: „Der Fürst ist sichtlich bemüht, zu den deutschen Regierungsstellen gute und persönliche Beziehungen herzustellen. Hierbei mag allerdings ins Gewicht fallen, daß die Familie Liechtenstein in der Ostmark, dem Sudetengau und der Tschecho-Slowakei über ausgedehnten Grundbesitz verfügt.“[33] Der Besuch verlief nach Plan, verstärkte aber die Besorgnisse einer Lockerung der Bindungen zwischen Liechtenstein und der Schweiz.[34] Die Regierung des Fürstentums gab deshalb am 6. März 1939 folgende Erklärung ab: „Alle Nachrichten, nach denen beim Staatsbesuch des Fürsten von Liechtenstein am 2. und 3. März 1939 in Berlin Verhandlungen über einen wirtschaftlichen oder politischen Anschluß des Fürstentums an das Deutsche Reich geführt worden seien, sind frei erfunden. Es handelte sich um einen reinen Höflichkeitsbesuch, bei welchem dem Fürst mit allen Ehren eines ausländischen Souveräns empfangen wurde. Die zuständigen Behörden des Fürstentums stehen auf dem Boden der Selbständigkeit und Unabhängigkeit des Landes und halten an den bestehenden Staatsverträgen fest.“[35] Franz Josef hatte in Berlin auch mit Frölicher ein Gespräch geführt, obwohl die Schweizerische Gesandtschaft in die Vorbereitung des Staatsbesuches nicht mit einbezogen worden war. Frölicher brachte diesen Sachverhalt bei einem Treffen mit Weizsäcker am 27. März 1939 zur Sprache, der dazu notierte: „Ich habe Herrn Frölicher freimütig gesagt, daß wir seine Aufgabe als Vertreter der liechtensteinischen Interessen durchaus anerkennen. Diskret und ohne die Sache noch etwa von neuem aufrühren zu wollen, möchte ich ihm jedoch mitteilen, daß nach meiner Kenntnis der Wunsch des Fürsten von Liechtenstein bzw. seiner Umgebung, ihn, Herrn Frölicher, bei dem Besuch des Fürsten in Berlin mit in die Erscheinung treten zu lassen, minder positiv gewesen sei, als er es vielleicht glaube und man es aus den schweizerischen Zeitungen habe lesen können.“[36] Die Annektion der sogenannten „Rest-Tschechei“ durch Nazideutschland und die Errichtung des „Protektorats Böhmen und Mähren“ Mitte März 1939 führte in Liechtenstein zu neuer Besorgnis vor einer deutschen Aggression. Der schweizerische Gesandte in Berlin regte deshalb beim Staatssekretär des Auswärtigen Amtes eine beruhigende Presseerklärung an. Darauf erwiderte Weizsäcker, „eine solche öffentliche Erklärung über das Wohlverhalten des Reiches gegenüber Liechtenstein schiene mir unangebracht. Er, Frölicher, könne ja nach Hause berichten und auch unser Geschäftsträger in Bern könne erklären, daß wir gegen Liechtenstein nichts im Schilde führten. Das werde sich in den wenigen Wirtshäusern in Liechtenstein ja schnell genug herumsprechen.“[37] In den sogenannten Anschluß-Putsch Ende März 1939 in Liechtenstein war die deutsche Regierung nicht verwickelt. In einer Unterschriftenaktion bekannte sich das liechtensteinische Volk anschließend zur Unabhängigkeit und Selbständigkeit des Landes unter der Regierung des Fürstenhauses.[38] Am 29. Mai 1939 fand in Vaduz die sogenannte Fürstenhuldigung statt, an der auch die Generalkonsuln Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs und der USA in Zürich teilnahmen.[39] Im Zweiten Weltkrieg blieben die Schweiz und Liechtenstein neutral. Frölicher übergab Weizsäcker am 1. September 1939, dem Tag des deutschen Angriffs auf Polen, die entsprechenden Noten.[40] Das Liechtenstein betreffende Dokument hat folgenden Wortlaut:

 

Schweizerische Gesandtschaft

in Deutschland.

Die Schweizerische Gesandtschaft beehrte sich, dem Auswärtigen Amte des Deutschen Reiches im Auftrage des regierenden Fürsten von und zu Liechtenstein zur Kenntnis zu bringen, daß das Fürstentum Liechtenstein im Falle eines kriegerischen Konfliktes die strengste Neutralität bewahren wird.

Berlin, den 1. September 1939.

An das Auswärtige Amt des Deutschen Reiches, Berlin.

 

In der Neujahrsbotschaft des Fürsten von Liechtenstein zum Jahreswechsel 1942/43 steht u.a.: „Mit dem Deutschen Reiche konnten trotz des Krieges die altgewohnten freundschaftlichen Beziehungen auf den verschiedensten Gebieten noch enger gestaltet werden.“[41] Am 7. März 1943 fand in Vaduz die Eheschließung zwischen Franz Josef II. und Gräfin Georgine von Wilczek statt. Nach ihrer Hochzeitsreise durch die Schweiz empfing das Fürstenpaar am 8. April 1943 den deutschen Generalkonsul in Zürich als Doyen des Konsularischen Corps auf Schloß Vaduz zu einem Frühstück, an dem u.a. auch Hoop teilnahm.[42] Hitler gratulierte dem Fürstenpaar zur Hochzeit mittels Telegramm vom 6. März 1943 und mittels Schreiben aus dem Führerhauptquartier vom 5. August 1943.[43] Franz Josef und Hitler wechselten auch sonst Glückwunsch- und Danktelegramme zu den Jahreswechseln und jeweiligen Geburtstagen. Am 17. August 1944 erfolgte der letzte Telegrammwechsel aus Anlaß des Geburtstages des Fürsten.[44] Nach der Geburt des Erbprinzen Hans Adam am 14. Februar 1945 in Zürich wurde das dortige deutsche Generalkonsulat telefonisch vom Auswärtigen Amt angewiesen, „telegrafisch den Vorschlag für eine Glückwunschadresse des Führers zu unterbreiten“. Der Reichsaußenminister habe bereits mit einer Karte gratuliert. In der Akte befindet sich aber kein Hinweis, ob das Fürstenpaar die Glückwünsche des Reichskanzlers zur Geburt des Thronfolgers auch erhalten hat.[45]   

 

 

Die Errichtung einer eigenen liechtensteinischen Vertretung in Deutschland

 

Das Fürstentum Liechtenstein unterhielt nur wenige eigene diplomatische Vertretungen im Ausland und diese in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert auch nur zeitweise. In der Schweizer Wochenzeitung vom 18. April 1936 wurden die auswärtigen Vertretungen Liechtensteins thematisiert und dabei Gesandtschaften des Fürstentums in Bern und Berlin als vorteilhaft gewertet. Auf Nachfrage Voigts meinte Hoop dazu, „daß die Meldung jeder tatsächlichen Grundlage entbehre... Seit Auflösung der Gesandtschaft in Bern habe sich die liechtensteinische Regierung mit der Errichtung eigener Gesandtschaften im Ausland überhaupt nicht befaßt. Nur die Frage der Errichtung konsularischer Vertretungen sei erörtert, aber bald wieder fallen gelassen worden. Es hätten zwar zahlreiche Angebote aus allen Ländern vorgelegen, trotzdem aber habe man mit Rücksicht auf die Kleinheit des Landes und die beschränkten Haushaltsmittel dem Plan keine weitere Folge gegeben. (...) Mit der Wahrnehmung der liechtensteinischen Auslandsinteressen durch die Schweiz könne er nur zufrieden sein, die Bundesbehörden nähmen sich dieser Interessen mit großer Sorgfalt an.“[46] In der Ausgabe der Schweizer Wochenzeitung vom 7. Mai 1938 wurde erneut über die Errichtung liechtensteinischer Gesandtschaften in Bern und Berlin berichtet. Hoop teilte Voigt daraufhin mit, „von irgendwelchen festen Plänen könne zurzeit nicht die Rede sein. Er habe lediglich nach der Wiedervereinigung Österreichs mit dem Reich die Frage mit dem Thronfolger flüchtig erörtert und dabei die Ansicht vertreten, daß Liechtenstein, falls es überhaupt an die Errichtung von Gesandtschaften denken sollte, zweckmäßig Gesandtschaften in beiden Nachbarstaaten unterhalten sollte. Wenn also über eine Gesandtschaft in Bern gesprochen werden sollte, würde es ihm richtig erscheinen, gleichzeitig in Berlin über eine liechtensteinische Vertretung in Deutschland zu sondieren. Die liechtensteinischen Interessen in Deutschland hätten seit Mitte März 1938 eine erheblich größere Bedeutung als vorher, der Fürst und die fürstliche Familie wohne ständig in Deutschland, besäße dort Güter usw. Über ein loses Gespräch sei die Erörterung jedoch nicht hinausgekommen.“[47] Das Thema kam wieder am 24. November 1942 bei einem Treffen des stellvertretenden liechtensteinischen Regierungschefs Alois Vogt mit Otto von Erdmannsdorff, dem Vertreter des Dirigenten der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, zur Sprache. Vogt wandte sich zunächst gegen Gerüchte, „wonach der Fürst von Liechtenstein eine deutschfeindliche Politik treibe. (...) Der Fürst sei zwar kein Nationalsozialist, aber durchaus deutschbewußt. (...) Vielleicht sei das gegen den Fürsten in gewissen deutschen Kreisen bestehende Mißtrauen darauf zurückzuführen, daß sein Mutter Habsburgerin sei. Der Hauptzweck des Vorsprechens von Dr. Vogt schien zu sein, daß er sondieren wollte, ob wir unsere Zustimmung zur Errichtung einer Gesandtschaft oder anderen Vertretung Liechtensteins beim Deutschen Reich geben würden. Bei dem Besuch des Fürsten von Liechtenstein im Jahre 1939 in Berlin habe man diese Frage nicht angeschnitten, weil man damals eine ungünstige Reaktion bei der Schweiz, die ja Liechtenstein außenpolitisch vertrete, habe befürchten müssen. Diese Befürchtungen bestünden nicht mehr, nachdem sich die innen- und außenpolitische Lage Liechtensteins stabilisiert hätte. Natürlich könnte ein derartiger Schritt nur im Einvernehmen mit der Schweizerischen Regierung erfolgen. Deshalb läge der Regierung von Liechtenstein daran, zu wissen, wie sich Deutschland dazu stellen würde.“[48] Eine Antwort auf diese Initiative ist aus den Akten nicht ersichtlich. Im Sommer 1943 kam Franz Josef erneut nach Berlin. In einer Aufzeichnung der Protokollabteilung des Auswärtigen Amtes steht über den Besucher: „Der Fürst ist sichtlich bemüht, zu den deutschen Regierungsstellen gute und persönliche Beziehungen herzustellen. Hierbei mag allerdings ins Gewicht fallen, daß die Familie Liechtenstein in den Donau- und Alpengauen, im Sudetengau und im Protektorat über ausgedehnten Grundbesitz verfügt. Jedenfalls hat Fürst Franz Josef II. im Gegensatz zu seinem Vorgänger stets Verständnis für das Dritte Reich gezeigt und sich immer zu seiner deutschen Volkszugehörigkeit bekannt.“ Staatssekretär Adolf Steengracht von Moyland empfing den Fürsten am 15. Juli 1943 im Auswärtigen Amt. „Die sehr herzliche Unterredung dauerte nicht ganz eine halbe Stunde.“ Politisch wichtiges wurde offensichtlich nicht besprochen.[49] Vogt kam im Juni 1944 noch einmal zu einem Besuch zu Erdmannsdorff ins Auswärtige Amt. Dabei erwähnte der stellvertretende Regierungschef gewisse Bestrebungen zu Errichtung einer liechtensteinischen Gesandtschaft in Bern. „Er habe sich dagegen ausgesprochen, da eine solche Maßnahme in Berlin als einseitige Festlegung Liechtensteins auf die Schweiz ausgelegt werden könnte, weshalb man dem Gedanken seiner Ansicht nach nur dann nähertreten sollte, wenn gleichzeitig eine liechtensteinische Gesandtschaft in Berlin errichtet würde. Seiner Meinung, daß letzterer schon früher von liechtenstienischer Seite vorgebrachte Gedanke besser bis Kriegsende zurückgestellt würde, pflichtete ich bei.“[50] Mit diesem Dokument endet der Liechtenstein betreffende Teil dieser Akte. Eine eigene liechtensteinische diplomatische Vertretung in Berlin wurde erst 58 Jahre später errichtet, 57 Jahre nach Kriegsende.                     

 

 

Die Beziehungen Liechtensteins zu den beiden deutschen Staaten und zum wiedervereinigten Deutschland

 

Nach dem Beschluß des Bundesrates vom 8. Mai 1945 blieben einige konsularische Vertretungen der Schweiz in Deutschland bestehen, so in Köln, Frankfurt am Main München, Stuttgart und Hamburg. Das Konsulat in Leipzig mußte auf Druck der sowjetischen Besatzungsmacht geschlossen werden. Das Berliner Gesandtschaftsgebäude nutzte die sogenannte Heimschaffungsdelegation, die ebenfalls Interessen schweizerischer Staatsangehöriger in Deutschland vertreten sollte. Für die Wahrnehmung der deutschen Interessen in der Schweiz wurde unter Leitung Frölichers eine eigene Behörde errichtet und dem Außenministerium angegeliedert. Auf die Gründung der beiden deutschen Staaten im Mai bzw. Oktober 1949 reagierte die schweizerische Regierung unterschiedlich. Der ostdeutsche Außenminister Georg Dertinger hatte schon in einer Note vom 24. Oktober 1949 alle Regierungen zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Deutschen Demokratischen Republik (DDR) aufgefordert. Allerdings wurde der ostdeutsche Staat in den ersten Jahren seines Bestehens nur von der Sowjetunion und deren Satellitenstatten sowie der Volksrepublik China völkerrechtlich anerkannt. Später folgten die unabhängig gewordenen Länder und danach die westlich orientierten Staaten. Die diplomatischen Beziehungen zwischen der DDR und der Schweiz wurden am 20. Dezember 1972 aufgenommen.[51] Erster Botschafter der DDR in Bern war Günter Ullrich, der dem Bundespräsidenten Roger Bonvin am 1. März 1973 das Beglaubigungsschreiben überreichte.[52] Am 22. März 1973 überreichte Hans Miesch als erster Botschafter der Schweizerischen Eidgenossenschaft in der DDR dem Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht das Beglaubigungsschreiben.[53] Am 25. Juni 1973 gab es zwischen Miesch und Heinz Haupt, dem amtierenden Leiter der Abteilung Westeuropa im Außenministerium, einen Notenaustausch zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der DDR und Liechtenstein, die auf den 28. Juni 1973 datiert wurde.[54] Die zusätzliche Akkreditierung Ullrichs als Botschafter der DDR in Liechtenstein erfolgte am 10. Oktober 1973. Die liechtensteinischen Interessen in der DDR wurden bis zu derem Ende durch die Schweizerische Botschaft in Ost-Berlin wahrgenommen.

 

Die Kontakte zwischen der schweizerischen Regierung und der Regierung der Bundesrepublik Deutschland liefen in der ersten Zeit ihres Bestehens über die Konsulate der Schweiz in Westdeutschland, besonders über das von Albert Huber geleitete Generalkonsulat in Frankfurt am Main. Nach den Abmachungen zwischen den Alliierten Hohen Kommissaren und dem Bundeskanzler Konrad Adenauer vom 22. November 1949 sollte der Austausch konsularischer Vertretungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und anderen Ländern gefördert werden. Bei einem Gespräch zwischen Huber und Adenauer am 23. Januar 1950 kam auch die Errichtung bundesdeutscher Konsulate in der Schweiz zur Sprache.[55] In der Sitzung des Schweizerischen Bundesrates am 16. März 1951 wurde die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland und in der Sitzung am 30. März 1951 die Ernennung Hubers zum ersten Gesandten in Bonn beschlossen. Am 6. Mai 1952 überreichte Friedrich Holzapfel als erster bundesdeutscher Gesandter in Bern dem Bundespräsidenten Karl Kobelt das Beglaubigungsschreiben. Das Generalkonsulat in Zürich war schon ein Jahr zuvor wiedererrichtet worden. Der deutsche Bundespräsident Theodor Heuss hatte mit Urkunde vom 21. April 1951 den Juristen Albrecht Wehl zum Generalkonsul in Zürich ernannt, der am selben Tag auch die Bestallung als Konsul für das Fürstentum Liechtenstein erhielt. Wehl war zuvor Leiter der Geschäftsstelle Geldwesen und Privatversicherung im Finanzministerium des Landes Württemberg-Baden gewesen. Der Schweizerische Bundesrat erteilte ihm am 24. April 1951 das Exequatur. Wehl überreichte bei seinen Antrittsbesuchen in Bern seine Bestallungsurkunde als Konsul für das Fürstentum Liechtenstein dem Prinzen Heinrich von und zu Liechtenstein als liechtensteinischem Geschäftsträger in der Schweiz.[56] Albrecht Wehl starb auf seinem Posten am 10. Oktober 1952 an den Folgen eines Herzinfarkts.[57] Das Generalkonsulat in Zürich blieb auch unter seinen Nachfolgern für das Fürstentum Liechtenstein zuständig. Seit 1992 ist der deutsche Botschafter in Bern zusätzlich in Vaduz akkreditiert, nachdem direkte diplomatische Beziehungen zwischen beiden Staaten aufgenommen worden waren. Die liechtensteinischen Interessen in der Bundesrepublik Deutschland wurden nach der Vereinbarung von 1919 durch die Vertretungen der Schweiz wahrgenommen. Im Jahre 1999 erhielt Roland Marxer, der Leiter des Amts für Auswärtige Angelegenheiten des Fürstentums Liechtenstein, das Agrément als Botschafter für Deutschland. Sein Antrittsbesuch als erster, allerdings nicht residierender, Botschafter in Berlin erfolgte im Jahre 2000. Am 10. Dezember 2002 wurde mit Josef Wolf zum ersten Mal ein in der deutschen Hauptstadt residierender liechtensteinischer Botschafter akkreditiert. Ihm folgte als Botschafter am 25. März 2007 Prinz Stefan von und zu Liechtenstein.

 

 

Anhang I:

 

 

K. u. K. Oesterreichisch-Ungarische Botschaft                Berlin, 25. November 1880

 

 

Der souveräne Fürst von und zu Liechtenstein hat der K. u. K. Regierung das Anliegen vorgebracht, daß die Vertretung seiner Angelegenheiten sowie jener seiner Familienglieder, welche liechtenstein´sche Landesangehörige sind, und seiner Unterthanen im Auslande durch die oesterreichisch-ungarischen Missionen übernommen werden möchte.

 

            Die K. u. K. Regierung ist der Ueberzeugung, daß die Gewährung dieses Wunsches keinen Bedenken unterliegt; dieselbe hat sich schon wiederholt der Aufgabe unterzogen, die Interessen anderer Staaten und ihrer Angehörigen dort wo dieselben keine eigene Vertretung hatten, zu wahren; sie ist um so mehr in dem Falle dies in Ansehung des Fürstenthums Liechtenstein zu thun, als ihr bereits in Folge des Zolleinigungs-Vertrages mit demselben dessen wirtschaftliche Interessen anvertraut sind.

 

            Nachdem nunmehr die diesbezüglichen Verhandlungen abgeschlossen worden sind und das Ersuchen, betreffend die Vertretung der auswärtigen Interessen des Fürstentums Liechtenstein durch die K. u. K. Missionen, von Seiner K. u. K. Apostolischen Majestät mit Allerhöchster Resolution vom 3. October d. J. genehmigt worden ist, beehrt sich der unterzeichnete oesterreichisch-ungarische Geschäftsträger Seiner Hochgebohren den Herrn Grafen von Limburg-Stirum von Vorstehendem mit dem ganz ergebensten Bemerken in Kenntnis zu setzen, daß die K. u. K. Botschaft beauftragt worden ist, von nun an auch die Vertretung der fürstlich liechstenstein´schen Angelegenheiten innerhalb ihres Amtsbereiches zu übernehmen.

 

            Der Unterzeichnete benützt zugleich dieses Anlaß zum erneuten Ausdruck seiner ausgezeichnetsten Hochachtung.

 
Freiherr von Pasetti

 

 

 

Seiner Hochgebohren

Herrn Grafen von Limburg-Stirum

Berlin

 

         

 

Anhang II:

 

 

Fürstlich Liechtensteinische                                                 Bern, am 21. Oktober 1919.

Gesandtschaft in Bern

 

Herrn Bundesrat Calonder

Vorsteher des Schweizerischen Politischen Departements Bern

 

Herr Bundesrat!

Im Auftrag der Regierung des Fürstentums Liechtenstein habe ich die Ehre, den Schweizerischen Bundesrat zu bitten, die Vertretung der liechtensteinischen Interessen in den Ländern zu übernehmen, wo das Fürstentum keine Vertretung hat, während die Schweiz eine solche besitzt. Abgesehen von der Schweiz, Deutschösterreich und der Tschechoslowakei, wo das Fürstentum Gesandtschaften unterhält, ist die Zahl der im Ausland lebenden Liechtensteiner gering. Dennoch legt die fürstliche Regierung großen Wert darauf, daß auch in den anderen Ländern die Interessen des Fürstentums vertreten sind. Unter solchen Umständen möchte sie dieselben dem Schutze der Schweiz anvertrauen, zu der sie und das liechtensteinische Volk das größte Vertrauen haben.

Genehmigen Sie, Her Bundesrat, die Versicherung meiner vorzüglichsten Hochachtung.

Beck

 

 

Légation de la                                                                             Berlin, le 31 octobre 1919.

Confédération Suisse.

 

Monsieur le Ministre,

Mon Gouvernement me charge et j´ai l´honneur d´informer Votre Excellence que la Légation de la Principauté de Liechtenstein a, par le lettre ci-jointe, demandé au Conseil Fédéral d´assumer la représentation de ses intérets en Allemagne.

Je ne doute pas que Votre Excellence ne veuille bien consentir à réserver à la Légation et aux Consulats de Suisse, lorsqu´ils représenteront les intérets liechtensteinois, le meme bienveillant accueil dont les autorités de Votre pays ont bien voulu faire preuve lorsque des démarches ont été entreprises en faveur de nos ressortissants.

En remerciant à l´avance Votre Excellence de l´extreme bienviellance avec laquelle Elle voudra bien prendre en considération la communication que j´ai l´honneur de Lui adresser, je saisis cette occasion pour Vous prier d´agréer, Monsieur le Ministre, les assurances de ma très haute considération.

Le Ministre de Suisse en Allemagne

A.     de Planta

 

Son Excellence

Monsieur le Ministre des Affaires Etrangères,

B e r l i n.


Anhang III:

 

 

Urkunde

über Erteilung konsularischer Befugnisse

an den Konsul z. D.,

Generalkonsul

Freiherrn von Gebsattel

für

das Fürstentum Liechtenstein.

 

 

 

Nachdem der Amtsbezirk des Konsulats Innsbruck auf das Fürstentum Liechtenstein ausgedehnt worden ist, werden dem Konsul z. D., Generalkonsul Freiherrn von Gebsattel auch für dieses Gebiet konsularische Befugnisse übertragen.

 

            Es wird gebeten, ihn in seiner konsularischen Eigenschaft anzuerkennen, auf die Vorstellungen, die er in solcher Eigenschaft tun wird, willfährig Rücksicht zu nehmen, ihm alle zur Ausübung seines konsularischen Amtes etwa dienliche Hilfe zu bewilligen, ihm auch alle Freiheiten und Vorrechte, welche dortigen Orts die konsularischen Vertreter anderer befreundeter Mächte genießen, angedeihen zu lassen, wogegen die deutsche Reichsregierung dieses Alles bei vorkommenden Fällen zu erwidern nicht ermangeln wird.

Berlin, den 20. Mai 1921.

 

Wirth

Reichskanzler,

mit der Wahrnehmung der Amtsgeschäfte

des Reichsministers des Auswärtigen beauftragt.

 

Seine Durchlaucht der Regierende Fürst

haben mit Hoher Resolution

vom 2. Juni 1921 dem

gegenwärtigen Bestallungsdiplom

das Exequatur zu erteilen geruht.

Wien, den 7. Juni 1921.

Für die fürstliche Regierung:

    Der fürstliche Gesandte:

Liechtenstein


 

 

 


Anhang IV:

 

 

Bestallung

für

den Leiter des Deutschen

Generalkonsulats in Zürich,

Finanzminister a. D.,

Dr. Josef Rheinboldt,

als

Leiter des Konsulats des

Deutschen Reiches für das

Fürstentum Liechtenstein

mit dem Amtssitz

in Zürich.

 

 

Der Präsident des Deutschen Reichs

bringt hiermit zur Kenntnis, daß, nachdem von ihm im Namen des Reichs beschlossen worden ist, für das Fürstentum Liechtenstein einen Konsul zu bestellen, er zum Leiter des Konsulats den Leiter des Deutschen Generalkonsulats in Zürich, Finanzminister a. D., Dr. Josef Rheinboldt, ausersehen und angenommen hat.

 

Indem er dem Josef Rheinboldt Auftrag und Vollmacht gibt, das Interesse des Reichs, namentlich in Bezug auf Handel, Verkehr und Schiffahrt, zu schützen und zu fördern, die Beobachtung der Staatsverträge zu überwachen und den Angehörigen des Reichs, sowie anderer befreundeter Staaten, in ihren Angelegenheiten Rat und Beistand zu gewähren, überhaupt alles zu tun und auszuführen, was in den Reichsgesetzen und seinen Instruktionen vorgeschrieben ist, ersucht er hiermit, den Genannten als Konsul des Deutschen Reichs für das Fürstentum Liechtenstein zu erkennen, auf die Vorstellungen, welche er in solcher Eigenschaft tun wird, willfährige Rücksicht zu nehmen, ihm alle zur Ausübung seines Amtes etwa dienliche Hilfe und Beistand zu bewilligen, auch ihm alle Freiheiten und Vorrechte, welche dortigen Orts die Konsuln anderer befreundeter Mächte genießen, angedeihen zu lassen, wogegen die Deutsche Reichsregierung dieses Alles bei vorkommenden Gelegenheiten zu erwidern nicht ermangeln wird.

Berlin, den 9. Oktober 1924.

Ebert

Stresemann


Anhang V:

 

 

S C H W E I Z E R I S C H E   B O T S C H A F T

 

Nr. 84

 

 

Die Schweizerische Botschaft beehrte sich, im Auftrag ihrer Regierung dem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten folgendes mitzuteilen:

 

Die Regierung des Fürstentums Liechtenstein hat den Schweizerischen Bundesrat gebeten, die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik von ihrer Bereitschaft in Kenntnis zu setzen, mit Wirkung vom Donnerstag, dem 28. Juni 1973, diplomatische Beziehungen zwischen den beiden Staaten aufzunehmen. Für die Beziehungen sollen die Bestimmungen der Wiener Konvention vom 18. April 1961 gelten.

 

Dabei ist es der Wunsch der Fürstlichen Regierung, daß die Interessen Liechtensteins auf diplomatischer und konsularischer Ebene, entsprechend der geübten Praxis, durch die Schweizerische Eidgenossenschaft vertreten werden.

 

Die Botschaft wäre dem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten verbunden, wenn es ihr das Einverständnis der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik mit dem vorstehenden Vorschlag bekanntgeben könnte.

 

Die Schweizerische Botschaft benutzt auch diese Gelegenheit, das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Deutschen Demokratischen Republik ihrer ausgezeichneten Hochachtung zu versichern.

 

Berlin, den 25. Juni 1973

                                                                                                                                 (Siegel)

 

 

Ministerium für Auswärtige

Angelegenheiten der

Deutschen Demokratischen Republik

B e r l i n

 

 

 

 

Note Nr. 57/73         Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Deutschen Demokratischen Republik beehrt sich, der Schweizerischen Botschaft in der Deutschen Demokratischen Republik den Empfang der Note Nr. 84 vom 25. Juni 1973 zu bestätigen. Im Auftrage seiner Regierung teilt das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Schweizerischen Botschaft dazu folgendes mit:

 

Die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik erklärt ihr Einverständnis mit dem Vorschlag der Regierung des Fürstentums Liechtenstein, zwischen beiden Staaten mit Wirkung vom 28. Juni 1973 diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Für diese Beziehungen gelten die Bestimmungen der Wiener Konvention über diplomatische Beziehungen vom 18. April 1961.

 

Die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik nimmt den Wunsch der Fürstlichen Regierung zur Kenntnis, daß die Interessen Liechtensteins auf diplomatischer und konsularischer Ebene durch die Schweizerische Eidgenossenschaft, entsprechend der geübten Praxis, vertreten werden.

 

Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Deutschen Demokratischen Republik benutzt auch diese Gelegenheit, die Schweizerische Botschaft in der Deutschen Demokratischen Republik seiner ausgezeichneten Hochachtung zu versichern.

 

Berlin, den 25. Juni 1973 

 

 

 

Präsidium des Ministerrates                                             Vertrauliche Ministerratssache

 

B e s c h l u ß

über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der

Deutschen Demokratischen Republik und dem Fürstentum Liechtenstein

vom 27. Juni 1973

 

1.      Der Herstellung diplomatischer Beziehungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und dem Fürstentum Liechtenstein mit Wirkung vom 28. Juni 1973 wird zugestimmt.

2.      Dem Text der von beiden Seiten für den 28. Juni 1973 vereinbarten Veröffentlichung wird zugestimmt.

3.      Der Minister für Auswärtige Angelegenheiten wird beauftragt, alle sich daraus ergebenden Maßnahmen zu veranlassen.

4.      Der Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik nimmt zur Kenntnis, daß die Interessen des Fürstentums Liechtenstein durch die Schweizerische Botschaft in der DDR wahrgenommen werden.



[1] Repertorium der diplomatischen Vertreter aller Länder, III. Band, Graz Köln 1965, S. 225.

[2] Sitzungsprotokoll in: Corpus Juris Confoederationis Germanicae, Dritter Teil, Frankfurt am Main 1869, S. 622 – 629. 

[3] Mitteilung Lindes an die Bundesversammlung vom 2. Juli 1866, ebenda, S. 654.

[4] Sitzungsprotokoll, ebenda, S. 663 – 665. Rechtlich gesehen besteht der Deutsche Bund immer noch, weil zu seiner formellen Auflösung die Zustimmung des Fürsten von Liechtenstein nötig gwesen wäre, die aber bis heute nicht erfolgt ist.

[5] Die Unterlagen dazu befinden sich im Bestand BAB, R 901/69770, Auswärtiges Amt, Akten betreffend Vertretung der Interessen des Fürstentums Liechtenstein durch österreichisch-ungarische Gesandtschaften. Abschrift der Note vom 25. November 1880 siehe Anhang I.

[6] Prinz Eduard von und zu Liechtenstein: Liechtensteins Weg von Österreich zur Schweiz, Eine Rückschau auf meine Arbeit in der Nachkriegszeit 1918 – 1921, Vaduz 1946, S. 24 – 28.

[7] Die Unterlagen dazu befinden sich im Bestand PAAA, R 130856, Auswärtiges Amt, Rep. I Liechtenstein Nr. 1, Akten betreffend Vertretung der Interessen der liechtensteinischen Staatsangehörigen in Deutschland. Siehe Anhang II.

[8] Die Unterlagen dazu befinden sich im Bestand PAAA, Zürich 88, Akten des deutschen Generalkonsulats in Zürich, Fürstentum Liechtenstein, Band 1. Siehe Anhang III.

[9] PAAA, Zürich 88a, Akten des deutschen Generalkonsultats in Zürich, Fürstentum Liechtenstein, Band 2. Siehe Anhang IV. Andere Konsulate in Zürich, wie die von Großbritannien, Italien oder Polen, waren ebenso für die Vertretung der Interessen ihrer Länder in Liechtenstein zuständig. 

[10] Bericht Rheinboldts vom 29. Mai 1925 an das Auswärtige Amt in: PAAA, R 71338, Liechtenstein, Politisches.

[11] Bericht Heilbrons vom 11. Februar 1927 an das Auswärtige Amt, ebenda.

[12] Mitteilung Dienstmanns an das Auswärtige Amt vom 25. August 1943 in: PAAA, Personalakte Carl Dienstmann, Geldakte.

[13] Diplomatische Dokumente der Schweiz, Band 15, Bern 1992, S. 1106/1107.

[14] Peter Geiger: Krisenzeit, Band 2, Zürich 1997, S. 69 – 80. 

[15] Niederschrift in PAAA, Gesandtschaft Bern 1533.

[16] Ebenda.

[17] Ebenda.

[18] Telegramm Köchers vom 14. März 1938 an das Auswärtige Amt; abgedruckt in: Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, Serie D, Band I, Baden-Baden 1950, S. 489.

[19] Diplomatische Dokumente der Schweiz, Band 12, Bern 1994, S. 535/536

[20] Geiger, S. 116

[21] Diplomatische Dokumente der Schweiz, Band 12, a.a.O., S. 552/553.

[22] Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, Serie D, Band V, Baden-Baden 1953, S. 567/568.

[23] BAB, R 43 II/1458a.

[24] Aufzeichnung Mackensens vom 19. März 1938: PAAA, R 29672, Büro des Staatssekretärs, Akten betreffend: Liechtenstein, Luxemburg, Band 1.

[25] Diplomatische Dokumente der Schweiz, Band 12, a.a.O., S. 550/551.

[26] Original in PAAA, Gesandtschaft Bern 1533.

[27] Hoop weilte zur Regelung dieser Angelegenheiten im Oktober 1938 selbst in Berlin. Siehe dazu das Kapitel „Sudentenkrise und fürstliche Besitzungen“ in Geiger, S. 242 – 248.

[28] Anschrift in: PAAA, Gesandtschaft Bern 1533.

[29] Dokumente der Deutschen Politik, Band 6, Teil 1, Berlin 1939, S. 378/379.

[30] PAAA, Gesandtschaft Bern 1533.

[31] PAAA, R 99426, Inland A/B, Akten betreffend: Juden in Liechtenstein.

[32] Siehe dazu Geiger, S. 331 – 345.

[33] PAAA, R 28869, Büro Reichsaußenminister, Akten betreffend: Liechtenstein, Bl. 36 – 42; dort auch das Programm für den Besuch, Bl. 32 – 35.

[34] Siehe dazu Geiger, S.

[35] Schulthess´ Europäischer Geschichtskalender 1939, S. 50.

[36] Aufzeichnung Weizsäckers vom 27. März 1939: PAAA, R 29672.

[37] Aufzeichnung Weizsäckers vom 30. März 1939, ebenda.

[38] Geiger, S. 346 – 414.

[39] Siehe dazu den Bericht Voigts an das Auswärtige Amt vom 3. Juni 1939: PAAA, Gesandtschaft Bern 2838.

[40] PAAA, R 29672.

[41] Liechtensteiner Volksblatt vom 31. Dezember 1942.

[42] Bericht Voigts an das Auswärtige Amt vom 9. April 1943: PAAA, Gesandtschaft Bern 2837.

[43] Abschriften ebenda.

[44] Abschriften ebenda.

[45] PAAA, Gesandtschaft Bern 2839.

[46] Bericht Voigts an das Auswärtige Amt vom 6. Mai 1936: PAAA, Gesandtschaft Bern 1533.

[47] Bericht Voigts an das Auswärtige Amt vom 12. Mai 1938, ebenda.

[48] PAAA, R 29672. 

[49] Aufzeichnung vom 15. Juli 1943, ebenda.

[50] Aufzeichnung Erdmannsdorffs vom 27. Juni 1944, ebenda.

[51] Dokumente zur Außenpolitik der DDR 1972, Band XX, 2. Halbband, Berlin 1975, S. 959.

[52] Dokumente zur Außenpolitik der DDR 1973, Band XXI, 2. Halbband, Berlin 1976, S. 1096.

[53] Ebenda, S. 1101.

[54] Der Ministerrat faßte am 27. Juni 1973 den entsprechenden Entschluß: BAB, DC 20-I/4-2889; siehe Anhang V. Die entsprechende Pressemitteilung ist abgedruckt in: Dokumente zur Außenpolitik der DDR 1973, Band XXI, 2. Halbband, Berlin 1976, S. 850.

[55] Bericht Hubers vom 23. Januar 1950 in: Anfangsjahre der Bundesrepublik Deutschland, Berichte der Schweizer Gesandtschaft in Bonn 1949 – 1955, Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Band 55, München 1987, S. 27/28.

[56] Bericht Wehls an das Auswärtige Amt vom 19. Mai 1951: PAAA, B 11 Nr. 356, Deutsche diplomatische und konsularische Vertretungen in der Schweiz 1950 – 1954, Bl. 26/27.

[57] PAAA, Personalakte Albrecht Wehl.

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